Kauft beim Juden – jetzt erst recht!

Eine Kolumne von Boris T. Kaiser

»Kauft nicht bei Juden!« So könnte man das neue Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Kennzeichnungspflicht für israelische Produkte aus Siedlungen aus dem Westjordanland zusammenfassen. Die obersten Richter der Europäischen Union haben damit juristisch das untermauert, was die EU, der israelfeindlichste Staatenbund nach UN und OPEC, seit Jahren vorantreibt: die Ächtung jüdischer Waren. Dass es der EU bei ihrem »Verbraucherschutz« in erster Linie um die Antisemiten und Israelhasser unter der Kundschaft geht, lässt sich auch daran erkennen, dass sie bei weltweit über 200 weiteren umstrittenen Gebieten weitaus weniger engagiert ist.

Alles, was aus den jüdischen Siedlungen in die sogenannten Palästinenser-Gebiete kommt, soll jetzt aber gnadenlos deutlich markiert werden. Dies ist vor allem für jene wichtig, die selbst seit Jahrzehnten in halb Europa ganze Stadtviertel besiedeln. Muslime können ihrem Hass auf alles Jüdische mittels Anti-Israel-Protesten und Boykottaufrufen eine politische Stimme geben, sogar eine »politisch korrekte«. Jedenfalls, wenn es nach ihren linksextremen Freunden und Unterstützern von BDS und Co. geht. Ihnen spielt das Urteil auf perfideste Weise in die Hände. Wissen diese Leute doch ganz genau, dass sich, auch und gerade wegen ihrer Radikalität, kaum ein Einzelhändler mit ihnen anlegen wollen wird. Wer legt sich schon gerne gebrandmarkte Verkaufsartikel ins Regal, wenn er dafür mit ständigen Protestaktionen vor und in seinem Laden, oder gar mit schlimmerem, rechnen muss?

All das weiß man natürlich auch in der deutschen Politik. Die Reaktionen der hiesigen Politiker bestehen dennoch weitgehend aus verräterischem Schweigen oder geheuchelter Ahnungslosigkeit. Die Grüne, Renate Künast, kommentierte das EU-Urteil auf ›Twitter‹ wie folgt: »Der #EUGH hat geurteilt, dass Produkte von israelischen Siedlungen im Westjordanland + den besetzten Gebieten in der #EU klar deklariert werden müssen. Nicht mehr! Aber auch nicht weniger. Für mich das Recht der #Verbraucher als Wirtschaftsteilnehmer zu wissen. #Righttoknow.« (Der Deutschland Kurier berichtete.)

Die Parteifreundin der Iran-Kuschlerin Claudia Roth hat offenbar kein Problem damit, wenn »der Verbraucher« seinen Antisemitismus beim täglichen Einkaufen endlich einmal so richtig frei ausleben kann. Im Gegenteil: Der gelebte Judenhass an der Ladenkasse ist für die Politikerin, die sich sonst gerne als vorderste Kämpferin an der Anti-Hate-Speech-Front gibt, das gute Recht eines jeden einzelnen Antisemiten.

Trotz des Skandal-Urteils und der nicht minder skandalösen Reaktionen und Nicht-Reaktionen aus der Politik, bleibt eine kleine Hoffnung. In einem Zeitalter, in dem Menschen immer mehr ihrer Einkäufe online erledigen, könnte sich die Brandmarkung der israelischen Produkte zu einer echten Marke entwickeln. Auch das Label »Made in Germany« wurde einst eingeführt, um die (britische) Kundschaft vom Kauf deutscher Produkte abzuhalten. Da diese aufgrund ihrer besonders hohen Qualität aber einen so guten Ruf hatten, hat sich der vermeintliche Warnhinweis sogar noch verkaufsfördernd ausgewirkt. Die israelischen Produkte sind in aller Regel ganz hervorragend. Wer diese Qualität beim örtlichen Einzelhändler nicht mehr findet, der sollte keine Scheu haben, sie sich im Internet zu bestellen. Jedem qualitätsbewussten Verbraucher und Israelfreund kann man daher nur von Herzen zurufen: Kauft beim Juden – jetzt erst recht!

Boris T. Kaiser

Boris T. Kaiser

startete seine Karriere als Gagschreiber für zahlreiche Comedy- und Satire-Formate. In den letzten Jahren arbeitet er vermehrt journalistisch und als politischer und gesellschaftlicher Kommentator. Er schreibt unter anderem für ›Die Achse des Guten‹, ›Tichys Einblick‹ und die Wochenzeitung ›Junge Freiheit‹. Kaiser betreibt außerdem den Blog brainfuckerde.wordpress.com.

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