Im Aufzug mit Lindner

Bystrons Blattschuss

Deutscher Bundestag, Jakob-Kaiser-Haus. Donnerstagmorgen, Plenarwoche. Der Großraumaufzug ist gut gefüllt, also mitten hinein, umringt von Mitarbeitern der Grünen, der SPD und einigen Abgeordneten der FDP. Im letzten Moment springt noch jemand dazu: Christian Lindner, FDP.

»Na, da steigt doch gleich das politische Gewicht!« , kommentiert Lindner seine eigene Anwesenheit und schaut selbstzufrieden in die Runde. Einige, der schon länger hier Stehenden, begleiten ihr Schweigen mit einem leichten, kaum wahrnehmbaren Hochziehen der Augenbrauen.

Lindner, völlig unberührt, blickt weiter in die Ferne, als stünde er nicht in einem dicht gedrängten Aufzug, sondern auf einer Bühne vor großem Publikum: »Die Union«, so Lindner, »steht in den Umfragen jetzt schon hinter den Grünen!«.
Offenbar referiert er die Ergebnisse des jüngsten Deutschland-Trends. Die CDU steht bei 25 Prozent, die Grünen bei 26. Die Mitarbeiter der Grünen können diesen Triumph leider nur kurz auskosten – der Aufzug hält. Dritter Stock, die Grünen-Etage.

Die Tür schließt sich. Lindner hebt ein wenig den Kopf (sofern das bei seiner eh schon hochgeschraubten Körperhaltung überhaupt noch geht) und verkündet an mir vorbei in den Raum: »Wer jetzt die AfD wählt, der stärkt das linke Lager.«
Er schaut bedeutungsvoll. Nur kurz, der Aufzug hält im vierten Stock, die FDP-Leute steigen aus.

»Blödsinn!«, denke ich: »Wer AfD wählt, stärkt die einzig verbliebene bürgerliche Kraft!«

Doch letztendlich muss ich zugeben, Lindner hat recht. Wer heute die einzige liberal-konservative Partei in Deutschland wählt, stärkt das linke Lager. Warum? Weil sogenannte Liberale unter Lindners »Führung« der Merkel-Union bei der Hetze gegen die AfD nacheifern. Lindner hat recht, weil sich Menschen wie er dem linken Mainstream anbiedern; weil Menschen wie er immer noch nicht begriffen haben, wer die Guten und wer die Bösen sind.

Karl Lauterbach (SPD) twittert unmissverständlich: »Es ist Zeit für Rot-Rot-Grün. Dafür müssen diese Parteien gemeinsam kämpfen!«, und ergänzt: »Die Gegner sind AfD, FDP und CDU.«

»Die Gegner sind AfD, FDP und CDU« — keine weiteren Fragen Euer Ehren! Hier das bürgerliche Lager, dort die Linksfront aus Rot-Rot-Grün. Hier die Stärkung der Eigenverantwortung, Eigeninitiative, der Freiheit der Bürger. Dort die Enteignungspläne, Verbotsdenken und Umverteilung.

Lieber Christian Lindner, wenn Sie nicht nur darüber fabulieren wollen, ein politisches Schwergewicht zu sein, wenn Sie endlich ein Schwergewicht werden wollen, wäre es an der Zeit, der Realität in die Augen zu schauen: Die Einzigen, die das bürgerliche Lager schwächen, sind diejenigen, die sich den Linken anbiedern, anstatt sie zu bekämpfen.

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