IMD-Studie:

Deutschland verliert weiter an Wettbewerbsfähigkeit

Arbeiter in einer Automobilfabrik: Vor allem die hohen Steuern lassen Deutschland im internationalen Vergleich immer weiter zurückfallen

Die Bundesrepublik rutscht bei der Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich mit anderen Ländern abermals ab. Eine Studie des World Competitive Center zeigt: Auch die USA werden vom ersten Platz der Rangliste verstoßen.

Das IMD World Competitive Center (WCC), angeschlossen an die private Wirtschaftshochschule IMD im schweizerischen Lausanne, veröffentlicht einmal im Jahr die Rangliste der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt. Wie schon in den Jahren zuvor fällt auch das diesjährige Ergebnis für Deutschland ernüchternd aus: Deutschland rutscht nochmals um 2 Plätze und fällt auf Rang 17 und landet damit im zweiten Jahr in Folge hinter China (Platz 14). Vor fünf Jahren lag Deutschland in dem WCC-Ranking noch auf Platz 6.

Den ersten Platz errang Singapur. Das Land verdankt seinen Aufstieg auf Platz 1 der fortschrittlichen technologischen Infrastruktur, der guten Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte, wirtschaftsfreundlichen Einwanderungsgesetzen und effizienten Möglichkeiten zur Unternehmensgründung. Hongkong verteidigte mit günstigen steuerlichen und unternehmenspolitischen Rahmenbedingungen sowie einem guten Zugang zu Unternehmensfinanzierungen den zweiten Platz.

In den USA haben sich dem Ranking zufolge die anfänglichen vertrauensfördernden Auswirkungen der ersten Welle von Präsident Trumps steuerlichen Maßnahmen wieder abgeschwächt. Zwar bestimmt die größte Volkswirtschaft der Erde in puncto Infrastruktur und Wirtschaftsleistung nach wie vor weltweit das Tempo, allerdings leidet die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten unter gestiegenen Kraftstoffpreisen, einem Exportrückgang bei Hochtechnologie und Schwankungen des Dollarkurses, so die Bewertung aus Lausanne.

Hauptgrund für Deutschlands Abrutschen: zu hohe Steuern

Wer anhand der in der IMD-Studie aufgeführten Liste der Einzelkriterien den Hauptgrund für Deutschlands Abrutschen sucht, wird schnell fündig: die Steuerpolitik. Hier liegt Deutschland weit abgeschlagen auf Platz 59. »Im Vergleich zu anderen Ländern sind die Unternehmenssteuern zu hoch«, sagte der WCC-Chefökonom Christos Cabolis der ›FAZ‹. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, müssten die Steuern gesenkt werden.

»In einem Jahr, in dem rasante Veränderungen der internationalen politischen Landschaft und der Handelsbeziehungen zu großer Unsicherheit auf den Weltmärkten geführt haben, scheint die Qualität der Institutionen das verbindende Element für steigenden Wohlstand zu sein. Ein starker institutioneller Rahmen bietet Unternehmen die erforderliche Stabilität für Investitionen und Innovationen und gewährleistet damit eine höhere Lebensqualität für die Bürger«, erläutert Arturo Bris, Professor an der IMD Business School und Leiter des IMD World Competitiveness Centers. Ökonomen zufolge ist die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ein zentraler Faktor für dessen langfristige Wirtschaftskraft, da sie es Unternehmen ermöglicht, nachhaltiges Wachstum zu erzielen, Arbeitsplätze zu schaffen und letztendlich das Wohlergehen der Bevölkerung zu verbessern.

Zu den Top 10 gehören Singapur, Hongkong, die USA, die Schweiz, die Vereinigten Arabischen Emirate (2016 noch auf Platz 15), die Niederlande, Irland, Dänemark, Schweden und Qatar. Der größte Sprung gelang in diesem Jahr laut IMD Saudi-Arabien, das um 13 Plätze auf die Nummer 26 der Rangliste kletterte. Schlusslicht bleibt das sozialistisch regierte Venezuela, das unter hoher Inflation, schwierigem Zugang zu Krediten und einer schwachen Konjunktur leidet.

Quelle: IMD International

Das World Competitiveness Ranking, das seit 1989 an der IMD Business School durchgeführt wird, basiert derzeit auf 235 Indikatoren und umfasst 63 Länder. Bei der Erstellung der Rangliste werden sowohl » harte« Faktoren wie die Arbeitslosigkeit, das BIP oder staatliche Ausgaben für Gesundheit und Bildung berücksichtigt als auch » weiche« Daten, die im Rahmen einer Führungskräfteumfrage zu Themen wie sozialer Zusammenhalt, Globalisierung und Korruption erhoben werden.

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