Klartext des Chefredakteurs:

Die CDU merzt sich aus

David Bendels

nein, der CDU ist wirklich nicht mehr zu helfen. Eben hat sie in Thüringen die x-te krachende Wahlniederlage in Serie eingefahren und ist von der AfD deklassiert worden, eben noch wurden doch tatsächlich Stimmen lauter, die Konsequenzen aus der rasanten Talfahrt forderten, und dann passierte das, was immer geschieht: Die tausend CDU-Delegierten feiern sich, klopfen sich auf die Schultern, versichern sich gegenseitig, dass sie schon alles richtig machen und bloß die Wähler doof wären, und wie die nordkoreanischen Aufziehmännchen applaudieren sie minutenlang ihrer Vorsitzenden für ihre hölzerne Rede, als klatschten sie um ihr Leben. Je näher die Klippe kommt und je rascher es auf sie zugeht, desto aufgedrehter werden die Lemminge.

Es wird also weitergemerkelt wie bisher bei der Union. Der Merkel-Wiedergängerin Kramp-Karrenbauer rennen sie genauso folgsam hinterher wie zuvor der Immer-Noch-Kanzlerin. Die entscheidenden Fragen werden nicht gestellt: Nach dem Migrationschaos, der Erosion der inneren Sicherheit, dem schleichenden Rechtsstaatszerfall, der wirtschaftsfeindlichen Energie- und Elektroauto-Planwirtschaft – nach allem eben, was unter einer CDU-Kanzlerin verbockt wurde und weswegen der Union die Wähler in Scharen zur AfD davonlaufen, von wo sie offenbar auch niemand zurückholen will. Hört man Kramp-Karrenbauer zu, könnte man glauben, die CDU hätte die letzten vierzehn Jahre gar nicht regiert, aber jetzt brechen goldene Zeiten an. Zu einer Partei, die derart fanatisch in einer Scheinwelt lebt, fällt einem eigentlich nichts mehr ein.

Die peinlichste Figur dieses Parteitags war indes zweifellos Friedrich Merz. „Der Herr badet gerne lau“, hätte einer wie Herbert Wehner über einen Totalausfall wie Friedrich Merz gesagt. Gründlicher und schneller hat sich selten einer selbst demontiert und zum Polit-Zwerg und zur Lachnummer degradiert. Trotz mehr als fünfzehnjähriger Polit-Pause hätte er durchaus die Möglichkeit gehabt, die Machtfrage noch einmal zu stellen und für sich zu entscheiden. An Unterstützern fehlte es auch nicht. Aber Klein-Fritzchen, der vorher so große Töne gespuckt hatte, traute sich nicht zu springen – man könnte ja nass werden –, und kletterte wie ein begossener Pudel wieder vom Sprungturm herunter. Damit hat er binnen eines Jahres die zweite und wohl auch letzte Chance auf ein politisches Comeback vergeigt. Der Fall Friedrich Merz ist erledigt und kann endgültig zu den Akten.

Düpiert steht damit auch die sogenannte „WerteUnion“ da, die sich schon auf dem Weg zu einer einflussreicheren Rolle in der Partei wähnte. Schon möglich, dass die schwache Merkel-Nachfolgerin Kramp-Karrenbauer doch noch abgesägt wird, auch wenn der Parteitag die direkte Attacke auf sie, die Urwahl des Kanzlerkandidaten durch die Mitglieder, nochmal abgebogen hat. Aber wenn einer sie abserviert, dann Armin Laschet oder Markus Söder oder sonst einer, der den schwarz-grünen Schmusekurs noch geschmeidiger hinbekommt als die hölzerne Saarländerin. Die „WerteUnion“ braucht dazu keiner. Die letzten Feigenblatt-Konservativen in der CDU haben ausgespielt und abgewirtschaftet, sie werden noch mehr geschnitten als zuvor und von niemand mehr für voll genommen. Da macht es auch keinen Unterschied, dass sich ein honoriger Mann wie Hans-Georg Maaßen als Galionsfigur zur Verfügung gestellt hat. Er ist am Ende auch nur ein Don Quijote. Wer das nicht einsieht und sich immer noch an die Hoffnung klammert, in CDU und CSU so etwas wie konservative Politik umsetzen zu können, dem ist ebenfalls nicht mehr zu helfen. So wie der ganzen Union.

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