Johnson triumphiert bei der Wahl in Großbritannien:

Absolute Mehrheit für Tories

Wahlsieger Boris Johnson: Der britische Premierminister holt bei den Unterhauswahlen mit seinen Tories die absolute Mehrheit und hat damit freie Hand, den Brexit durchzuziehen

Die Konservative Partei von Premierminister Boris Johnson hat nach den Berechnungen der Sender ›BBC‹ und ›Sky News‹ vom Freitagmorgen die Wahl in Großbritannien klar gewonnen. Die Labour Party ist der große Verlierer der Wahl. Labour-Spitzenkandidat Jeremy Corbyn kündigt seinen Rückzug als Parteichef an. Er errang für seine Partei das schlechteste Wahlergebnis seit 1935.

Die Sender ›BBC‹ und ›Sky News‹ bezogen sich dabei am frühen Freitagmorgen auf die Auszählung von mehr als einem Drittel der Wahlkreise, die die Prognose vom Donnerstagabend bestätige. Johnsons Konservative errang nach Auszählung von rund 600 der 650 Wahlkreise demnach mindestens 326 Sitze und hat damit die absolute Mehrheit im Unterhaus.

  • Für eine absolute Mehrheit im Parlament braucht die Konservative Partei 326 Sitze, Prognosen der ›BBC‹ gehen davon aus, dass die Partei mehr als 360 Sitze erringen wird. Somit hat Johnson, der seit Anfang September keine Mehrheit mehr im Unterhaus hatte, freie Bahn für seinen Brexit-Deal und könnte Großbritannien wie geplant zum 31. Januar 2020 aus der EU führen.Johnson hatte im Juli von seiner Vorgängerin Theresa May eine Minderheitsregierung übernommen und schließlich vorgezogene Neuwahlen herbeigeführt, um sich im Streit um den EU-Austritt eine Mehrheit im Parlament zu verschaffen.
  • Der große Verlierer der Wahl, Labour-Parteichef Jeremy Corbyn, reagierte sehr enttäuscht und kündigte persönliche Konsequenzen an. Bei künftigen Wahlen werde er nicht mehr als Spitzenkandidat von Labour antreten, sagte er. Zugleich nahm er aber auch davon Abstand, sofort zurückzutreten. Der ultralinke Corbyn gilt für die britische politische Mitte als nicht wählbar, unter anderem wegen seiner Nähe zu antisemitischen Israelfeinden, aber auch, weil er sich nie klar zum Brexit positioniert hat. Zuletzt hatte Corbyn versprochen, im Fall des Wahlsiegs zuerst ein neues Austrittsabkommen mit Brüssel auszuhandeln, das die Briten wieder näher an die EU rückt und dieses Abkommen dann in einem weiteren Referendum dem Volk zur Wahl vorzulegen. Die Labour-Partei hat mit diesem Kandidaten ihr schlechtestes Ergebnis seit 1935 eingefahren und verlor nach aktuellem Stand historische 56 Mandate. Auch Brexit-Befürworter, die traditionell Labour gewählt hatten, stehen der Brexit Party von Nigel Farage näher. Die war in vielen Wahlkreisen nicht angetreten, um den Konservativen den Vortritt zu lassen, weil das den Brexit gefährdet hätte, wenn die Tories wegen des Mehrheitswahlrechts Wahlkreise an Labour verloren hätten.
  • In Schottland räumte die Schottische Nationalpartei ab, was Spekulationen über ein möglicherweise bevorstehendes neues Unabhängigkeitsreferendum befeuerte. Regierungschefin Nicola Sturgeon will Schottland in der EU halten und kämpft für ein zweites Referendum.
  • Die Liberaldemokraten (LibDem), die einen klaren Anti-Brexit-Kurs vertraten, gehören zu den Verlierern der Wahl. Parteichefin Jo Swinson verlor ihr Mandat an den zweiten Wahlgewinner des gestrigen Tages: die schottischen Nationalisten der SNP und ihre Kandidatin Amy Callaghan im Wahlkreis Dunbartonshire East.
  • Die Green Party, die Grüne Partei Großbritanniens, konnte gerade einmal 2,7 Prozent der Wähler begeistern und errang einen Sitz im Unterhaus.

2017 hatten die Konservativen 318 Sitze gewonnen, Labour noch 262.

Boris Johnson gelang es, seinen Londoner Wahlkreis Uxbridge mit klarer Mehrheit zu halten. Der Tory-Chef holte rund 7.000 Stimmen mehr als sein nächster Mitbewerber, wie die örtliche Wahlleitung am frühen Freitagmorgen bekanntgab. Johnson bedankte sich bei allen Wählern, freiwilligen Helfern und Kandidaten seiner Partei. »Wir leben in der großartigsten Demokratie der Welt«, schrieb er auf ›Twitter‹.

Link zum Tweet

Freie Bahn für den Brexit

Mit diesem Sieg der Tories dürfte der Weg für den Austritt Großbritanniens aus der EU frei sein. Seine Regierung habe »ein mächtiges Mandat erhalten, den Brexit durchzuziehen«, sagte Johnson am frühen Freitagmorgen in London. Als Termin für den Brexit ist der 31. Januar vorgesehen.

Der amerikanische Präsident Donald Trump kommentierte die Ergebnisse per ›Twitter‹:

Link zum Tweet

Britisches Pfund klettert nach oben

Der sich abzeichnende klare Sieg der britischen Konservativen bei der Parlamentswahl und der damit gestiegenen Wahrscheinlichkeit eines baldigen Endes des Brexit-Dramas haben das britische Pfund bereits am Donnerstag angetrieben. Die britische Währung legte sowohl im Vergleich zum Euro als auch zum Dollar deutlich zu. Zuletzt mussten für ein Pfund 1,3466 Dollar bezahlt werden und damit rund drei Cent oder rund zwei Prozent mehr als kurz vor Schließung der Wahllokale um 23 Uhr am Donnerstagabend.

print