Klartext des Chefredakteurs:

Zeitgeist-Bruchpilot Söder

David Bendels

so langsam dämmert es einigen an der CSU-Basis wohl, was für einen windschlüpfrigen Zeitgeist-Surfer sie sich mit Markus Söder als Parteivorsitzenden eingefangen haben. Der soeben zu Ende gegangene CSU-Parteitag war eine instruktive Lehrstunde – über den gnadenlosen Opportunisten und Grünen-Stiefelküsser Söder, aber ebenso über die abgrundtiefe Hosenscheißerei seiner Partei, in der nicht wenige den Irrweg zwar erkennen, für den Aufstand aber zu feige sind.

Söders Pläne für eine zwingende »Frauenquote« in allen CSU-Vorständen bis hinunter auf die Kreisebene waren somit kompletter Unfug, aber nur eine halbe Niederlage. Ob als »Muss«- oder abgeschwächt als »Soll«-Bestimmung, die »Frauenquote«, ein Fossil aus der grünen Mottenkiste, ist in die CSU-Welt gesetzt und kann dort ab sofort ihr Unwesen entfalten.

Dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist und erst recht keine Wahl, scheint etlichen Delegierten durchaus klar gewesen zu sein. Nicht zuletzt den intelligenteren unter den weiblichen CSU-Mitgliedern, die nicht aufgrund ihres Geschlechts, sondern aufgrund ihrer Fähigkeiten Karriere machen wollen. So mancher Kreisvorsitzende dürfte sich indes gefragt haben, wo er denn all die Frauen für die Vorstandsposten überhaupt herbekommen soll.

Nur etwa 20 Prozent der CSU-Mitglieder sind Frauen. Eine Vorstandspostengarantie von 40 Prozent, in engeren Vorständen sogar 50 Prozent, bedeutet da eine faktische Verdoppelung der Aufstiegsmöglichkeiten, ganz ohne eigene Anstrengung. Klar, dass einige Karrieristinnen sich da gute Chancen ausrechnen und begeistert sind.

Die Wählerinnen in Stadt und Land haben von dieser symbolpolitischen Vergrünung der CSU genau gar nichts. Ginge es Söder tatsächlich um die Wahlchancen seiner Partei bei Frauen, müsste er seine Signale nicht an die grüne Ideologen-Klientel schicken, sondern an eben diese Wählerinnen, die ganz andere Sorgen umtreiben: die Qualität der Schulen, die Sicherheit ihrer Kinder, der Verlust an Schutz und Bewegungsfreiheit im öffentlichen Raum durch die Massenmigration, der Mangel an familienfreundlichen Teilzeitjobs, der vom Krieg gegen das Auto im Allgemeinen und den Diesel im Besonderen verursachte Verlust von Arbeitsplätzen für sie selbst und für die Familienväter, mit denen sie verheiratet sind und mit denen sie sich eine persönliche Zukunft aufbauen wollen, die von grünen Ideologen und ihren schwarzen Nachplapperern leichtfertig aufs Spiel gesetzt wird.

Das alles interessiert einen Markus Söder aber offenkundig nicht. Ihn treibt etwas anderes um: der Ehrgeiz, sich auf Teufel komm raus als möglicher Kanzlerkandidat für eine künftige schwarz-grüne Bundesregierung nach Merkel zu profilieren. Dafür setzt er auf die vorauseilende Durchgrünung der CSU, notfalls auch gegen ihren Willen.

Ein gefährliches Spiel: Als Trittbrettfahrer der Klimahysterie sägt er an den Wurzeln von Wohlstand und Lebensqualität in Bayern. Das Versprechen, beides zu erhalten, hat bislang vielen bayerischen Wählern ein »Augen zu – CSU« noch schmackhaft machen können. Aber das muss nicht ewig so bleiben. Im Nachbarland Baden-Württemberg könnte Söder studieren, wie schnell eine starke und im Land gut verwurzelte Unions-Landespartei zum Hampelmann und Juniorpartner der Grünen herunterkommen kann, wenn sie erst mal den Kompass verloren hat.

So weit brauchte Söder am Wochenende übrigens gar nicht mal zu gehen, um über den Tellerrand zu schauen. Mit der CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hat er sich das personifizierte Elend der Union ja selbst nach Hause eingeladen. »AKK« ist das abschreckende Beispiel dafür, was dabei herauskommt, wenn man nur noch auf die Grünen als Machtbeschaffer schielt.

Und für die Fans der Frauenquote ist die ins Bundeskabinett aufgerückte frühere Landrätin, Pardon: Ministerpräsidentin des Saarlandes, Anschauungsunterricht aus erster Hand, dass schwarz-grünes Süßholzraspeln und Merkel-Kopieren allein halt doch nicht ausreicht, um Spitzenämter einigermaßen überzeugend bekleiden zu können.

Da sollte, Quote hin oder her, auch Markus Söder selbst noch mal drüber nachdenken.

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