Klartext des Chefredakteurs – Ausgabe 21

Liebe Leser,

es sind fürwahr turbulente und undurchsichtige Wochen in Berlin.
Es wird vielleicht auch noch Monate dauern, bis sich der dichte Nebel lichtet, der durch das Regierungsviertel wabert. Die Altparteien haben nach dem Jamaika-Schlamassel die Orientierung verloren. Sie fahren auf Sicht – darauf bedacht, jetzt bloß nicht eine Ausfahrt zu früh abzubiegen. Zu früh den Lobgesang auf die absehbare Neuauflage der Großen Koalition anzustimmen. Dass es so kommen wird, dafür spricht weniger die vom einstigen SPD-Apparatschik Frank-Walter Steinmeier hochtrabend beschworene »staatspolitische Verantwortung«, sondern schlichtweg die pure Existenzangst. Welcher Abgeordnete von CDU, CSU und SPD möchte bei Neuwahlen schon seinen Job verlieren?

So viel ist trotz Nebel klar: Im Machtgefüge des gottlob gescheiterten Systems Merkel wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Angela Merkel, die heimliche Parteivorsitzende der Grünen, ist angeschlagen wie nie zuvor. Ihr nicht nur symbolischer Sturz – wie auf unserer Titelseite – ist eine Frage der Zeit.

Deutschland atmet erleichtert auf. Zunächst, weil der Spuk einer Jamaika-Koalition mit grünem Multikulti-­Voodoo beendet ist. Was immer die wahren Motive Christian Lindners gewesen sein mögen:

Die Liberalen haben sich, vielleicht zum ersten Mal in ihrer Geschichte, wirklich um Deutschland verdient gemacht.

Und – unfreiwillig – um CDU und CSU.

Es wird zu einem Hauen und Stechen in den und zwischen den »Unions-Schwestern« kommen. Aber anders werden sich CDU und CSU nicht den zähen Schleim abhusten können, den ihnen Angela Merkel und ihr bayerischer Paladin, Noch-Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer, mit ihrer Prinzipienlosigkeit eingeatmet haben.

Deutschland atmet durch – vor allem, weil die Menschen spüren: Es bewegt sich etwas. Es liegt etwas in der Luft. Die Wetter schlagen um. So kann es nicht weitergehen, und so wird es nicht weitergehen: mit der unkontrollierten Masseneinwanderung; mit der modulartigen Austauschbarkeit von Grundwerten und Prinzipien; mit einer Politik, bei der »Germany last« kommt.

Wer die (noch amtierende) Kanzlerin in der vergangenen Woche aus der Nähe beobachten konnte, dem lief zwangsläufig ein Schauer über den Rücken: Merkel ist ein Schatten ihrer selbst. Auch die Schminke, so dick aufgetragen wie Spachtelmasse, kann nicht mehr verbergen, dass Angela Merkel dasteht wie der Kaiser ohne Kleider: entzaubert, politisch nackt.

Herzliche Grüße,
Ihr David Bendels

Drucken