Klartext des Chefredakteurs

David Bendels

 

 

schneller als es selbst die Skeptiker erwartet hatten, ist die Union in den Umfragen wieder da gelandet, wo sie im Spätherbst 2018 stehen geblieben war: bei deutlich unter 30 Prozent. Gerade einmal 28 Prozent misst das jüngste »ZDF-Politbarometer« für CDU und CSU. Dies ist ein Rückgang um satte zwei Prozentpunkte binnen eines Monats. Der »AKK«-Hype ist verpufft – so wie es der ›Deutschland-Kurier‹ Anfang Februar vorausgesagt hatte.

Seit dem 7. Dezember steht der Merkel-Klon aus dem Saarland nun an der CDU-Parteispitze. In den ersten Wochen nach ihrer Wahl auf dem Hamburger Sonderparteitag stieg Annegret Kramp-Karrenbauer zunächst auf wie ein Heißluftballon – und mit ihr die Union, die in den Umfragen zur Jahreswende nach langer Zeit wieder die 30-Prozent-Marke knacken konnte.

Es war wie »Annegrets Mondfahrt«:

Nach nur drei Monaten – zisch! – war die heiße Luft raus aus dem Ballon. In Sachen Beliebtheit kann die Saarländerin inzwischen dem FDP-»Posterboy« Christian Lindner die Hand reichen. 0,6 Punkte auf einer Skala von »plus 5 bis minus 5« – das will fürwahr etwas heißen für die Vorsitzende einer (ehemaligen) Volkspartei! Und: Mehr als die Hälfte der Befragten (»Nein«/Weiß nicht«) traut der »Mini-Merkel«, die sich bei Lichte besehen immer mehr als eine »Mikro-Merkel« entpuppt, den Kanzlerjob nicht zu.

Wenige Wochen vor der Europawahl, dem ersten wichtigen Stimmungstest im Superwahljahr 2019, könnte die Ausgangslage für die Union desaströser kaum sein: Die Wähler nehmen die in sich weiterhin tief zerstrittene CDU als einen chaotischen, richtungs- und führungslosen Haufen wahr. Natürlich ziehen sie alle in der Union weiterhin »am selben Strang« – aber eben nicht am selben Ende.

Kramp-Karrenbauer, das wird immer deutlicher, ist das Amt der Parteivorsitzenden auf den Leib geschneidert wie dem Mops der Paletot. Und über allem thront »Madame Merkel« wie eine Sonnenkönigin entrückt in einem Sonnensystem, das sie selbst definiert:

Da, wo sie ist, ist wichtig – und das sind schon lange nicht mehr die Menschen in Deutschland. Gegen die Masseneinwanderungskanzlerin erblasst selbst der unglückliche Kaiser »Wilhelm Zwo«:

Merkel kennt keine Parteien mehr, Deutsche schon lange nicht mehr – sie kennt nur noch sich selbst! Sie interessiert allein, wie lange sie sich noch (am liebsten bis 2021) in Amt und »Unwürden« halten kann. Die ostdeutschen CDU-Landesverbände haben »Stiefmutti« mit Blick auf die Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen vorsorglich zur »Persona non grata« erklärt. Merkel ist für die CDU-Wahlkämpfe in diesem Jahr nur noch eine Belastung. Dass Kramp-Karrenbauer diesbezüglich ihre »Enttäuschung« heuchelt, setzt der Verlogenheit die Krone auf.

Tatsächlich tobt in der CDU weiter ein erbitterter Machtkampf. Dem Wähler wird mit dem vermeintlich neuen »Tandem« Kramp Karrenbauer & Merz ein einziges Illusionstheater vorgegaukelt. Nichts davon hat eine innere Wahrheit. Der im Kern linksgrüne Merkel-Klon Kramp-Karrenbauer braucht das scheinkonservative Feigenblatt Friedrich Merz lediglich als »nützlichen Idioten« im Sinne der Lenin’schen Doktrin, um jene (Rest-)Wähler zu erreichen, die noch nicht unerreichbar bei der AfD angekommen sind. Allerdings könnte die »AKK«-Rechnung gründlich danebengehen.

Denn: Was hier unter dem Deckmantel eines angeblichen Zweckbündnisses der beiden Ex-Rivalen vorgeführt wird, ist nicht der Kampf um die Richtung in der CDU-Wirtschaftspolitik; es ist allein der Kampf um die Kanzler-Nachfolge! Der Merz-Flügel wird sich mit Annegret Kramp-Karrenbauer nie und nimmer abfinden. Zum nunmehr dritten Mal seit 2002 und 2018 wartet der Sauerländer erneut auf die Gunst der Stunde. Rache, so sagt ein Sprichwort, ist eine Speise, die am besten mundet, wenn kalt genossen. Ich bin fest davon überzeugt:

Wenn der mehrfache »Millionär Merz«, der den Steuerzahlern nie auf der Tasche lag, einen Ehrgeiz NICHT hat, dann diesen: Wirtschaftsminister unter einer Dame namens Kramp-Karrenbauer zu werden. Ihn interessiert nur ein Amt – DAS Amt!

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