Klartext des Chefredakteurs:

Die SPD schafft sich ab

David Bendels

die SPD hat fertig. Nach diesem Parteitag und dieser Vorstandswahl muss es auch der letzte merken: Da zelebriert eine Partei, die nicht mehr will und nicht mehr kann, in qualvoll peinlich sich hinziehender Dauer-Selbstbeschäftigung ihre eigene Abwicklung. Das geschäftige Rumoren um die eigenen Befindlichkeiten soll vor allem eines überdecken: Die SPD ist überflüssig und weiß es auch, sie will es bloß nicht wahrhaben.

Aus der einst stolzen Arbeiterpartei, der Partei des aufstiegswilligen kleinen Mannes, ist eine erweiterte Juso-Selbsthilfegruppe geworden, die sich in fruchtlosem Ideologiegeschwätz selbst aufreibt. Symbolfigur der »neuen Zeit« der SPD als vernagelte linke Sekte ohne Bodenhaftung und Realitätsbezug ist Juso-Chef Kevin Kühnert, der seine neomarxistischen Anhänger erfolgreich mobilisiert hatte, um zwei ewig zu kurz Gekommene aus der dritten Garnitur der SPD-Berufspolitiker zu Vorsitzenden zu machen, und dafür selbst mit einem Vizeposten belohnt wurde.

Dass »Pöbel-Ralle« Ralf Stegner und einige andere gewohnte Gesichter bei den Vorstandswahlen durchgefallen sind, ist kein echter Verlust. Für peinliche Tweets und Wortmeldungen werden künftig eben andere sorgen; die neue Co-Chefin Saskia Esken zum Beispiel, die ehemalige Vizelandeselternbeiratsvorsitzende aus Baden-Württemberg mit der Aura einer »sadistischen Gemeinschaftskundelehrerin« (Jan Fleischhauer), die sich jede Kritik am Sozialismus verbittet, aber dafür mit ihren teuer in San Francisco erstandenen bunten Plastikschuhen prahlt. Dass der gewöhnliche SPD-Wähler sich solche Einkaufstrips nicht leisten kann und, wenn es nach Esken ginge, auch gar nicht mehr »klimaschädlich« fliegen sollte, fällt ihr als Widerspruch gar nicht auf – warum auch, im Sozialismus ist die Nomenklatura schließlich auch immer etwas gleicher als die anderen.

Mit solchem Personal wird es für die SPD zügig in den einstelligen Prozente-Keller gehen, über kurz oder lang wohl auch ins Parlamentsaus. Die linken Sektierer haben ganze Arbeit geleistet. Was zu Achtundsechziger-Zeiten als Trittbrettfahrt bei einer breit verwurzelten Arbeiterpartei begann, endet jetzt damit, dass der Wirt zur leeren Hülle ausgesaugt ist und abstirbt. Damals wie heute waren die Jungsozialisten die Speerspitze der ideologischen Kaperung.

Die »GroKo« der geschrumpften Scheinriesen wird sich trotzdem noch eine ganze Weile weiterschleppen. Weder Kühnert noch die neuen Vorsitzendendarsteller werden das Versprechen »GroKo-Aus zu Nikolaus« einlösen können, mit dem sie ihre Ämter erobert haben. Zum einen, weil die derzeitigen Pfründeinhaber sich mit Klauen und Zähnen daran klammern werden, dass Dienstwagen, Diäten und der Erwerb von Pensionsansprüchen noch möglichst lange weiterlaufen. Auch die Bundestagshinterbänklerin Saskia Esken, die es mit ihrem unterdurchschnittlichen Ergebnis nur mit Ach und Krach ins Parlament geschafft hat, ist davon betroffen. Kühnert, Esken und der ausrangierte Ex-NRW-Finanzminister Walter-Borjans, der sich jetzt »SPD-Vorsitzender« nennen darf, sind daher schon kräftig am Zurückrudern. Zum anderen, weil die SPD auch in der Opposition oder bei Neuwahlen gar nicht wüsste, wie sie wieder erfolgreich sein könnte. Die Ladenhüter, mit denen sie jetzt hausieren geht, können die Originale besser: Ökodiktatur, Randgruppenfetischismus und Multikulti machen die Grünen schon, Enteignungen, Staatssozialismus und »Antifa«-Stalinismus hat die SED-PDS-»Linke« noch radikaler drauf, und wohlfahrtsstaatliche Umverteilung und Bevormundung betreibt die Union inzwischen auch schon routinierter als die SPD. Da bleibt als letzter logischer Schritt eigentlich nur der neuerliche Zusammenschluss mit der Linken zur neuen SED, den deren Altvorsitzender Oskar Lafontaine schon mal genüsslich in den Raum gestellt hat.

Mitleid mit den Alt-Sozialdemokraten, die fassungslos vor den Trümmern ihrer einst so ehrwürdigen Partei stehen, muss man trotzdem nicht haben, genauso wenig wie mit Noch-Vizekanzler Olaf Scholz und den anderen abgemeierten Halb-Profis, die die SPD noch hat. Sie haben der Demontage der SPD schließlich all die Jahre tatenlos zugesehen oder sogar noch dabei mitgeholfen.

Den einzigen Weg zum Wiederaufstieg haben sie sich kollektiv versagt, obwohl zuletzt die dänischen Sozialdemokraten vorgemacht haben, wie es geht: mit restriktiver Migrationspolitik und Widerstand gegen Euro-Ausbeutung und Klima-Wahn die Interessen der heimischen Arbeitnehmer gegen die unheilige Allianz aus Globalismus und linkem Internationalismus zu verteidigen.

Dieses Politikfeld besetzt heute die AfD. Statt verlorenes Terrain zurückzuerobern, liefert sich die SPD mit anderen linken Sektierern einen Radikalismus-Wettbewerb und schickt ihren abgewanderten Wählern und Mitgliedern noch wüste Beschimpfungen hinterher. Damit unterschreibt die SPD ihre eigene Abdankungsurkunde.

Sigmar Gabriel, einer der vielen schnöde vom Hof gejagten SPD-Vorsitzenden der letzten Jahre, hat es unverblümt ausgesprochen: Die AfD ist die neue Arbeiterpartei.

Man kann ihr nur wünschen, dass sie dieses Erbe würdig weiterträgt.

Drucken