Matthias Matussek und Gilbert Keith Chesterton

Matthias Matussek schreibt über den großen islamkritischen Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton

Bereits rund hundert Jahre vor Michel Houellebecq mit seinem Roman »Unterwerfung« hat Gilbert Keith Chesterton den Islam als Eroberer-Religion aufs Korn genommen und mit ihm eine müde Gesellschaft im Kapitulationsmodus. Er war auch darin ein Prophet. Er sagte die Islamisierung der Insel voraus, auf der heute die Bürgermeister so gut wie aller
Großstädte muslimischer Abstammung sind. Schon vor zehn Jahren erschien mit dem Buch »Londonistan« eine Bestandsaufnahme dieser Umwälzungen.

In Chestertons Tagen sprach nichts für diese Annahme. Großbritannien war mit dem Eintritt in den Ersten Weltkrieg beschäftigt, die Religionen auf der Insel waren protestantisch, christlich, anglikanisch. Doch Chesterton, der 1921 zur katholischen Kirche konvertierte, hatte ein Sensorium für die Dynamik von Ideen und ihre kulturellen Verwerfungen.

Als er starb, rief ihm sein atheistischer Freund und Gegner in so gut wie allen politischen und philosophischen Fragen, Georg Bernhard Shaw, hinterher: »Die Werke von Gilbert Keith Chesterton sind voller Weisheiten und Warnungen, die, wären sie beachtet worden, Krieg, Seuchen, Verbrechertum und alle Schrecken der kapitalistischen Zivilisation schon längst abgeschafft hätten.«

Ich hätte mir für mein Buch »White Rabbit oder die Abschaffung des gesunden Menschenverstandes«, das im Wesentlichen die letzten Jahre der Unglückskanzlerin Angela Merkel und das Versagen der Presse als Vierte Gewalt im Staat abhandelt, keinen besseren Kronzeugen aussuchen können als Chesterton, den man den »Apostel des gesunden Menschenverstandes« nannte.

Er war ein begnadeter Polemiker, er spürte voraus, was passiert, wenn eine Gesellschaft hartnäckig den »common sense« und die eigenen kulturellen und spirituellen Grundlagen missachtet.

In seinem Roman »Das fliegende Wirtshaus« von 1914 schickt Chesterton seine zwei Haudegen Patrick Dalroy und Humphrey Pump quer durch England mit einem Karren, der ein Fass Rum enthält, einen großen runden Käse und das Zeichen eines Pubs. Warum? Weil eine neue Verordnung von Lord Ivywood erlassen wurde, die, unter dem Einfluss eines muslimischen Predigers namens Misyra Ammon, den Alkoholausschank in Pubs verbietet, allerdings nur in fest etablierten; und die beiden fröhlichen Zecher machen sich diese Gesetzeslücke zunutze.

Doch im Grunde ist dieser Roman eine sehr aktuelle Satire auf eine kapitulationsbereite Gesellschaft, die wie benommen ist von diesen neuen exotischen Welterklärungen und Sittengesetzen, und zu entwurzelt, um sich zur Wehr zu setzen. Wie schrieb der große
britische Geschichtsphilosoph Arnold Toynbee?

»Zivilisationen sterben nicht, sie begehen Selbstmord.«

Chestertons Romanfigur Lord Ivywood zum Beispiel hält den Vegetarismus für eine so fantastische Idee, dass er ihn zum Gesetz macht (der Veggie-Day der Grünen lässt heftig grüßen). Ohne Weiteres auch wird er zum Anhänger der kruden Umdeutungen des muslimischen Predigers, der behauptet, auch England sei einst ein islamisches Land gewesen. Davon, so führt er aus, kündeten die vielen Pub-Schilder wie »Der Kopf des Sarazeners«. Auch der Halbmond (crescent) spiele im Stadtbild Londons eine herausragende Rolle wie in »Grosvenors Crescent«, »Regent Park Crescent« oder »Royal Crescent«.

Die gebildeten Stände sind hingerissen von derartigen Einsichten, »alle unsere Sachen kommen aus dem Osten«, sagen sie sich, deshalb ist »alles gut, was aus dem Osten kommt.«

Übertrieben – diese Groteske? Ach iwo, sie ist aktuell, auch für deutsche Breiten. So jauchzte eine ›FAZ‹-Redakteurin über die Islamisierung im deutschen Stadtbild: »Selbstbewusst bekennen sich Gläubige auf diese Weise (durch Kopftücher, Moscheen, Minarette) zu ihrer Religion. Sie tun damit etwas, was die Mehrheitsgesellschaft hinter sich gelassen hat.«

Natürlich ist auch die Polygamie, die von Lord Ivywood die »höhere Vielweiberei« genannt wird, eine Neuerung, die von ihm sehr ernst genommen wird – er baut sich bereits einen Harem. Den Frauen wird eine »höhere Freiheit« versprochen – schließlich, so argumentiert der Prediger, dürfen sie in der Türkei Hosen tragen.

Es sind nicht die einfachen Leute, die auf den Schmu hereinfallen, sondern die höheren Stände, die Intellektuellen und Kulturstrategen, die merkwürdig fasziniert sind vom Exotismus der Religion – sie feiern bereits die Einheit aus Christentum und Islam; auf den Kirchtürmen wird das Kreuz in einen Halbmond gesetzt, eine neue, utopisch verklärte Religion namens »Chrislam« erhält Sympathien von den verwirrten christlichen Gläubigen.

