Marketenderinnen

Reine Männergesellschaften waren die Heere in Europa erst seit dem 19. Jahrhundert. Davor gehörten Frauen (und oft auch Kinder) wie selbstverständlich zum Tross, den Söldner und Soldaten wie einen Schweif hinter sich herzogen. Man nannte diese Frauen gemeinhin »Lagerdirnen«. Der militärwissenschaftliche Fachbegriff indes lautet »Marketenderinnen«.

Ein Marketender (von italienisch »mercatante« = »Händler«), vorliegend eine »Marketenderin«, ist jemand, der militärische Truppen begleitet und die Söldner/Soldaten mit Waren und Dienstleistungen aller Art (auch privaten) versorgt. Der Begriff kommt aus dem mittelalterlichen Militärwesen.

Auch in der Politik gibt es »Marketenderinnen«. Zuerst wurde der früheren Büroleiterin von Helmut Kohl (CDU) diese zweifelhafte Ehre zuteil. In der Bonner Gerüchteküche hielten sich damals hartnäckig Gerüchte, die engste Kohl-Vertraute habe mit dem Pfälzer mehr geteilt als nur die Büroräume. Später versicherte dann Beatrice H. , eine Immobilienmaklerin aus Berlin an Eides statt, sie sei die Geliebte von Helmut Kohl gewesen.

Wenn man so will, könnte man – im weitesten Sinne – auch Doris Schröder-Köpf (55/SPD) als eine Art »Marketenderin« bezeichnen. Es war das Jahr 1987: Die blutjunge Klosterschülerin volontierte noch bei der »Augsburger Allgemeinen«, als sie mit einem Bonner Reporter der »Bild«-Zeitung in Kontakt kam. Der holte sie in die Parlamentsredaktion des Blattes in der damaligen Bundeshauptstadt.  Weil ihr das Springer-Blatt aber zu rechts war, wechselte Köpf schon bald zum eher linksliberalen Kölner »Express« (viel später zum »Focus«).

Die junge aufstrebende Journalistin galt in Bonn als – sagen wir es mal so – Intimkennerin in Sachen SPD und Grüne. Ihr weiterer Aufstieg bis zur Kanzlergattin Ende der 90er Jahre ist bekannt.

Offiziell waren Doris Schröder-Köpf und Gerhard Schröder (SPD) von 1997 bis 2018 verheiratet, die endgültige Trennung erfolgte bereits 2016. Der neue Mann an der Seite von Doris Schröder-Köpf ist wieder ein Politiker, der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD).

Vorliebe für Spitzengenossen: Nach Gerhard Schröder (74) ist das SPD-Bundesvorstandsmitglied, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (58), der neue Mann an der Seite von Doris Schröder-Köpf (55) – hier im hannoveranischen Karneval

Seit 2013 sitzt Schröder-Köpf für die SPD im niedersächsischen Landtag. Sie ist »Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe.« Sie entblödete sich nicht, die Schirmherrschaft für ein Projekt namens »Mig-Pop« (Migranten-Pop) zu übernehmen. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, Migration geht offenbar durchs Ohr.

Was jedenfalls die ganz persönliche Teilhabe von Schröder-Köpf an der Politik angeht: Diese dürfte ganz sicher nicht zum finanziellen Nachteil gereicht haben. (oys)

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