Klartext des Chefredakteurs –
Ausgabe 14

 

Liebe Leser,

die Ouvertüre zur Jamaika-Operette klingt wie eine Partitur aus dem politischen Tollhaus. FDP und Grüne wollen vor schwarz-gelb-grünen Gesprächen »bilateral« vorsondieren. Also Hinterzimmerdeals verabreden mit dem Ziel: An uns darf (soll) Jamaika nicht scheitern! Derweil werden CDU und CSU noch eine ganze Weile damit beschäftigt sein, den Scherbenhaufen ihrer verheerenden Wahlniederlage (32,9 %) zusammenzukehren. Peinlicher gehts nimmer: FDP und Grüne kennen vor lauter Machtgier kein Halten mehr. Man möchte in abgewandelter Form Goethe zitieren: »Zum Ministerposten drängt, am Ministerposten hängt doch wirklich alles.« Es sind dies die Kleingeister, die die Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel mit ihrer vom Wähler abgestraften Linksdrallisierung der CDU rief.

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Die 101 CSU-Abgeordneten im Bayerischen Landtag hat nach dem Debakel bei der Bundestagswahl (38,5 %) die blanke Existenzangst gepackt. Wie das Kaninchen auf die Schlange starren sie auf die Landtagswahl im Herbst 2018. Gegen CSU-Chef Horst Seehofer hagelt es Rücktrittsforderungen von der Orts- bis zur Bezirks­ebene. Mehrere Landtagsabgeordnete, darunter ein Kabinettsmitglied, legten Seehofer den Abgang nahe. Der spielt auf Zeit und hofft, seinen Kopf bis zum Parteitag im November und wenn möglich darüber hinaus zu retten. Dass es in der CSU erstens sehr schnell anders kommen kann und zweitens als man denkt – davon können Edmund Stoiber und Günther Beckstein ein Lied singen. Letzterer erinnert sich an seinen Sturz als Ministerpräsident im Herbst 2008: »Am Montag früh war’s bei mir noch alles heile Welt damals« – bevor er am Mittwoch von der Landtagsfraktion aus dem Amt gejagt wurde.

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Man ist verwundert, dass sich der wegen seines Schwänglisch gefürchtete EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger noch nicht zu Wort gemeldet hat: »Us goes the ass on groundice.« Anders kann man es nicht deuten, dass die ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten Tillich und Haseloff deutlich vom Linkskurs der Bundes-CDU abrücken. Früher hätte ihnen CDU-Twitterkönig Peter Tauber eins gezwitschert: »Wer nicht für Merkel ist, ist ein Arschloch und kann gehen!« Tauber hat verständlicherweise eine Twitter-Pause eingelegt. Auch Peter Altmaier, Merkels Chef-Wahlkampfstratege, zieht es derzeit nicht ins politische Rampenlicht. Auffallend zurückhaltend ist Annegret Kramp-Karrenbauer. Die als strukturkonservativ geltende katholische Saar-Regentin könnte nach Meinung mancher in der CDU die Frau für den Tag X sein. Unlängst warnte sie davor, christliche Traditionen aus Gründen einer falsch verstandenen Integration aufzugeben, in Kindergärten die Martinsumzüge abzuschaffen und Weihnachtsfeiern in »Winterfeste« umzubenennen.

Worte wie Balsam auf die vielen Wunden, die Merkel der CDU zugefügt hat.

Herzliche Grüße,
Ihr David Bendels

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