Klartext des Chefredakteurs – Ausgabe 20

Liebe Leser,

was für ein Gewürge! Was für ein unwürdiges Schmierentheater! Vier Wochen Jamaika-Balkonien haben Deutschland gelähmt. Sie haben gezeigt:

Schwarz-Gelb-Grün war und ist ein Hirngespinst. Angela Merkel hat abgewirtschaftet, auf der ganzen Linie!

Es mag zynisch klingen, vielleicht sogar verrückt: Die Jamaika-Sondierungen waren aber auch vier gute Wochen für Deutschland. Weil es lehrreiche Wochen waren. Ein abschreckendes Lehrstück für Politik, wie sie nicht funktioniert. Indem einfach passend gemacht wird, was nicht passt. Indem eigene Grundüberzeugungen auf dem Postenstrich einer Koalition geopfert werden, bei der hinten und vorne nichts zusammenpasst. Indem sich eine Allparteien-Führungsclique ihren angeblichen Wählerauftrag einfach herbeilügt.

Es waren vier gute Wochen für Deutschland vor allem aber deshalb, weil sie endgültig den Anfang vom Ende der unseligen Kanzlerschaft Angela Merkels eingeläutet haben.

Für Jamaika gab es nie einen Wählerauftrag, kein inhaltliches Fundament. Beides war nachträglich und willkürlich einzig zum Zwecke des Machterhalts herbeikonstruiert worden.

Es ist ein Naturgesetz und es gilt auch für die Politik: Die Schwerkraft lässt sich nicht überwinden.

Die Schwerkraft in der Demokratie ist der höchste Souverän, der Wähler.

Er wird sich neue Mehrheiten suchen – jenseits des abgewirtschafteten Altparteien-Kartells. Eine eindrucksvolle bürgerliche Mehrheit, wenn man sie nur wollte (ohne Merkel), gäbe es freilich schon jetzt im Deutschen Bundestag.

Blicken wir nach vorne: Der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist.

Verlängern wir also nicht den Tunnel, sehen wir lieber das Licht am Ende des Tunnels. Es kommt manchmal schneller, als man denkt.

Schwarz-Blau (oder Blau-Schwarz) ist möglich. Unsere österreichischen Nachbarn können es bestätigen.

Herzliche Grüße,
Ihr David Bendels

Drucken