Mainstream-Krise

Springers ›Welt‹ stürzt ab – ›Bild‹ feiert Fast-10-Prozent-Minus als »Erfolg«

Der »Springer«-Presse – einst eine Großmacht im deutschen Zeitungsgeschäft – laufen die Leser in Scharen davon

Alles wie gehabt beim Mainstream: Die Printauflagen sind auch im ersten Quartal 2019 auf breiter Front eingebrochen. Am heftigsten hat es – wieder einmal – »Axel Springer« erwischt.

An der Spitze der überregionalen Tageszeitungen gibt es laut Branchendienst ›Meedia‹ eine Veränderung – notgedrungen: Die ›Bild‹-Auflage wird erstmals wieder ohne den im Dezember eingestellten Flop ›Fußball Bild‹ ausgewiesen. Zwar verlor ›Bild‹ im Vergleich zu den vorigen Quartalen etwas weniger bei der »harten« Auflage (Abos und Einzelverkäufe). Aber das noch immer satte Minus von 9,3% gegenüber dem Vorjahr ist eine weitere Klatsche für den seit mehr als einem Jahr amtierenden Oberchefredakteur Julian Reichelt. »Wir feiern das hier schon als Erfolg, dass die prozentualen Verluste nur noch fast zweistellig sind. So weit ist es gekommen«, sagt ein alter ›Bild‹-Haudegen. Auf – mit viel Spucke – 1,29 Mio. verkaufte Exemplare kam das einstige Boulevard-Schlachtschiff im ersten Quartal noch von dereinst 5 Millionen. Und darin stecken noch gut 50.000 mit eingerechnete Schrumpfauflage der ›B.Z.‹, die zu besseren Zeiten einmal 300.000 und mehr verkaufte.

Am »brutalsten« hat nach Erhebungen der Berliner »Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern« (IVW) das einstige konservative »Springer«-Flaggschiff ›Die Welt‹ in diesem ersten Quartal 2019 verloren. Deren Abos und Einzelverkäufe brachen regelrecht ein – insgesamt um heftige 17,0%. Nur noch 70.101 ehrliche Käufer findet das »Springer«-Blatt. Zum Vergleich: Das ›Straubinger Tagblatt‹ bringt rund 110.000 Zeitungen an den Leser. Es ist wohl nicht mehr die Frage ob, sondern wann bei der ›Welt‹ der profillose »Latte macchiato«-Chefredakteur Ulf Poschardt seinen Hut nehmen muss.

Im Vergleich zu den »Springer«-Blättern mussten die ›Süddeutsche Zeitung‹ (4,5%) und die ›Frankfurter Allgemeine Zeitung‹ (3,3%) im ersten Quartal relativ moderate Verluste einstecken. Minimal zulegen konnte erneut das Düsseldorfer ›Handelsblatt‹. Zwar sank die Druckauflage im Vergleich zum ersten Quartal 2018 um 9,8% auf 81.721 Exemplare. Dennoch fand das sich oft wohltuend vom Mainstream abhebende ›Handelsblatt‹ insgesamt 134.515 Käufer. Der Grund: Die »harte Auflage« besteht inzwischen zu mehr als der Hälfte aus Digital-Abos.

Bei den Wochen- und Sonntagszeitungen hält die immer linksgrünere ›Bild am Sonntag‹ noch unangefochten die Spitzenposition, sie verliert aber weitere 7,8% ihrer Abos und Einzelverkäufe. Im vierten Quartal 2018 war es noch um mehr als 11% nach unten gegangen. Sie ist mit nur noch knapp über 700.000 Abnehmern da, wo die große Schwester ›Bild‹ erst noch hin will.

Ebenfalls Verluste melden ›Welt am Sonntag‹ (minus 5,8%) und ›Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung‹ (minus 3,5%), wohingegen das Zeitgeistblatt ›Die Zeit‹ bei den Abos und Einzelverkäufen leicht um 0,7% auf 404.097 Exemplare zulegen konnte. Die liberal-konservative ›Junge Freiheit‹ scheint ihren Zenit überschritten zu haben – sie verliert in Folge und kam im ersten Quartal 2019 nur noch auf 23.549 Käufer, ein Minus von 2,5%.

Bei den sogenannten Publikumszeitschriften mussten ›Spiegel‹, ›stern‹ und ›Focus‹ Federn lassen – allerdings auf sehr unterschiedlichem Niveau. So ging es für den ›stern‹ abermals steil nach unten: Über 40.000 Abonnenten und Kiosk-Käufer verlor das immer belanglosere Heft im Vergleich zum Vorjahr – ein dramatisches Minus von 12,6%. Etwas besser davon kamen die Kollegen vom ›Focus‹ (–2,6%) mit ihrer Fokussierung auf Nutzwertthemen (z. B. E-Bikes) und das Gerüchtemagazin ›Spiegel‹ (–1,0%). Die »Relotius«-Postille verkaufte sich zwar deutlich weniger am Kiosk, sie profitiert aber noch immer von einer relativ hohen Zahl an digitalen Abonnenten. (lol)

Drucken