»Kopftuchmädchen« – die inszenierte Verleumdung

Die Rede Alice Weidels zum Haushalt der Bundesregierung war eine gute Rede. Nur wird sie nicht deshalb in Erinnerung bleiben. In Erinnerung bleiben wird die Empörung, die ein charakterloser Bundestagspräsident und angeschlossene Medien inszenierten. Dabei hätte man gern Antwort auf Weidels Frage, warum ein Leibwächter des Top-Terroristen Osama bin Laden seit Jahren großzügig hier versorgt wird, während vielen Deutschen die Rente kaum zum Leben reicht. Oder wie das Kabinett Merkel / Scholz mit dem Import prähistorischer Lebensformen in ein Hochtechnologieland die Renten und Pensionen künftiger Generationen erwirtschaften will.

Die Antworten werden wir nicht bekommen. Denn von all den berechtigten Fragen lenkte Bundestagspräsident Schäuble mit einem Taschenspielertrick ab. Er zitierte die Abgeordnete Weidel falsch, um sie dann für dieses falsche Zitat zu rügen. Und so taten es auch viele der Gleichschritts-Medien.

Erstaunen kann das allerdings niemanden mehr. Vielmehr scheint es eine Art regelmäßiger Inszenierung, um konservative Parteien oder Personen zu verleumden. Den Anfang machte der ›Mannheimer Morgen‹ mit dem angeblichen »Schießbefehl« Frauke Petrys. Die hatte lediglich auf die bestehende Gesetzeslage hingewiesen, die als letztes Mittel zur Grenzsicherung den Schusswaffeneinsatz vorsieht. Der ›Mannheimer Morgen‹ unterstellte ihr umgehend den Wunsch nach einem Schießbefehl, wogegen sich Petry ausdrücklich verwahrte. Doch das nützte ihr nichts. So behauptete beispielsweise das SPD-Blatt ›Lübecker Nachrichten‹, Petry »fordere« den Schießbefehl; auch viele andere Medien, darunter selbst die ›FAZ‹, zitierten denunziatorisch falsch.

Deren Sonntagsausgabe (›FAS‹) ging kurz darauf noch einen Schritt weiter. Sie setzte ein angeblich rassistisches Zitat von AfD-Chef Gauland über den Fußballspieler Boateng auf die Titelseite. Nur konnte sie das Zitat seltsamerweise nicht belegen. Ausgerechnet diese Bemerkung, die später zum zentralen Beleg für angeblich rassistisches Gedankengut der AfD gemacht wurde, scheint komplett erfunden zu sein.

Auf den Diktiergeräten fand sie sich zumindest nicht.

Selbst der linke deutsche Journalistenverband rügte dafür die ›FAS‹. Doch wird auch heute noch weiterhin so berichtet, als sei die inkriminierte Äußerung tatsächlich gefallen.

Und geradezu ins Gegenteil verkehrt wurde ein Satz Akif Pirinçcis bei einem Auftritt bei Pegida. Selbst wer von beiden wenig hält, sollte auf wahrheitsgemäßer Zitierung bestehen. Hier aber wurden Pirinçcis Äußerungen im »Kampf gegen Rechts« bewusst verdreht. Während Pirinçci ironisch gefragt hatte, wann denn in diesem Land wieder Lager für Kritiker der Regierung errichtet würden, berichteten die Medien, der Schriftsteller wolle Lager für Linke errichten. Die Empörung schlug hoch, Bücherketten und Amazon nahmen seine Bücher aus dem Sortiment. So zerstörten Medien Akif Pirinçci in seiner bürgerlichen Existenz.

Viele andere Beispiele der künstlichen Erregung lassen sich nennen. Ob Gaulands Ankündigung, die Regierung »jagen« zu wollen, oder sein Rat zur »Entsorgung« der Islamistenversteherin Aydan Özoğuz, die tatsächlich inzwischen von ihrer Partei politisch entsorgt wurde. Immer erst Aufschrei, um später festzustellen: Haben auch schon Sozial-, Christdemokraten oder Grüne gesagt, war bewusstes Missverstehen. Und nun eben Weidel. Dass Schäubles Rüge keiner Überprüfung standhält und daher kassiert werden wird, dürfte vielen Medien kaum eine Meldung wert sein. Es ist das alte Prinzip: Die Erregung in Blocklettern auf Seite 1, die Korrektur auf Seite 17 im Kleingedruckten.

Interessant ist ein anderer Aspekt an Schäubles Eingriff. »Kopftuchmädchen« zählt keineswegs zu den harten Begrifflichkeiten im deutschen Bundestag. Andere Äußerungen waren deutlich schärfer, von den pöbelnden Ausfällen Cem Özdemirs und Anton Hofreiters (Grüne) ganz zu schweigen. Doch erst die Kritik am Islam und der ungehinderten muslimischen Invasion brachte Schäuble in Rage. Wenn es um den Islam geht, ist der CDU keine Verteidigung zu billig.

Und auch kein Verrat an westlichen Werten. Denn für eben diesen Verrat steht das Kopftuch. Es ist ein Zeichen der Unterwerfung unter den islamischen Sittenkodex in bewusster Abgrenzung zur westlichen Welt. Der Westen mit seinen kurzen Röcken und unbedeckten Haaren, mit all den gleichen Rechten für Frauen ist »unrein«, moralisch minderwertig, verkommen. Höherstehend, besser, überlegen sind Muslime – auch wenn sie in allen Ländern, wo ihre Religion herrscht, im Mittelalter leben.

Mit seiner Rüge verteidigte Schäuble daher das fundamentalistische Weltbild des Islam. Und er machte klar: Kritik am Islam ist tabu.

Diese Haltung entspricht dem linken Zeitgeist.

Zwar zeigt ein Blick in jedes muslimische Land die Abwesenheit von Presse- und Meinungsfreiheit, Mehrparteiensystemen oder Frauenrechten, zeigt Antisemitismus und Homophobie – doch all das irritiert die Verteidiger des Kopftuchs nicht. Für sie ist 2 + 2 immer 5. Doch nicht einmal Milchmädchen würden an dieser Rechnung scheitern.


Nicolaus Fest

war bis September 2014 stellvertretender Chefredakteur der ›Bild am Sonntag‹. Seit Oktober 2017 ist er Autor des Deutschland-KURIER.

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