Klartext des Chefredakteurs

David Bendels

 

 

Manfred … – wer bitte? Manfred Weber heißt er, auch wenn das drei Viertel der Deutschen bis heute noch nicht mitbekommen haben. Spitzenkandidat zur Europawahl ist er, für die CSU, die Unionsparteien und ihre europäischen Partner, die »Europäische Volkspartei« (EVP). Deshalb kann er sich sogar Chancen ausrechnen, der nächste Präsident der EU-Kommission zu werden. Die Verkörperung der Misere und des Niedergangs der gesöderten und vermerkelten CSU ist er heute schon.

Die Riege der CSU-Bewerber für das Europaparlament, die er anführt, ist seiner würdig: Eine beliebige Ansammlung farbloser Karrieristen und Apparatschiks, die um die Wette merkelfromme und EU-gläubige Phrasen dreschen. Triste Gestalten ohne Rückgrat und ohne Kompass, sieht man mal vom unbedingten Willen ab, sich so schnell und so lange wie möglich an den wohlgefüllten Brüsseler Fleischtöpfen einzurichten. Was für eine Trümmertruppe!

Wer die Ohren spitzt, kann genau hören und sogar den Luftzug spüren, wie Franz Josef Strauß (FJS) im Grabe rotiert. Ein rundgeschliffener Opportunist wie Manfred Weber, dessen am besten entwickeltes Organ sein Sitzfleisch ist und der seine Meinung häufiger wechselt als manche Menschen ihre Unterwäsche, hätte unter ihm in der Münchener Staatskanzlei wahrscheinlich nicht mal Kaffee kochen dürfen.

Regelrecht peinlich dürfte FJS die eigene Tochter sein, die sich auch wieder einen guten Platz auf der CSU-Europaliste ersessen und gute Aussichten hat, wieder einen der begehrten Spesenritterposten zu ergattern. Politisch hat man von Monika Hohlmeier in all den zehn Jahren, in denen sie in Straßburg und Brüssel Steuergelder kassiert hat, so gut wie nichts gehört. Schlagzeilen macht sie mit Mauscheleien, Vetternwirtschaft und anderen Skandalen, wenn sie nicht gerade wieder mal anderer Leute Autos angerempelt hat, angeblich ohne es zu merken, und das EU-Parlament für die staatsanwaltlichen Ermittlungen ihre Immunität aufheben muss, so wie zuletzt im März.

Es gab einmal eine Zeit, da war die CSU wenigstens noch im Bierzelt EU-kritisch. Da hatte sie Schwergewichte wie Peter Gauweiler aufzubieten, der sich von keiner Parteiräson verbieten ließ, seine Meinung über den Euro, den Brüsseler Bürokraten- und Regulierungswahn und die undemokratische Entmündigung der Nationalstaaten zu sagen.

Solange sie sich eigensinnig gegen Bonner, Berliner und Brüsseler Zentralismusbestrebungen stellte, war die CSU Volkspartei in Bayern. Der Mut hat sie schon länger verlassen; die Aussicht auf den fetten Posten des Kommissionspräsidenten hat sie vollends impotent gemacht. Die Wähler sehen schon lange keinen Unterschied mehr zwischen Merkel-Union und Nahles-SPD und wenden sich angewidert von beiden ab. Warum sollten sie da in Bayern noch CSU wählen, wenn die sich nicht mal mehr mit markigen Ankündigungen und leeren Versprechungen von den anderen abhebt?

Die Umfragen zeigen steil nach unten; für die CSU könnte die Europawahl zum Desaster werden. Der glattpolierte Herr Weber kann daran nichts ändern, er ist Teil des Problems und nicht der Lösung. Auch der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat ihm die Unterstützung aufgekündigt; was soll er auch mit einer CSU, die wie ein Entenküken im Kielwasser von Merkel und Macron schwimmt. Nutzen wird ihm das wahrscheinlich trotzdem nicht, die beiden haben längst eigene Pläne und keine Skrupel, den nützlichen Narren Weber eiskalt abzuservieren.

Da wächst natürlich die Panik; klar, die schönen Pöstchen und Pfründe, die man sich schon ausgerechnet und verteilt hat, sind ja in Gefahr. Angst macht hässlich, und lächerlich. Monika Hohlmeier hat sich schon länger mit albernen Attacken auf den Deutschland Kurier blamiert, weil er ihr den Spiegel vorgehalten hat: Franz Josef Strauß würde AfD wählen. Und Weber greift tief in die schmutzige antidemokratische Trickkiste und will EU-kritischen Parteien die Gelder streichen, die man bitte schön für die EU-Nomenklatura-Parteien exklusiv reserviert haben möchte.

So weit ist es mit der CSU also gekommen: Die Partei, die früher einmal selbst mit EU-Kritik bei den Bürgern punktete, beschimpft jetzt im übelsten Merkel-Sprech EU-Kritiker als »Europafeinde«. So sehr hat sie die Euromanen-Arroganz inzwischen verinnerlicht, die das Bürokratenkonstrukt dreist mit »Europa« gleichsetzt.

Den Niedergang hat die einst stolze FJS-Partei selbst verschuldet, das absehbare nächste Wahldesaster hat sie sich durch eigene Torheit mehr als verdient. Zum Glück gibt es am 26. Mai in Bayern eine Alternative zu dieser heillosen Trümmertruppe.

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