Eine übrigens auch bei uns zu beobachtende Entwicklung.

Nichts konnte die Kapitultion des christlichen Glaubens vor dem Islam besser illustrieren als die Bereitschaft der beiden deutschen Kirchenführer Marx und Bedford-Strohm, auf dem Tempelberg ihre Kreuze vor den islamischen Gastgebern zu verstecken, während ein paar Kilometer weiter Christen für ihr Bekenntnis die Kehle durchgeschnitten wird.

Und wer die warmen und überaus verständnisinnigen Grußworte von Kardinal Marx zum Ramadan hört oder die Verlautbarungen aus der Evangelischen Kirche, dass zwischen Gott und Allah im Prinzip kein Unterschied sei, wird diesen Egalismus in religiösen Fragen aktuell bestätigt finden.

In seiner »Orthodoxie«, einem Buch, das wie ein Heilmittel für verzagte Katholiken wirkt, der ›FAZ‹ zufolge »wie eine Rettung aus metaphysischer Seenot«, finden sich diese grimmigen Sätze über den Islam: »…aber aus der Wüste, aus den trockenen Gegenden unter der sengenden Sonne, kommen die grausamen Kinder des einsamen Gottes; die wirklichen Unitarier, die mit dem Krummsäbel in der Hand die Welt verwüsteten. Denn es ist nicht gut, dass Gott alleine ist…«

Und er fährt fort mit einem Einfühlungsvermögen, zu dem nur große Schriftsteller in der Lage sind:

»Im Herzen des Islam ist eine Leere, die wieder und immer wieder neu durch die ständige Wiederholung jener Revolution gefüllt werden muss, die ihn hervorgebracht hat. Es gibt keine Sakramente. Das Einzige, was geschehen kann, ist eine Art von Apokalypse, einzig wie das Ende der Welt. Daraus folgt, dass man nichts anderes tun kann, als immer neu diese Apokalypse herbeiführen zu wollen, damit die Welt vergeht, wieder und wieder.«

Ich kenne keine genauere Beschreibung der Impulse von islamischen Terroristen und Selbstmordattentätern als diese Zeilen, keine bessere Erklärung für den Nihilismus der schwarzen Teufelshorden des Islamischen Staates, der Kulturdenkmäler zerstört, der mit Dynamit und Schaufelbaggern die wundervollen Säulenreihen von Palmyra flachlegt, und dessen schwarze Faszination jene, die sich als Verlierer fühlen, anlockt, um sie zu Killern auszubilden, ja Mördern der eigenen Mütter, sofern sie sich Verstößen gegen das Verschleierungsgebot schuldig gemacht haben, wie es auf Youtube zu besichtigen war.

Eine mörderische und selbstmörderische Religion im Kult des Todes – und diese wird von unseren Kirchenoberen und Integrationsbeauftragten belächelt und umarmt. Armin Laschet, CDU, ist sogar der Meinung, dass der Islam als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt werden sollte.

Bleibt natürlich die Frage, welche der vielen Spielarten des Islam unser christlich demokratischer Parteipolitiker meint.

Ich schätze, dass Chesterton grimmig zur Feder gegriffen und vorgeschlagen hätte, dass wir Deutschen (und seine Engländer) uns zunächst um ein wenig Unterstützung um die Staatsreligion Christentum bemühen sollten, besonders wir Katholiken.

Dass ausgerechnet der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz Kardinal Marx gegen den Vorschlag des bayrischen Ministerpräsidenten Söder polemisiert, der in bayerischen Amtsstuben wieder das Kreuz sehen möchte, spricht Bände für die flache und politische Verweltlichung, der unsere Kirchenoberen verfallen sind.

In meinem Buch plädiere ich für kämpferische Entschlossenheit, denn es geht um die Wurzeln unseres Glaubens, unserer Kultur: »Missionieren wir, das können wir doch, wir Deutschen. Missionieren wir die Ankömmlinge und bei dieser Gelegenheit auch uns selber, indem wir uns die großartige Kultur- und Philosophiegeschichte der Kirche vergegenwärtigen, sie ist der Boden, auf dem wir uns über die Jahrhunderte nach oben gestreckt und damit den aufrechten Gang gelernt haben. Zum Beispiel den ersten Artikel, auf dem unser Grundgesetz baut: ›Die Würde des Menschen ist unantastbar‹, ein Axiom, das sich der christlich-jüdischen Idee der Gottesebenbildlichkeit des Menschen verdankt.«

Das ist unser Kerngedanke, der aufrechte Gang, und nicht die totale Unterwerfung, die die wörtliche Übersetzung von »Islam« ist.

 

 


Matthias Matussek

ist preisgekrönter Reporter und Bestsellerautor, war 26 Jahre lang für den ›Spiegel‹ tätig, bis er sich 2014 entschloss, das Neue zu wagen – er wechselte zu Springers ›Welt‹. Doch dort spürte er schnell, wie sehr ideologische Haltungen und die freiwillige Selbstzensur einer neuen Generation von Journalisten die Presselandschaft verändert haben: Die Zusammenarbeit wurde nach siebzehn Monaten beendet. Seither arbeitet er als freier Autor u.a. für die ›Weltwoche‹, den ›Focus‹ sowie ›Tichys Einblick‹ und den Deutschland-KURIER.

QUELLEBilder: imago
TEILEN