Handelskammer fordert Subventionsstopp:

Elektroautos bedrohen 55.000 Jobs in Bayern

Zehntausende von Arbeitsplätzen bei Automobilzuliefern sind allein in Bayern durch Elektroautos bedroht

Die bayerische Handelskammer fordert einen Subventionsstopp für die Batteriefertigung, weil mit ihr nur wenige Arbeitsplätze und wenig Wertschöpfung gesichert werden könne. Sie bezieht sich dabei auf eine alarmierende Studie des ifo Instituts. Zudem wird vor einer Datenabhängigkeit von Google, Amazon und Microsoft gewarnt.

Laut einer Studie des ifo Instituts gefährden Elektroautos zehntausende Arbeitsplätze bei Automobilzulieferern. Die Elektrifizierung der Antriebe werde insbesondere in Bayern Verlierer produzieren, heißt es in der Analyse zur Veränderung der Wertschöpfungsketten im Fahrzeugbau, die die Bayerische Industrie- und Handelskammer (BIHK) in Auftrag gegeben hatte. »Firmen, die Teile und Komponenten für herkömmliche Antriebsstränge herstellen, werden mit fortschreitenden Marktanteilen elektrischer Fahrzeuge zunehmend unter Druck geraten.« Hiervon sind in Bayern nach ifo-Schätzung rund 55.000 Angestellte betroffen.

Die Karten in der automobilen Wertschöpfung werden weltweit neu gemischt

»Die Hersteller müssen in den kommenden fünf bis zehn Jahren ihre Fertigung zunehmend auf Elektrofahrzeuge umstellen. Denn sie müssen die staatlichen Vorgaben, z. B. zu Emissionen, in den globalen Leitmärkten EU und China erfüllen«, so Studienautor Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Industrieökonomik und neue Technologien.

»Wir empfehlen, die Material- und Batterieforschung zu fördern. Subventionen für die Batteriefertigung lehnen wir ab, weil mit ihnen nur wenige Arbeitsplätze und wenig Wertschöpfung gesichert werden können.« Den Beschäftigten müsse mit Qualifizierung beim Strukturwandel geholfen werden, damit sie die neuen Anforderungen meistern könnten.

»Die Karten in der automobilen Wertschöpfung werden weltweit neu gemischt. Die bayerische Autoindustrie kann ihre führende Stellung nur dann verteidigen, wenn Firmen, Forschungsinstitute und Politik an einem Strang ziehen«, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl.

ifo-Präsident a. D. Hans-Werner Sinn kritisiert Umweltbilanz von Elektroautos

»Elektroautos werden in den nächsten Jahren kaum einen Beitrag zur Minderung der deutschen CO2-Emissionen leisten, da die Einführung der Elektroautos nicht per se zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes im Straßenverkehr führt«, hieß es in einer Mitteilung des ifo Instituts Mitte April.

Die Autoren kritisieren in ihrer Studie, dass der EU-Gesetzgeber die CO2-Emissionen von Elektroautos mit einem Wert von »null« in die Berechnungen der Flottenemissionen einfließen lässt. Dies suggeriere, dass Elektroautos keine Emissionen verursachen. Neben dem CO2-Ausstoß bei der Fertigung würden sich aber in fast allen EU-Ländern »erhebliche CO2-Emissionen« durch das Laden der Batterien mit Strom aus dem jeweiligen nationalen Produktionsmix ergeben.

Die aktuelle Diskussion um Elektroautos in Deutschland sehen die ifo-Forscher kritisch, da sich diese stark auf batteriebetriebene Fahrzeuge konzentriere. Großes Potenzial würden aber auch andere Technologien bieten, etwa Wasserstoff-Elektroautos oder mit »grünem« Methan betriebene Verbrenner. »Die Methantechnologie ist eine ideale Brückentechnologie von Erdgasautos, die mit konventionellen Motoren fahren, hin zu Motoren, die eines Tages mit Methan aus CO2-freien Energiequellen fahren können. Insofern kann man der Bundesregierung nur raten, im Sinn einer Technologieoffenheit auch die Wasserstoff- und Methantechnologie zu fördern«, sagt Professor Sinn.

Warnung vor Datenabhängigkeit

Neben der Elektromobilität verändert auch das autonome und vernetzte Fahren die automobile Wertschöpfungskette. Es entstehe ein beträchtliches Marktpotenzial, etwa für Systeme mit künstlicher Intelligenz, Dienstleistungen und Hardware wie Sensoren. Jedoch droht laut ifo Institut die Gefahr, dass branchenfremde Firmen aus den USA eine dominante Marktstellung erreichen.

Schon heute haben sich die amerikanischen Chiphersteller eine Schlüsselposition im Bereich Sensorik und Prozessoren erarbeitet und sind zu starken Wettbewerbern im Bereich der Fahrassistenzsysteme geworden. Um den Wertschöpfungsbeitrag bayerischer Firmen beim autonomen Fahren zu sichern und sich nicht noch weiter abhängen zu lassen, braucht es laut ifo zügig einen innovationsfreundlichen Regulierungsrahmen. Dazu gehören rechtliche Grundlagen für Pilotprojekte in ganzen Regionen oder Städten.

Die Experten regen an, vor allem zu klären, wer die Eigentumsrechte an Daten besitzt, die während des Fahrzeugbetriebs generiert werden. Bleibt diese Frage offen, könnten die Betreiber von Cloud-Datenbanken die Datenhoheit erlangen und deutsche Hersteller von US-amerikanischen Konzernen wie Google, Amazon oder Microsoft abhängig werden.

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