Klartext des Chefredakteurs:

Regierungsversagen in der Corona-Krise

David Bendels

auf einmal geht es also doch: Seit heute sind Deutschlands Grenzen nach Frankreich, Österreich und der Schweiz wenigstens teilweise geschlossen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen. Dabei erzählen uns Kanzlerin Merkel und ihre Getreuen in sämtlichen Altparteien doch seit fünf Jahren gebetsmühlenartig, dass es unmöglich sei, die deutschen Grenzen zu kontrollieren und abzuriegeln.

Wieder mal: zu wenig und zu spät. Die Kopflosigkeit der Bundesregierung im Umgang mit der Corona-Pandemie grenzt an absurdes Theater. Auf ihrer Pressekonferenz letzte Woche alberte die Kanzlerin noch herum und gab banale Gesundheitstipps. Man solle doch die »Sozialkontakte« auf ein Minimum beschränken.

Aber für die Staatsgrenzen sollte das nicht gelten: Grenzschließungen seien keine »adäquate Antwort«, dekretierte die Kanzlerin noch letzten Mittwoch, und es sei »naiv« zu glauben, dass man durch »Abriegelung« etwas aus dem Land heraushalten könnte.

Unsere europäischen Nachbarn hatten da schon längst selbst die Grenzen nach Deutschland geschlossen und alle Maßnahmen ergriffen, die ein Nationalstaat hat, um eine Pandemie wie die des Coronavirus einzudämmen. Sind wir in Europa also von lauter Naivlingen umgeben?

Oder ist es nicht doch eher so, dass wir von Schlafmützen und Realitätsverweigerern regiert werden, die mit dem Leben und der Gesundheit der Bürger spielen, um sich möglichst lange an ihr Dogma der offenen Grenzen zu klammern, nur um am Ende doch als Getriebene den Ereignissen hinterherzuhecheln?

Dazu passt, dass die Bundesregierung offenbar schon seit mehr als sieben Jahren weiß, dass das deutsche Gesundheitssystem für eine massive Pandemie wie Corona nur unzureichend gerüstet ist. Und zwar aus einem Bericht, den sie selbst beauftragt und an den Bundestag übermittelt hat. Geschehen ist seither offenkundig: nichts.

Und selbst als sich die Corona-Pandemie längst abzeichnete, hielt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Bürger noch wochenlang mit platten Sprüchen und Beschwichtigungsparolen hin, während die Bundeskanzlerin gleich ganz abgetaucht war. Erst jetzt verfällt man in Aktionismus, nachdem auch diese Zeitspanne ungenutzt verstrichen ist, statt wenigstens die notwendigsten Vorbereitungen zu treffen.

In Krisenzeiten zeigt sich, was eine Regierung taugt. Für Deutschland lautet das ernüchternde Fazit: nicht viel. Wie in der Migrationskrise vor fünf Jahren sind es wieder die Nothelfer an der vordersten Front, die engagierten Bürger und Mitarbeiter von Medizin- und Rettungswesen, örtlichen Verwaltungen und Hilfsdienste, die das Regierungsversagen auffangen. Ihnen gebührt unser Dank.

Lassen wir uns also nicht unterkriegen – und: Bleiben Sie gesund!

Drucken