Kultur

Nirgends wird »heimische Küche« so zurückgedrängt wie in Deutschland

Deutsche Gerichte auf dem Rückzug: Gerade einmal ein Drittel der Wirtshäuser in Deutschland führen das Ettiket »deutsche Küche«

In keinem Land wurde die heimische Küche so stark zurückgedrängt wie in Deutschland. Auch das ist ein Zeichen des forcierten Kulturwandels.

Wie sehr den Deutschen der Bezug zu ihren kulturellen Werten und die Lust auf alles Heimische ausgetrieben wird, zeigt sich an vielen Facetten. Deutlich wird dies auch im Kulinarischen. Denn in keinem Land der Erde wird die heimische Küche so zurückgedrängt wie in Deutschland.

Das ergaben internationale Vergleichsstudien. »Wer in Italien Urlaub macht, findet vor allem italienische Restaurants. In Griechenland dominieren griechische Gasthäuser, in der Türkei türkische«, stellt die Welt fest und berichtet mit Bezug auf eine wissenschaftliche Untersuchung des Ökonomen Joel Waldfogel von der Carlson School of Management an der Universität von Minnesota.

Obwohl Deutschland weltweit bekannt für seine unzähligen Wurstsorten, sein Bier, seine Weine, seine Brotvielfalt, seine Kuchen und Schokoladen-Leckereien ist, ist nirgendwo sonst auf der Welt der Anteil von Gasthäusern und Restaurants mit heimischer Küche so gering wie in Deutschland.

Knapp zwei Drittel der Restaurants in Griechenland sowie rund drei Viertel in der Türkei und in Italien servieren jeweils Gerichte der heimischen Küche. Auch in China und Japan liegen die Anteile jeweils über 70 Prozent, so die Studie. In Deutschland indes führen gerade einmal 35,5 Prozent der Wirtshäuser das Etikett »deutsche Küche«. An zweiter Stelle folgt dann mit 13,8 Prozent das, was als US-amerikanisch bezeichnet wird – meist handelt es sich dabei um Fast-Food-Restaurants. An dritter Stelle rangiert hierzulande dann die italienische Küche mit 11,9 Prozent, vor türkischen und chinesischen Restaurants mit 4,2 beziehungsweise 3,9 Prozent.

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