Kriminalstatistik 2018

Die »Operation Frisiersalon« läuft!

In den Innenministerien von Bund und Ländern werden derzeit wieder die Straftaten des vergangenen Jahres ausgewertet und – noch wichtiger – aufbereitet. Es bedarf keiner seherischen Fähigkeiten, um die Prognose zu wagen, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) im April wiederum hocherfreut und mit geschwellter Brust einen »signifikanten Rückgang der Kriminalität auch im Jahr 2018« verkünden wird. Die diesbezügliche »Operation Frisiersalon« läuft bereits.

Kriminalität in Deutschland: Die Zahl der Tötungsdelikte und der Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung nimmt signifikant zu

Landauf, landab legen die Innenminister der Länder in diesen Tagen ihre Verbrechensstatistiken vor. Die Zahlen werden dann Ende März im Bundesinnenministerium zur „Polizeilichen Kriminalstatistik 2018“ zusammengeführt und voraussichtlich Anfang April von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bekannt gegeben.

Wie im Vorjahr werden auch jetzt wieder mit Fanfarenstößen die ersten Jubelmeldungen über einen angeblichen Rückgang der Kriminalität verkündet. Den Anfang machte der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU).
Demnach hält der Rückgang der Kriminalität im bevölkerungsreichsten Bundesland angeblich an und hat gar den »niedrigsten Stand seit 1991« erreicht. Nordrhein-Westfalen ist laut Reul »so sicher wie seit fast 30 Jahren nicht mehr« –, mag den Bürgern ihr Gefühl auch etwas ganz anderes sagen.

Vor allem die Aufklärungsquote der Polizei sei so hoch wie noch nie, flunkerte Reul. Mehr als die Hälfte aller Straftaten (53,7 Prozent) an Rhein und Ruhr seien aufgeklärt worden – »ein richtiger Hammer!«. »Düsseldorf helau!« bzw. »Kölle alaaf!«

Was der NRW-Innenminister verschwieg: Bei den meisten der von der Polizei als »aufgeklärt« abgelegten Akten wurden die Verfahren schlichtweg aus Mangel an Beweisen eingestellt. Das bestätigen Experten. »Bei mehr als 70 Prozent der von der Polizei als aufgeklärt eingestuften Fälle wird das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt«, sagte Thomas Feltes, Kriminologe an der Universität Bochum, der ›Rheinischen Post‹.

Weniger Einbrüche – aber mehr Morde, Mordversuche und Sexualstraftaten

Die NRW-Zahlen bestätigen lediglich einen bundesweiten Trend, der sich seit Jahren beobachten lässt: Weil sich immer mehr verängstigte Bürger in ihren Wohnungen verriegeln bzw. sich kaum noch auf die Straße wagen, ist vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche und Taschendiebstähle zurückgegangen. Allein die Einbruchszahlen nahmen in NRW von 39.057 Fällen um fast ein Viertel auf 29.904 Fälle ab, nachdem es vor wenigen Jahren noch mehr als 60.000 Einbrüche gewesen waren. »Das ist eine sensationelle Zahl«, jubelte Reul.

Deutlich weniger Aufhebens machte der NRW-Innenminister indes um eine andere Zahlenreihe:

  • Die Zahl der Morde und Mordversuche stieg von 113 auf 140 Fälle (plus 24 Prozent);
  • die der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung schnellte um fast 10 Prozent auf 14.076 Fälle hoch;
  • ein Drittel aller Tatverdächtigen in NRW waren – Tendenz steigend – Nichtdeutsche, obwohl ihr Anteil an der NRW-Gesamtbevölkerung nur 12,8 Prozent beträgt.

Diesen Trend – Rückgang vor allem der Wohnungseinbrüche, Zunahme hingegen schwerer Straftaten in Verbindung vor allem mit Ausländerkriminalität in den Bereichen sexuelle Selbstbestimmung, Drogen und Gewaltkriminalität – bestätigte die gestern vorgelegte Berliner Statistik. Die Hauptstadt ist nach den Worten von Innensenator Andreas Geisel (SPD) »wieder ein Stück sicherer geworden«. Genauer gesagt: um 1,7 Prozent. Dies, weil vor allem die Fahrradschlösser dicker geworden sind und deshalb die Zahl der Diebstähle deutlich abnahm.

Bei den entscheidenden Kennziffern ist Berlin erneut unsicherer geworden:

  • Die Zahl der Morde stieg von 91 auf 94 Fälle, wobei allein in 63 Fällen gegen »nichtdeutsche Tatverdächtige« ermittelt wurde.
  • Die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung nahm um knapp 11 Prozent auf 4.181 Fälle zu.
  • Die Zahl der Drogendelikte kletterte um rund sechs Prozent auf 17.266 Straftaten. Das ist der höchste Stand seit zehn Jahren.

Die Augenwischerei dürfte in den nächsten Tagen weitergehen, wenn andere Bundesländer ihre Statistiken vorlegen. Dass die Gesamtkriminalität statistisch betrachtet unterm Strich rückläufig ist, hängt – wie schon erwähnt – vor allem mit einer deutlichen Abnahme der zahlenmäßig an der Spitze liegenden Einbruchsdelikte zusammen. Die Erklärung dafür liegt auf der Hand:

Immer mehr Bürger verbarrikadieren sich in ihren Häusern und Wohnungen. Spezialfirmen für Alarmanlagen sowie einbruchsichere Türen und Fenster haben Hochkonjunktur. Also von wegen mehr Abschreckung und Polizeipräsenz.

Und es gibt noch einen Grund, warum uns die Statistik einen Rückgang der Gesamtkriminalität vorgaukelt:

Seitdem vor allem Ungarn die Balkanroute dichtgemacht hat, ist die noch immer dramatisch hohe illegale Masseneinwanderung zwar gottlob nicht mehr mit der Invasion von 2015/16 zu vergleichen. Aber in der Folge haben logischerweise sogenannte Passvergehen und sonstige Dokumentenfälschungen abgenommen – was zu einem positiven Gesamtbild aufgehübscht wird. (lol)

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