Handwerk ist sexy

Deutschland-Kurier: In Ihrer Wahlkreiszeitung singen Sie ein Loblied auf das deutsche Handwerkswesen, das weltweit einmalig sei und nicht zerstört werden dürfe. Was ist denn am deutschen Handwerk so besonders?

Tino Chrupalla: Das deutsche Handwerkswesen ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaftskraft und Ausdruck unseres kulturell tief verankerten Qualitätsbewusstseins. Dazu gehört eine bestimmte Haltung zur Arbeit, zum Beispiel die typisch deutsche Gewissenhaftigkeit, die auch viel mit Verantwortungsbewusstsein und Gemeinschaftsgefühl zu tun hat. Diese Herangehensweise wurde auch von anderen Ständen geschätzt, bis heute. Das ist nicht selbstverständlich. Studien des deutschen Handwerksinstituts haben gezeigt, dass viele Migranten, die jetzt bei uns eine Handwerkslehre machen, den Wert ihrer Ausbildung gar nicht verstehen. Die Abbruchquoten unter Migranten sind sehr hoch, was vielleicht auch damit zu tun hat, dass sie aus Kulturen kommen, die keinen Gesellen- und Meisterabschluss kennen. Dementsprechend genießen Handwerker auch keine besondere Achtung in diesen Ländern. Das ist in Deutschland anders, der Wert des Könnens eines Handwerkers wurde bei uns von allen Gesellschaftsschichten erkannt. Natürlich haben auch andere europäische Länder Bedeutendes geleistet auf dem Gebiet des Handwerks – man denke an die italienischen Baumeister, Stuckateure oder Weber, die einen überragenden Sinn für Ästhetik an den Tag legen. Die zuverlässige, hohe Qualität deutscher Produkte hat es aber nicht umsonst zu Weltruhm gebracht, und ich behaupte, dass unsere Handwerkstradition einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet hat. Sie läuft heute allerdings Gefahr, diese Eigenschaften zu verlieren – dank Brüssel und der Politik der Bundesregierung.

Deutschland-Kurier: Bei Ihrer letzten Rede bei einer Kundgebung in Görlitz auf dem Marienplatz am 10.3.2018 sagten Sie den Satz “Handwerk ist sexy”. Wie meinen Sie das?

Tino Chrupalla: Viele Betriebe wollen Azubis ausbilden, finden aber keine Interessenten. Das liegt auch daran, dass andere Berufszweige in der Öffentlichkeit attraktiver dargestellt werden, als sie es eigentlich sind. Was ist denn so viel besser, wenn man den ganzen Tag in schlecht gelüfteten Büroräumen am Bildschirm sitzt?

In der handwerklichen Tätigkeit sind Körper und Geist gefragt. Viele Handwerksberufe erfordern neben Körperkraft und Geschicklichkeit auch ein hohes Maß an Konzentration. Wissen über die physikalischen Eigenschaften von Materialien sind häufig essenziell. Auch sehr wichtig ist die effiziente Kommunikation im Team. Das alles sind Eigenschaften, die auch im wirklichen Leben sehr nützlich sind, und die ich auch sehr attraktiv finde.

Im Zuge der Hyperakademisierung und Digitalisierung wird der Wert der handwerklichen Tätigkeit der heutigen Jugend leider nicht mehr vermittelt: für sie sind Handwerksberufe weniger wert als akademische Berufe. Dabei ist es ja gerade das Besondere an der dualen Ausbildung in Deutschland, dass man eine höhere Bildung anschließen kann, wenn man möchte. Die Entwicklungsmöglichkeiten sind nach oben offen. Das ist in keinem anderen Land so, wo Gesellschaften viel stärker hierarchisch gegliedert sind. Ich sehe es deshalb als meine Aufgabe und als Aufgabe der AfD, an die wichtige kulturelle und ökonomische Bedeutung der deutschen Handwerkstradition zu erinnern.

Ich zitiere gerne den Ausspruch des Meistersängers Hans Sachs aus dem 15. Jahrhundert: “Ehre deutsches Volk und hüte getreulich Deinen Handwerksstand. Als das deutsche Handwerk blühte, blühte auch das deutsche Land”. Übrigens blühten auch fremde Länder, wenn sie deutsche Handwerker holten und dort ansiedelten. Und was ist schöner und belebender, als mit den eigenen Händen etwas zu schaffen, kreativ zu sein und zu sehen, wie etwas entsteht, das die Welt wirklich braucht?


Tino Chrupalla

ist AfD-Bundestagsabgeordneter.

QUELLEBild: DBT / Achim Melde
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