Klartext des Chefredakteurs

David Bendels

 

 

haben Sie auch eine Überdosis Habeck abbekommen? In den letzten Tagen war es echt zuviel. Auf allen Kanälen Jubelartikel und Gefälligkeitsinterviews über und mit Robert Habeck, dem Grünen-Chef mit dem Dauer-Softie-Grinsen, als handelte es sich nicht um einen Partei-Apparatschik, sondern um eine Mischung aus Teenie-Idol, Polit-Popstar und Messias in einer Person.

Freitag: Im Jubel-Talk beim Frauen-Klatschmagazin ›Brigitte‹ darf der Obergrüne sich als »Robin Hood« und künftiger Kanzler inszenieren. Samstag: Eine »Reporterin« vom ›Stern‹, der ›Bravo‹ für Grünen-Fans, feiert Habeck und seine Co-Parteichefin Annalena Baerbock als kuscheliges Traumpaar, das die Grünen in sanfter Harmonie und, hach, so ganz anders als die anderen Parteien als Vortänzer anführt. Der selige Reigen soll, na klar, einen von beiden mal ins Kanzleramt führen.

Und gleich am nächsten Tag wird der »heilige Habeck« im ausführlichen Hofberichts-»Interview« mit der ›Bild am Sonntag‹ als, ja wirklich, »Brad Pitt der Grünen« umschmeichelt, der seine schmachtende Leserschaft mitfühlen lässt, wie er aus Empfindsamkeit nach einem Schlachthofbesuch zum Vegetarier wurde, seit seiner Wandlung zum Musterpapa bei Kitschfilmen immer ein Tränchen verdrücken muss, für seine Wuschelhaarfrisur im Bad nur ein paar Sekunden braucht und nebenher auch noch »Philosophen« liest und das Christentum als »Mitleidsethik« schätzt. Ein Feingeist und Frauenversteher, den man einfach liebhaben muss.

Selbst einigen etablierten Redakteuren wird dieser Overkill an gefühligem Haltungsjournalismus langsam zuviel; die »Montagslage« von ›Spiegel online‹ machte sich über die ›BamS‹-Kollegen lustig, die so penetrant den »lästigen Ruf« deutscher Journalisten bestätigen, sie seien »mehrheitlich Anhänger der Grünen«. Freilich ist das kein Gerücht, sondern Fakt. Der Habeck-Hype vom vergangenen Wochenende ist kein Ausrutscher, sondern vorläufiger Höhepunkt einer Propagandawelle, die seit über einem Jahr übers Land geht.

Im Januar 2018, auf dem Grünen-Parteitag, der Habeck und Baerbock als neue Parteichefs installierte, ging es so richtig los. Tina Hassel, das Merkel- und Grünen-Groupie aus dem Hauptstadtstudio der ›ARD‹, twitterte und funkte damals schon drauflos, dass selbst die Social-Media-Abteilung der Grünen blass vor Neid werden musste.

Der Höhenflug in den Umfragen, den die Grünen seither hingelegt haben, ist im Wesentlichen ein Medienphänomen, gemacht von Fan-Journalisten, die keine Gelegenheit auslassen, das Personal und die Themen der Grünen hochzuschreiben und im besten Licht darzustellen. Die AfD-Bundestagsfraktion spottete schon letzten Sommer über den »täglichen Habeck«, der als Dauergast die Talkshows und TV-Politsendungen bevölkert.

Seit die schwächelnde Kanzlerin den Parteivorsitz abgegeben hat und ein Regierungswechsel unter grünen Vorzeichen im Raum steht – mit oder ohne Neuwahlen, zu Schwarz-Grün oder zur Jamaika-»Schwampel« mit der FDP als Steigbügelhalter –, läuft die Propagandamaschine auf Hochtouren: Auf einmal soll Habeck Deutschlands »beliebtester Politiker« und Wunschkanzler einer wachsenden Zahl von Deutschen sein.

Mit Journalismus haben die Jubelarien der etablierten Medienchöre, die den Deutschen die Grünen als vom Schicksal gewollte Regierungspartei verkaufen sollen, wenig zu tun. Das hat Methode: Kritisch hinzuschauen und nachzufragen, was die Grünen mit der Regierungsmacht denn nun genau anfangen würden, könnte nämlich abschreckend wirken.

Kratzt man am medialen Zuckerguss, steckt auch unter der Medienkreation des netten Herrn Habeck ein öko-bolschewistischer Betonkopf im Weltenretterwahn, der den Bürgern Flugreisen rationieren und verbieten will, Kerosin und Atemluft besteuern möchte, der Enteignungen für eine prima Sache hält und allen Ernstes glaubt, dass die Konsumentscheidungen der Bürger beim Staat am besten aufgehoben sind.

Habeck ist auch kein sanftmütiger Alltagsphilosoph, sondern ein in der Wolle gefärbter linksradikaler Antideutscher, für den es das Volk, das ihn an die Macht wählen soll, gar nicht gibt und irgendwie Nazi ist, der mit Deutschland, das er regieren möchte, nach eigenem Bekunden gar nichts anfangen kann und der »Vaterlandsliebe« im Übrigen »stets zum Kotzen« fand.

Diese Einstellung mag er mit der notorischen Amtseid-Brecherin Angela Merkel gemeinsam haben. Aber zum Kanzler geeignet ist er deswegen gerade nicht. Zeit also, den Bürgern reinen Wein einzuschenken, wer die Grünen wirklich sind. Beim ›Deutschland-Kurier‹ werden sie auch künftig keinen Grünkitsch serviert bekommen, sondern knallharte Aufklärung und Hintergrundinformation. Versprochen.

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