Islamischer Staat

Bundesregierung holt Kinder von IS-Kämpfern nach Deutschland

Mitglied des Islamischen Staates bei Kämpfen in Syrien (Propagandafoto des IS): Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) möchte Kinder von IS-Kämpfern nach Deutschland holen

Die Bundesregierung hat erstmals Kinder von IS-Anhängern mit deutschem Pass in Obhut genommen. Die Kinder wurden an der Grenze zwischen Syrien und dem Irak übergeben. Von dort aus sollen sie nach Deutschland gebracht werden. Die Aktion geht zurück auf die Klage eines Anwalts aus Hannover.

Die Bundesregierung hat offenbar erstmals Kinder von Anhängern der Terrormiliz »Islamischer Staat« mit deutscher Staatsangehörigkeit aus Syrien herausgeholt. Nach ›HAZ‹-Informationen handelt es sich dabei unter anderem um drei Waise, für deren Rückkehr Anwalt Dirk Schoenian aus Hannover die Bundesregierung verklagt hatte. Mitarbeiter des Generalkonsulats Erbil (Nordirak) hätten an der irakisch-syrischen Grenze vier Kinder in Empfang genommen, teilte am Montag ein Sprecher des Auswärtigen Amts mit. Die Kinder hätten sich »bislang in Nordsyrien in Gewahrsam befunden«.

Über die Rückkehr von IS-Kindern in Deutschland wird seit Längerem diskutiert. Die Bundesregierung hatte zunächst immer darauf verwiesen, dass es in Syrien derzeit keine deutsche diplomatische Vertretung gebe. Das Berliner Verwaltungsgericht hatte im Juli entschieden, dass die Regierung Angehörige von IS-Kämpfern zurückholen müsse.

Im Nordosten Syriens sollen sich nach Angaben des Rojava Information Center (RIC) 117 Kinder mit deutscher Staatsangehörigkeit befinden. Dazu kämen 21 Kinder mit mindestens einem deutschen Elternteil, die aber selbst keine deutsche Staatsangehörigkeit hätten sowie Dutzende Frauen und 66 Männer, von denen mehr als 40 an Kriegsverbrechen beteiligt sein sollen.

Nach Worten von Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) arbeitet die Bundesregierung unter schwierigen Bedingungen daran, weitere Kinder von IS-Kämpfern nach Deutschland zu holen. »Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch weitere Kinder Syrien verlassen können«, sagte Maas.

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