Klartext des Chefredakteurs:

Ein Abgrund an Infamie — das antidemokratische Gebaren der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG)

David Bendels

Erika Steinbach ist eine noble Dame. Selbst die infamsten Angriffe auf ihre Person pariert sie mit beispielhafter Würde und tadelloser Haltung. Sie wählt klare und angemessene Worte, ohne sich je auf das klägliche Niveau derjenigen hinab zu begeben, die sie vergeblich mit Schmutz zu bewerfen versuchen. Das hat sie als CDU-Bundestagsabgeordnete bewiesen, wenn die Anfeindungen nicht nur vom politischen Gegner kamen, sondern zunehmend aus den eigenen Reihen; so hat sie sich als langjährige Präsidentin des Bundes der Vertriebenen Respekt verschafft, und dieselbe Unbeugsamkeit zeigt sie auch als Vorsitzende der Desiderius-Erasmus-Stiftung.

Einen an Infamie und Schäbigkeit schwer zu überbietenden persönlichen Angriff auf Erika Steinbach leistete sich nun ausgerechnet die Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) und Vorsitzende der DIG Frankfurt am Main, Claudia Korenke. Obwohl Erika Steinbach dem Frankfurter Zweig der DIG seit Jahrzehnten als geachtetes Mitglied angehört – der Vater von Frau Korenke hatte sie persönlich zum Beitritt eingeladen –, zog Frau Korenke die Einladung zum 40-jährigen Jubiläum der DIG Frankfurt in einem an Unverschämtheit und Infamie nicht zu überbietenden Brief zurück und forderte Frau Steinbach auf, »von einer Teilnahme abzusehen«. Begründung: Ihre »Nähe zur AfD« sei »mit den Grundsätzen und Überzeugungen der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und ihrer Mitglieder nicht kompatibel«. Sie solle auch nicht mehr öffentlich auf ihre Mitgliedschaft in der DIG hinweisen, habe das Präsidium der Gesellschaft beschlossen.

Von einer Organisation, die sich der deutsch-israelischen Verständigung verschrieben hat, klingt so eine undemokratische und quasi-totalitäre Ausgrenzung und öffentliche Brandmarkung einer untadeligen Person, der lediglich eine »falsche« Gesinnung vorgeworfen wird, doppelt niederträchtig und geschmacklos. Muss man darauf hinweisen, dass die DIG offenkundig kein Problem mit Vertretern beispielsweise der Grünen hat, einer Partei, in der linker Antisemitismus eine feste Heimat hat? Muss man wirklich daran erinnern, wie diese von Union und SPD getragene Bundesregierung ein ums andere Mal in der UNO mit den Israel hassenden Diktaturen dieser Welt gegen Israel stimmt? Und dass gerade die AfD diese Skandale offen anprangert, sich für das Verbot anti-israelischer Extremisten-Vereine wie Hamas, Hisbollah und der Boykottbewegung BDS einsetzt und als einzige Bundestagspartei für die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels eintritt? Dass innerhalb der Partei sogar eine Plattform »Juden in der AfD (JAfD)« besteht, die von geachteten und im jüdischen Gemeindeleben engagierten Persönlichkeiten getragen wird?

Man muss es offensichtlich, wieder und wieder. Erika Steinbach hat dies in ihrem Antwortschreiben an Frau Korenke vornehm, aber deutlich getan. Nobel und mit feiner Ironie verzichtet sie aus freien Stücken darauf, an der Jubiläumsfeier teilzunehmen, »um Ihnen den Tag nicht zu verderben«. Sie weist die perfiden Unterstellungen gegen die AfD und die ihr nahe stehende Desiderius-Erasmus-Stiftung sachlich, aber bestimmt zurück, und sie verwahrt sich gegen die Zumutung, ihr Engagement für das Wohl Israels zu verschweigen, nur weil dies einigen Funktionären nicht behagt.

Nicht Erika Steinbach hat sich »radikalisiert«, die CDU ist nach links abgedriftet. Und ganz offensichtlich hat auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft den Kompass verloren. Mit Fug und Recht muss die Frage gestellt werden, ob eine Organisation, die parteipolitischen Opportunismus so platt und missbräuchlich über die Sache stellt, der sie laut Satzung verpflichtet ist, noch der Unterstützung wert ist. Ganz sicher spricht die DIG, ebenso wie der Zentralrat der Juden, nicht für alle Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland, ja wohl nicht einmal für eine Mehrheit oder einen signifikanten Anteil. Ich für meine Person jedenfalls werde meine Mitgliedschaft in dieser Gesellschaft wegen ihres abgrundtief infamen und antidemokratischen Verhaltens unverzüglich beenden.

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