Immer mehr Tuberkulosefälle

Tuberkulosefälle an zwei Schulen – mehr als hundert Infizierte

Nach dem Bekanntwerden von 109 Tuberkuloseansteckungen an einer Schule im baden-württembergischen Bad Schönborn hat das Gesundheitsamt geprüft, wie sich so viele Schüler anstecken konnten. Das Landratsamt geht von noch mehr Fällen aus.

Derzeit verzeichnet die Behörde 4 erkrankte Schüler und 109 infizierte Schüler, Lehrer und Beschäftigte der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule in Bad Schönborn (Kreis Karlsruhe). Das teilt das Landratsamt Karlsruhe auf seiner Website mit.

Die erste Erkrankung war den ›Badischen Neuesten Nachrichten‹ (BNN) zufolge vor den Pfingstferien bei einem Achtklässler der Gemeinschaftsschule festgestellt worden, die zweite Erkrankung bei seinem Bruder, der auf eine andere Schule geht. Bei den folgenden Untersuchungen wurde nach Angaben der Behörde »eine hohe Zahl von Ansteckungen« festgestellt – und auch zwei weitere Erkrankungen von Schülern. Allein in der Jahrgangsstufe des Achtklässlers wurden bei 88 Prozent der Mitschüler Bakterien entdeckt, die Tuberkulose auslösen. Wie sich der Achtklässler infiziert hat, teilten die Behörden nicht mit.

Experten des Gesundheitsamtes haben am Donnerstag die Klassenräume der Gemeinschaftsschule ins Visier genommen. Auch ein Ruheraum, in dem sich der ursprünglich erkrankte Achtklässler aufgehalten haben soll, wurde untersucht. Man wolle damit Hinweise darüber erhalten, wie der Junge so viele Schüler und Lehrer anstecken konnte, erklärt Ulrich Wagner vom Gesundheitsamt. Denn die hohe Zahl der Ansteckungen sei ungewöhnlich.

Das Landratsamt Karlsruhe rechnet mittlerweile mit noch mehr Erkrankungen. Der Schulbetrieb werde nach den Ferien aber ganz normal weitergehen. »Wir haben die Situation im Griff«, betont die Behörde. Alle betroffenen Schüler werden kontaktiert und geröntgt. Damit soll überprüft werden, ob sie auch an Tuberkulose erkrankt sind.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit nach der Ansteckung ausbricht, liegt nach Angaben des Gesundheitsamtes bei Kindern bei 15 Prozent. Vor rund drei Wochen war der erste Tuberkulosefall in Bad Schönborn bekannt geworden.

Mit der Flüchtlingskrise ist auch die Zahl der Tuberkulosefälle gestiegen. Wurden 2014 in Deutschland noch 4.533 Fälle registriert, waren es 2015 bereits 5.865 und 2016 schon 5.959 Fälle – ein Anstieg um 25 Prozent. Rund drei Viertel der Tuberkulosekranken sind Migranten, die oft aus Tuberkulose-endemischen Gebieten kommen. Dazu zählen Länder wie Somalia, Eritrea, Afghanistan, Syrien und Rumänien. Da Tuberkulose bei engem Kontakt hoch ansteckend ist, kommt es immer wieder zu Ausbrüchen an Schulen, berichtete hierzu das Portal Gesundheitsstadt Berlin bereits im vergangenen Jahr.

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