Mainstream-Krise:

Springer will offenbar auch an die Betriebsrenten ran

Ein kalter Wind weht der Springer-Belegschaft um die Ohren: Der kriselnde Medienkonzern muss den Gürtel enger schnallen

»Finger weg von den Betriebsrenten!«, forderte die ›Bild‹-Zeitung noch vor sieben Jahren. Jetzt will der kriselnde Springer-Verlag offenbar selbst die betriebliche Altersvorsorge für seine Beschäftigten kappen.

Vor vier Wochen hat das Berliner Medienhaus »Axel Springer« einer ihrer größten Veränderungen zugestimmt: Die US-Investmentfirma »Kohlberg Kravis Roberts« (KKR), in der Medienbranche auch als sogenannte Heuschrecke berüchtigt, stieg als größter Anteilseigner in das Unternehmen ein und will es von der Börse nehmen. Insider vermuten: Springer wolle so die lästigen Analysten loswerden, die den Verlag und das Wirken seines Vorstandsvorsitzenden Mathias Döpfner zuletzt immer kritischer beäugten.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter kündigte Springer nun Umbau- und Kostenmaßnahmen an »in den Bereichen, die nicht wachsen«. Betroffen soll laut Medienberichten auch die betriebliche Altersvorsorge der Beschäftigten sein.

Im Interview mit der ›Süddeutschen Zeitung‹ bestätigte Döpfner, dem nicht wenige die Krise des Verlages und seiner journalistisch immer belangloseren Blätter anlasten: »Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen.« Das betreffe die chronisch defizitäre ›Welt‹ und die ›Bild‹-Zeitung sowie die Druckereien und Zeitschriften. Bei ›Bild‹ wackelt dem Vernehmen nach jeder fünfte Arbeitsplatz (der Deutschland Kurier berichtete).

Der eloquente Multimillionär Döpfner, der um Worte noch nie verlegen war, verabreicht der zutiefst verunsicherten Belegschaft zugleich eine Beruhigungspille: »Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen.« Sarkastisch heißt es dazu unter den Beschäftigten: »Wie wäre es, wenn er damit gleich bei sich und den üppigen Bezügen der Springer-Vorstände anfangen würde?«

In Summe würden Arbeitsplätze aufgebaut, salbaderte der Springer-CEO. Insgesamt seien heute mehr Menschen bei Springer beschäftigt als vor 15 Jahren.

Döpfner selbst steht seit 17 Jahren an der Spitze des Berliner Medienhauses und erhielt vor Jahren von der ihm offenbar bedingungslos ergebenen Verleger-Witwe Friede Springer ein Aktienpaket im Wert von rund 70 Millionen Euro geschenkt.

KKR will Springer »langfristig begleiten«

Auf die Frage nach der Zukunft des Unternehmens erklärte Verleger-Witwe Friede Springer: »Wir bleiben ein journalistisches Haus.« Döpfner indes träumt davon, als Digitalkonzern weltweit Marktführer zu werden. KKR-Europachef Johannes Huth sagte, seine Firma werde Springer »langfristig begleiten«. Für die frustrierte Springer-Belegschaft klingt das nur noch wie eine Drohung! (elf)

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