Manchmal ist aufschlussreich, wer zu einem Hauptstadt-Event NICHT kommt:

Lässt die Springer-Witwe den ›Bild‹-Chef fallen?

Feuchte Augen, triefender Schmalz und am Ende runde 18 Millionen Euro für Kinder in Not – vor allem für solche fernab von Deutschland. Bei der am Samstag (7. Dezember) mit unseren Zwangsgebühren im ›ZDF‹ ausgestrahlten ›Bild‹-Werbegala »Ein Herz für Kinder« waren weniger die B- und C-Promis interessant – wie etwa Pleitier Boris Becker oder Yesterday Man Robbie Williams mit neuer Frisur; auch nicht der inzwischen in die 68 Jahre gekommene Ex-Schlagerkönig Wolfgang Petry, der – peinlicher geht’s immer – jetzt unter dem Künstlernamen »Pete Wolf« auf Englisch über das, na was wohl, Klima singt (süßer die Kassen nie klingeln). Dies aber gottlob ohne bunte Armbändchen.

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (li.) und Verleger-Witwe Friede Springer glänzen bei der ›Bild‹-Werbegala »Ein Herz für Kinder« mit Abwesenheit: Ein Zeichen, dass ›Bild‹-Chef Julian Reichelt (re.) in Ungnade gefallen ist?

Nein, das eigentlich Interessante an dieser PR-Veranstaltung für das dahinsiechende Springer-Blatt, bei der die Kamera immer wieder auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und seinen Göttergatten Daniel Funke schwenkte, war etwas ganz anderes: Nämlich, wer nicht kam.

Zum Beispiel AWD-Gründer Carsten Maschmeyer, der es mit seinen Drückerkolonnen zu einem Milliardenvermögen brachte. Wegen seiner steuerlich absetzbaren Millionen-Spenden durfte der Finanzunternehmer in der Vergangenheit stets relativ sicher sein, von lästigen ›Bild‹-Recherchen verschont zu bleiben. Der Grund für Maschmeyers Fernbleiben könnte politischer Natur gewesen sein:

Der Milliardär gehört zur sogenannten Niedersachsen-Gang um Altkanzler Gerhard Schröder (SPD). Schröder, der einst zum Regieren nur »Bild, BamS und Glotze« brauchte, ist jedoch beim aktuellen ›Bild‹-Chef Julian Reichelt in Ungnade gefallen.

Dazu muss man wissen: Reichelt ist ein manisch besessener Weltverbesserungsideologe. Seine Feindbilder (außer der AfD natürlich) sind Assad und Putin. Schröder wiederum ist ein enger Freund des »lupenreinen Demokraten« Putin. Weshalb Reichelt kürzlich im Zusammenhang mit dem harten Vorgehen der russischen Polizei gegen Demonstranten twitterte, der Ex-Kanzler habe sich »von genau den Leuten kaufen lassen, die hier die Knüppel schwingen«. Eine Anspielung auf Schröders Lobbyismus beim »Nord Stream 2«-Gaspipeline-Projekt.

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»Friede mag Reichelt nicht«

Insofern also wäre die Nichtanwesenheit des ehemaligen Großspenders und Schröder-Weggefährten Maschmeyer bei der sogenannten ›Bild‹-Gala schon allein aus diesem Grund nachvollziehbar gewesen. Doch noch interessanter war freilich etwas ganz anderes. Und darüber wird jetzt im Springer-Verlag heftig spekuliert:

Verleger-Witwe Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner, die sonst immer im ›ZDF‹ in der ersten Reihe saßen, fehlten ebenfalls. Nun könnten beide zum Beispiel wegen Grippe oder anderweitiger Verpflichtungen verhindert gewesen sein. Doch wer mag schon an doppelte Zufälle glauben?

Für Springer-Insider ist eine andere Erklärung näher liegend. Es heißt, die Verleger-Witwe dringe auf eine Ablösung des ›Bild‹-Chefs: »Friede mag Reichelt nicht.«

Dies angeblich nicht nur, weil der seit seiner wundersamen Wendung vom Saulus (»refugees welcome«) zum Paulus (»Flüchtlingskrise ist Merkels Erbe«) die Springer-Freundin im Kanzleramt vergrätzt hat; mehr noch vor allem, weil Reichelt in seinen jetzt zwei Jahren als ›Bild‹-Oberchefredakteur die galoppierende Auflagenschwindsucht der ›Bild‹-Gruppe nicht aufhalten konnte.

Der Opportunist Döpfner wiederum, der den Aufstieg des Ideologen Reichelt erst ermöglicht hatte und der aktuell wegen drastisch schrumpfender Gewinne schwer unter Druck steht, wolle es sich mit der Witwe nicht noch mehr verscherzen. Er sei deshalb der »Gala« sicherheitshalber ebenfalls ferngeblieben, glauben Verlagsinsider.

Wie auch immer: So saß der sichtbar feister gewordene ›Bild‹-Chef, dem die Steaks im hedonistischen Berliner Schickimicki-Treff »Grill Royal« besonders schmecken sollen, ganz allein in der ersten Reihe beim ›ZDF‹ – neben all den B- und C-Promis, die ›Bild‹ noch immer die Ehre geben. (oys)

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