Klartext des Chefredakteurs

»Kramp-Eckardt« und »Göring-Karrenbauer«

David Bendels

 

 

lange hat er ja nicht gehalten, der Wählertäuschungs-Popanz mit den »Werkstattgesprächen« und der inszenierten Pseudo-Abrechnung mit Merkels Migrationspolitik. Eine Woche später treffen sich die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) und Grünen-Fraktions-Chefin Katrin Göring-Eckardt (KGE) zum trauten Doppel-Interview bei ›Bild am Sonntag‹ (BamS), um schwarz-grüne Eintracht zu zelebrieren.

AKK im schwarz-grünen Hosenanzug, KGE in Gelb, zusammen die Jamaika-Farben – ein Schelm, wer Böses bei dieser Fotostrecke denkt. Fehlt nur noch FDP-Lindner, den die beiden auch schon umgarnt haben, und es kann losgehen. Vom aktuellen Koalitionspartner SPD spricht die CDU-Vorsitzende schon mit keiner Silbe mehr.

Penetranter kann man dem gelackmeierten Volk die Botschaft kaum noch unter die Nase reiben: Merkel-Klon Kramp-Karrenbauer vollendet das Werk der Rautenkanzlerin, unter der die CDU von den Grünen gekapert wurde, und führt die Reste der Union zum Endziel der schwarz-grünen Einheitsfront.

Das migrationskritische Tamtam aus den »Werkstattgesprächen« kann dann schon einmal weg. Das war ohnedies nur Theater für die Zeit bis zu den nächsten Wahlen, ein Leckerli für die »Werte-Union«, die als nutzlose Dekoration noch eine Weile in der Auslage stehenbleiben darf, um naive Konservative zu ködern. Zum selben Zweck darf Merkel-Schoßhund Daniel Günter von Schleswig-Holstein aus Kramp-Karrenbauer kritisieren, um den Eindruck zu erwecken, es gäbe auch noch Nicht-Merkelianer bei der CDU und innerparteiliche Auseinandersetzungen.

Wo es nach Merkels absehbarem Abgang hingeht, signalisiert das ›BamS‹-Doppelinterview. Von Migrationspolitik ist zwischen den schwarz-grünen Schwestern gar nicht erst die Rede – klar: Da wird die Union dann nach der Pfeife der Grünen tanzen, die nicht einmal zu dem winzigen kosmetischen Zugeständnis bereit sind, die Maghreb-Staaten als »sichere Herkunftsländer« anzuerkennen.

Für die schwarz-grüne Zukunft steht sowieso anderes an. »Wir können ganz gut miteinander. Wir leben in einer Zeit, in der es keine natürlichen Koalitionspartner mehr gibt. Da müssen wir gesprächsfähig sein«, orakelt Kramp-Karrenbauer. Hauptsache, Regierungspartner könnten sich »pragmatisch« auf ein »Projekt« einigen.

Was »Kramp-Eckardt« und »Göring-Karrenbauer« damit meinen, sagen sie auch ganz unverblümt: »Strukturen ändern«, damit die Politik »weiblicher« wird, zum Beispiel über eine »Frauenquote«, von der sie beide ganz begeistert sind. Dumm nur, dass es da noch Widerstände im Wahlrecht gibt, die man erst beiseiteräumen muss.

Hat man das aber erst einmal geschafft, ist die Frauenquote nur der Einstieg. Am Ende steht die quotierte Einheitsliste für alle Klientelgruppen und »Minderheiten«, bei der die Wähler dann wie früher in der »DDR« nur noch den vorausgefüllten Zettel zu »falten« brauchen.

»Ja, klar sind wir Quotenfrauen, aber das stört uns auch nicht« steht in fetten Lettern über dem schwarz-grünen Doppelinterview. Uns, die Bürger, stört das aber schon. Wir wollen freie Auswahl statt vorgefertigter Quotenkost. Wir wollen Politiker, die nach Leistung und Qualifikation ins Amt berufen werden und nicht wegen willkürlich herausgepickter äußerer Merkmale.

Wer Altparteien wählt, kriegt Einheitsbrei. Und jetzt kann keiner sagen, er hätte es nicht gewusst, wenn demnächst wieder gewählt wird.

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