Markus Blume – mehr Sekretär als General

Eine Szene von der Eröffnung des Münchner Oktoberfestes 2018. Die kleine Schmonzette in der ›Süddeutschen Zeitung‹ sagt eigentlich schon alles über Markus Blume (43/CSU): mehr Sekretär als General.

Blume steht am Eingang und erklärt dem Einlasser, er habe seine Einladung im Büro vergessen. Der Mann blickt ratlos zu einem Kollegen. Der schaut sich Blumes Landtags-Ausweis an und schüttelt den Kopf: »Keine Ahnung, wer der Mann ist.« Blume sagt wieder sein Sprüchlein von der Einladung im Büro auf. Dann meint der Security-Mann: »Ja, Sie können Ihr Glück gern mal probieren, ob Sie halt da oben noch einen Platz kriegen.«

Blume gibt sich zuversichtlich: »Die kennen mich …« Kaum kommt der CSU-Generalsekretär auf der Empore an, tritt wieder ein Security-Mann auf ihn zu: »Haben Sie eine Karte?« Blume: »Nein, die ist im Büro.« Der Mitarbeiter macht eine Bewegung, als wollte er den Weg verstellen. Blume greift zum allerletzten Mittel: »Ich bin von der CSU.« Der Security-Mann tritt untertänigst zur Seite: »Ja, dann ist es in Ordnung.«

Markus Blume ist unter den CSU-Granden ein Außenseiter. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder lästerte einmal, Blume könne auch UNO-­Friedensmissionen leiten.

Mauerblümchen: CSU-Generalsekretär Markus Blume ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt

Wenn der Tag lang ist, erzählt Blume, der sich als intellektuellen Vordenker unter Holzköpfen sieht, viel Unsinn. Zum Beispiel: »Bayern ist bunter als blau-weiß.« Er meinte natürlich weiß-blau. Heraus kommt mitunter auch gedankliche Schlichtheit: Man dürfe vor dem Bienensterben »nicht die Augen verschließen«. Auf dem Höhepunkt des BAMF-Skandals bewies der Mann, dass er sogar Humor hat: »In einigen Wochen werden Sie das Migrationssystem in Deutschland nicht mehr wiedererkennen.«

Zur geistigen Tiefstform lief der ehemalige bayerische Jugendmeister im Eiskunstlauf in einem Interview mit der ›Welt‹ auf: Die AfD unterscheide sich »nur noch im Parteinamen von der NPD«.

Blume ist der 18. Generalsekretär in der Geschichte der CSU. Das Amt verdankte er Horst Seehofer. Der hatte ihm die Aufgabe übertragen, das neue CSU-Grundsatzprogramm auszuarbeiten. Der (Noch-)CSU-Chef war hernach so entzückt, dass er von einer »Sternstunde« schwadronierte,  einem »Meisterwerk« gar.

Wer Blumes gesammelte Phrasen liest, dem kommen »Grimms Märchen« in den Sinn: »Wir sind eigenständig […] Wir sind die Partei mit klarem Kompass […] Wir machen Politik für alle Menschen […] Wir sind nah bei den Menschen.«

Blume bewegt sich, um im Bild zu bleiben, auf ganz dünnem Eis. Nicht wenige in der CSU lasten ihm den verkorksten Landtagswahlkampf an. Den CSU-Slogan »Söder macht’s« vergaß er, registrieren zu lassen. Die SPD kaperte die Domain im Internet und hinterlegte dort ihre Wahlkampf-Satire – Beispiel: »Söder macht’s. Ein verfassungswidriges Polizeigesetz gegen alle Bedenken durchs Parlament peitschen und dann seine Kritiker beschimpfen.«

Am 14. Oktober wird Ex-Eiskunstläufer Blume als CSU-Sekretär einbrechen. Manche handeln ihn trotzdem schon als künftigen bayerischen Wirtschaftsminister, als eine Art schwarz-grünen Ludwig Erhard. Möge der Bayern erspart bleiben! Die Hoffnung stirbt zuletzt.

QUELLEBild: imago
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