Paul Ziemiak (CDU) und Kevin Kühnert (SPD) – zwei Studienabbrecher, die sich prächtig verstehen:

Dick & Doof der deutschen Politik

Wäre die deutsche Politik ein Slapstick, könnten Kevin Kühnert (SPD) und Paul Ziemiak (CDU) als »Dick und Doof« auftreten. Kein anderes Altparteien-Duo ergänzt sich so kongenial – abgebrochenes Studium inbegriffen.

Willkommen in der Politik-Slapstick-Show mit den Hauptdarstellern Paul Ziemiak (CDU) und Kevin Kühnert (SPD) (Montage: Deutschland Kurier)

Dieser Tage im ›ZDF‹-Talk »Markus Lanz«: Es geht darum, wer wann auf dem Leipziger CDU-Parteitag redet. Paul Ziemiak (34), Sohn polnischer Einwanderer, wackelt wie Stan Laurel mit den Augendeckeln.

Dann hat der CDU-»Generalsekretär«, der mehr Sekretär als General ist, die Idee des Abends. Man könnte sogar sagen, dass er einen richtigen Geistesblitz hatte: »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Wenn Friedrich Merz schnell nach vorne läuft und seinen Zettel [gemeint ist die Wortmeldung, Anmerkung der Red.] einwirft, dann kann er seine Rede auch im Anschluss an Kramp-Karrenbauer halten.«

Politik als Slapstick! In den Hauptrollen zwei Studienabbrecher: der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert als »Dick« und Paul Ziemiak als »Doof«.

Ein schwuler Sozialist

Wenn man eines von Klein-Kevin, pummelig daher watschelnde Einmetersiebzig, nicht sagen kann, dann dies: dass er doof wäre. Kabarettist Dieter Nuhr nannte den Juso-Chef, der jetzt seine Kandidatur für den SPD-Vorstand angekündigt hat, kürzlich fast liebevoll einen »pausbäckigen Studienabbrecher«. Das war wirklich nicht böse gemeint. Da klang Anerkennung mit. Nuhr: »Das ist Demokratie, wenn nicht Experten diskutieren, sondern ein ungelernter Kevin, der nichts von der Welt kennt, außer seinen Parteiapparat.«

Kevin Kühnert (SPD, 30): Ein abgebrochenes und ein »ruhendes« Studium, kennt nur den Parteiapparat, diesen aber ziemlich gut

Den Parteiapparat aber kennt Klein-Kevin mit seinen 30 Lenzen schon besser als viele Altgenossen. Marx und Lenin natürlich auch. Kühnert bekennt: »Ich bin Sozialist.« In Sachen Sozialismus (Grundbesitzer enteignen) jedenfalls macht dem schwulen Juso-Chef so schnell keiner etwas vor.

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Paul Ziemiak hat zwar nicht viel Ahnung von den Dingen des Lebens im Allgemeinen und von Politik im Besonderen – aber davon (keine Ahnung) hat er viel. Es ist allerdings nicht so, dass Ziemiak rein gar nichts könnte. Der CDU-Parvenü verfügt über flexible Überzeugungen und eine große Klappe – an der CDU-Spitze heute unabdingbare Voraussetzungen für die politische Karriere. Forderungen von thüringischen CDU-Politikern, auch mit der AfD über Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zum Wohle des Freistaats zu sprechen, wies der Bauchredner der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer (neuer Spitzname: Kra-Ka) brüsk als »irre« zurück. Das verwundert nicht. Schon vor einem Jahr, bei dessen Wahl zum »Generalsekretär«, nannte ein CDU-Mittelständler Ziemiak einen »Griff ins Klo«. Es wurde zum geflügelten Wort in der Union, in der sich viele ältere Christdemokraten wehmütig an die Zeiten von Kurt Biedenkopf, Heiner Geißler und selbst Volker Rühe erinnern. Die waren noch »Generäle« mit politischen Visionen und einer eigenen, oft unbequemen Meinung – weniger »Sekretäre« der oder des jeweiligen Parteivorsitzenden.

Als Paul noch Pawel hieß

Ziemiak kommt aus Nordrhein-Westfalen, aufgewachsen ist er in Iserlohn am Rande des Sauerlandes. Dort wohnt er noch heute. Geboren wurde Ziemiak im polnischen Stettin, da hieß er noch Pawel mit Vornamen.

Nach dem Abitur studierte er zunächst Jura. Die Erste Juristische Staatsprüfung bestand Ziemiak in zwei Anläufen nicht. Daher blieb er ohne Abschluss. Danach begann Ziemiak ein Studium im Fach Unternehmenskommunikation. Auch das hat er nicht abgeschlossen.

Paul Ziemiak (CDU, 34): Zwei mal durch die Prüfung gerasselt, ein weiteres Studium abgebrochen, Generalsekretär von Kramp-Karrenbauers Gnaden

Möglicherweise lag es ja daran: Migrant zu sein, das sei gar nicht so einfach. Mit dieser nicht sooo schlechten Idee kokettierte sich Ziemiak hoch bis zum Bundesvorsitzenden der Jungen Union (JU). Dass er dann sogar CDU-»Generalsekretär« wurde, war wohl der Preis, den Annegret Kramp-Karrenbauer vor einem Jahr bei ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden für die Stimmen der Jungen Union zahlen musste.

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Kevin Kühnert stammt aus einer Berliner Beamtenfamilie: Ein 2009 begonnenes Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin, in welches er sich zuvor eingeklagt hatte, brach er ab. Danach arbeitete Klein-Kevin u. a. dreieinhalb Jahre in einem Callcenter (das hat jetzt aber nichts mit Callboy oder so zu tun). Ein 2016 aufgenommenes zweites Studium der Politikwissenschaft an der Fernuniversität in Hagen »ruht«. Juso-Bundesvorsitzender ist nämlich ein Fulltime-Job.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

Neulich saßen beide, also »Dick und Doof«, bei Anne Will in der ›ARD‹ zusammen. Kühnert und Ziemiak, die beiden Studienabbrecher, duzen sich. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Klein-Kevin – der dickere, kleinere, aber intelligentere von beiden – machte sich über den CDU-Beschluss lustig, weder mit der Linkspartei noch mit der AfD zu koalieren: »Ich verstehe Eure Rolle. Ihr müsst Die Linke bescheuert finden – aus ideologischen Gründen. Wenn Ihr die Bürotür zumacht, dann muss da eine Dartscheibe hängen mit dem Bild von Bodo Ramelow drauf, und dann könnt Ihr den ganzen Tag Pfeile drauf werfen …«

Gut möglich, dass Ziemiak jetzt erst einmal überlegen musste: »Ramelow, ist das nicht …?« Riiichtig! Bodo Ramelow von der Linkspartei ist Ministerpräsident in Erfurt. Mit Blick auf den real existierenden Sozialismus von Thüringen bedeutet der CDU-Ausgrenzungsbeschluss nichts anderes, als dass die abgewählte rot-rot-grüne Koalition einstweilen weiter regieren kann – weil die CDU ein bürgerliches Bündnis aus AfD, Union und FDP ablehnt.

Tja, was wäre Marx ohne Lenin? Was wäre Max ohne Moritz? Was wäre Bonnie ohne Clyde? Was wäre Dick ohne Doof? Was wäre Kevin ohne Paul? (oys)

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