Haltung lohnt sich

Die fetten Gehälter der Mainstream-Bosse

Immer dann, wenn die Auflage gerade wieder besonders dramatisch wegbricht, greift ›Bild‹ vorzugsweise auf einen Klassiker zurück: »Die große Gehaltsliste. Was die Deutschen wirklich verdienen.« Zu gerne allerdings hätten »die Deutschen«, von denen laut ›Bild‹ jeder Vierte monatlich mit 1.600 Euro brutto und weniger über die Runden kommen muss, einmal gewusst, was die Medien-Bosse so einstreichen. Doch das ist ein Tabu-Thema, fast schon ein Staatsgeheimnis. Der ›Deutschland-Kurier‹ lüftet den Schleier. Alle Zahlen beruhen auf Kenntnissen und Schätzungen von gut informierten Branchen-Insidern oder stammen aus nicht an die große Glocke gehängten Rechenschaftschaftsberichten. Fangen wir der Einfachheit halber gleich mit ›Bild‹ an.

 

Trotz nur noch 1,3 Millionen Auflage (von einst 5 Millionen) ist das Springer-Blatt noch immer der Platzhirsch im Mainstream-Revier. Laut Medien-Magazin ›Kress pro‹ kommt ›Bild‹-Chef Julian Reichelt (38) auf ein Jahressalär zwischen 500.000 und einer Million Euro. Nach ›DK‹-Informationen dürften seine Bezüge ziemlich genau in der Mitte liegen – je nach Höhe der bei ›Bild‹ üblichen (erfolgsabhängigen) Tantieme. Reichelt gehört damit zu den Top-Verdienern des Mainstreams. Einzig ›ZEIT‹-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo (59), Mitherausgeber beim Berliner ›Tagesspiegel‹ und innerhalb der Holtzbrinck-Verlagsgruppe in einer herausgehobenen Position, könnte Reichelt finanziell das Wasser reichen.

Der unsägliche ›Bild‹-Politikchef, Nikolaus Blome (55), der die Angst seiner Leser vor Terroranschlägen einmal »eine gute Angst« nannte, kassiert dem Vernehmen nach als stellvertretender Chefredakteur gut und gerne 250.000 bis 270.000 Euro Jahresgehalt. Andere leitende Redakteure bei ›Bild‹ liegen, je nach Alter und Dienstjahren, innerhalb einer Bandbreite von 90.000 bis 180.000 Euro – wobei Onliner in der Regel deutlich weniger verdienen als ihre Print-Kollegen.

Der geschmeidige Latte-Machiatto-Chef von Springers ›Welt‹, Ulf Poschardt (51), wird in der Branche auf ca. 450.000 Euro jährlich taxiert. Bei der ›Süddeutschen Zeitung‹ zählt vor allem die vermeintliche Ehre, bei der »Alpen-Prawda« überhaupt arbeiten zu dürfen: ›SZ‹-Co-Chefredakteur Kurt Kister (61) dürfte bei knapp 300.000 Euro liegen. In ähnlichen Größenordnungen sollen sich die Bezüge der ›FAZ‹-Herausgeber bewegen, wobei auch hier »die Ehre« angeblich mehr zählt als der schnöde Mammon. Das Blatt entfernt sich derweil immer mehr von seinem liberal-konservativen Markenkern und seinen bürgerlichen Lesern.

Die Gehälter der Chefredakteure von Regionalzeitungen variieren ganz erheblich. Unter 100.000 Euro geht hier kaum jemand nach Hause. In der Spitze sollen die Gehälter bis zu 400.000 Euro reichen, so etwa bei Lars Haider (49), Chefredakteur ›Hamburger Abendblatt‹ oder bei Andreas Tyrock (55), Chefredakteur der in Essen erscheinenden ›WAZ‹. In dieser Gipfelhöhe dürfte auch Jörg Quoos (56), Berlin-Chef der Funke Mediengruppe, zu verorten sein. DPA-Chefredakteur Sven Gösmann (52) bringt es auf geschätzte 330.000 Euro.

Der neue Chefredakteur der Relotius-Postille ›Spiegel‹, Steffen Klusmann (52), der sich bisher weniger als Blattmacher denn als Experte für Abwicklungen einen Namen in der Branche machte, wird hausintern auf ca. 500.000 Euro Jahresgehalt hochgerechnet, dito der noch amtierende ›stern‹-Chef Christian Krug (53), absoluter Top-Auflagenverlierer unter den Magazinen und ›Focus‹-Chefredakteur Robert Schneider (43).

Kommen wir zu den Staatsfunkern:

›WDR‹-Intendant Tom Buhrow (60) ist hier mit 400.000 Euro der Spitzenverdiener bei der ›ARD‹. Hinzu kommt eine Altersversorgung im Millionenwert für den obersten Rotfunker. Merkels Ex-Regierungssprecher Ulrich Wilhelm (57) geht als Intendant des ›Bayerischen Rundfunks‹ (BR) mit 370.000 Euro Jahressalär nach Hause, Lutz Marmor (64), Intendant des ›NDR‹, mit 348.000 Euro Jahresgehalt. Die geringste Vergütung unter den ›ARD‹-Intendanten erhält mit 240.000 Euro Thomas Kleist (63), Chef des ›Saarländischen Rundfunks‹.

Einer, der über die Gehälter der ›ARD‹-Kollegen nur lachen kann, ist Claus Kleber (63). Unter 700.000 Euro/Jahr dürfte der ›heute journal‹-Moderator nicht einmal mit dem Papier rascheln. (Elf)

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