Klimahysterie und Wirtschaftskrise:

Fränkische Zulieferer schreiben Brandbrief an Altmaier

Der Automobilzulieferer Schaeffler mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach will 1.300 Arbeitsplätze abbauen: Angesichts einer drohenden Strukturkrise schlagen nun Unternehmer und Betriebsräte aus der gesamten Zuliefererbranche Alarm

Mit einem Brandbrief haben sich die fränkischen Automobilzulieferer an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewendet. Darin flehen sie geradezu um Hilfe.

»Wir bitten Sie als Bundeswirtschaftsminister um Unterstützung für die gesamte Region«, heißt es in einem fast schon flehentlichen Schreiben an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Unterzeichnet ist der Brandbrief von einem Bundestagsmitglied, dem Oberbürgermeister von Bamberg, Andreas Starke (SPD), und den lokalen Betriebsratsvorsitzenden von Bosch, Michelin und Schaeffler. Gemeinsam bringen sie ihre tiefe Besorgnis um die Automobilzulieferer der Region zum Ausdruck, heißt es laut ›Bayerischem Rundfunk‹ in einem – mutmaßlich bereits Mitte Oktober verfassten – Brief an Altmaier.

»Gerade das Thema Mobilität und Klimawandel stellen insbesondere die Region Bamberg durch die hohe Dichte an Automobilzulieferern vor große Herausforderungen«, heißt es in dem Brief weiter.

In Franken sind viele Automobilzulieferer beheimatet. Allein in der unterfränkischen Stadt Schweinfurt arbeiten nach Angaben von IG Metall mehr als 22.000 Mitarbeiter in der Branche, in der Region Bamberg laut Landratsamt rund 20.000. Große Namen wie Schaeffler, Bosch oder Michelin sind dort zuhause. Bislang zumindest noch.

Michelin schließt Werk in Hallstadt

Michelin hatte bereits Ende September schon angekündigt, was viele andere befürchten: Im Werk in Hallstadt bei Bamberg sollen ab Ende Januar 2021 die Maschinen stillstehen (der Deutschland Kurier berichtete). Knapp 860 Mitarbeiter mit ihren Familien stehen dann auf der Straße.

Brose will 2.000 Stellen streichen

Auch beim Autozulieferer Brose wurde der Job-Kahlschlag ausgerufen. Der fränkische Autozulieferer will bundesweit 2.000 Arbeitsplätze bis Ende 2022 abbauen (der Deutschland Kurier berichtete). Betroffen wird vor allem Franken sein, genauer gesagt die Werke in Bamberg, Hallstadt, Coburg und Würzburg. Dort arbeiten derzeit mehr als 7.000 Mitarbeiter, so ein Sprecher des Unternehmens. Seit der Bekanntgabe Mitte Oktober gab es noch keine Details. Noch ist unklar, an welchen Standorten wie viele Mitarbeiter gehen müssen.

Bosch warnt vor unabsehbaren Folgen

Bosch-Vorstandsvorsitzender Volkmar Denner warnte Mitte Dezember eindringlich vor den überzogenen CO2-Vorgaben der neuen EU-Kommission (der Deutschland Kurier berichtete). Die Brüsseler Normen würden faktisch das Ende des Verbrennungsmotors bedeuten – mit unübersehbaren gesellschaftlichen Folgen. Bosch musste in den vergangenen Wochen immer wieder neue Stellenabbaupläne für einzelne Standorte aus dem Automobilbereich ankündigen. Insgesamt stehen bei dem größten deutschen Zulieferer rund 3.500 Arbeitsplätze zur Disposition. Am Dienstag gab eine Unternehmenssprecherin bekannt, dass im Januar die Kurzarbeit in weiteren Fertigungsbereichen im Werk 1 der Bosch-Tochter Bosch Rexroth in Lohr ausgeweitet wird.

Stellenabbau bei Schaeffler

Der Automobilzulieferer Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach kündigte Anfang September ein Programm zum freiwilligen Personalabbau an. 1.300 Arbeitsplätze sollen so wegfallen. Auch ein Krisenplan wurde ausgetüftelt, mit Kurzarbeit und Schließtagen an Brückentagen (der Deutschland Kurier berichtete).

Weniger Schichten und Stunden bei ZF

Die ZF Friedrichshafen AG – Deutschlands fünftgrößter Automobilzulieferer – versucht es aktuell noch mit dem Abbau von Zeitguthaben, weniger Schichten und weniger Arbeitsstunden pro Woche. Fast 2.000 Mitarbeiter sind nach Unternehmensangaben in Schweinfurt, Aschaffenburg, Nürnberg und Bayreuth in unterschiedlicher Weise davon betroffen.

Daimler und Audi

Auch die Autohersteller Audi und Daimler kündigten einen tausendfachen Stellenabbau an. »Die Entwicklung hin zu CO2-neutraler Mobilität erfordert hohe Investitionen.« Dafür müssten Personalkosten abgebaut werden, so die Begründung des Daimler-Konzerns.

»Die Krise wird uns gar nicht so sehr treffen, weil Schweinfurt sehr divers aufgestellt ist«, versucht Sebastian Remelé (CSU), Oberbürgermeister der Stadt, in der der schwedische Konzern Svenska Kullagerfabriken (SKF) einen Standort betreibt, die Gemüter zu beruhigen. Das Thema beschäftige die Leute natürlich, von Panik könne aber keine Rede sein. »Alles, was rollt, wird weiter rollen«, heißt es aus dem Schweinfurter Rathaus beschwichtigend.

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