»Maximaler Versager«:

Thilo Sarrazin findet deutliche Worte für Parteikollegen Norbert Walter-Borjans

Thilo Sarrazin, das Enfant terrible der SPD, übt vernichtende Kritik am neuen Führungsduo der Sozialdemokraten: Er hält Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken »sowohl von ihrer Erfahrung her als auch von ihren Einstellungen her, wie von ihren Fähigkeiten her für weit überfordert«

Der SPD-Politiker und ehemalige Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hält das designierte SPD-Führungsduo für mehr als überfordert. Der Qualität der SPD-Führung attestiert er »einen ständigen, kontinuierlichen, geistigen Abstieg«.

»Norbert Walter-Borjans hat einige Führungsämter gehabt – Kämmerer in Köln, Finanzminister in Nordrhein-Westfalen. In allen Ämtern hat er sich nicht mit Ruhm bekleckert«, so Sarrazin am Donnerstag gegenüber der ›RTL‹/›n-tv‹ Redaktion. »Diejenigen, die ihn unmittelbar dabei sehen konnten, zum Beispiel seine Beamten, hielten und halten ihn für einen maximalen Versager«, kommentierte Thilo Sarrazin im ›n-tv‹-Format weiter.

Saskia Esken habe ihr höchstes Amt als stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats von Baden-Württemberg gehabt, »wo sie es als ihre Aufgabe ansah, den zuständigen sozialdemokratischen Kultusminister maximal zu ärgern. Das war alles, was sie bisher führungsmäßig erfahren hat«. Sarrazin machte deutlich, dass er die designierten SPD-Vorsitzenden »sowohl von ihrer Erfahrung her als auch von ihren Einstellungen her, wie von ihren Fähigkeiten her für weit überfordert« halte.

Ständiger, kontinuierlicher, geistiger Abstieg

Sarrazin sieht in der Führung der Partei in den letzten Jahrzehnten »einen ständigen, kontinuierlichen, geistigen Abstieg«. Die Qualität einer Partei zeige sich nicht daran, wen sie in ihren Reihen habe, »sondern wen sie nach vorne stellt. Wenn eine Partei diejenigen, die es nicht können, nach vorne stellt, dann hat sie ein großes inneres Problem«, so Sarrazin.

Vom SPD-Parteitag am kommenden Wochenende erwartet sich der Politiker und Erfolgsautor Schadensbegrenzung. »Ich glaube, dass der Parteitag davon beherrscht sein wird, Schaden zu vermeiden. Die neue Führung weiß ja, dass sie den Austritt aus der GroKo nicht erzwingen kann. Das kann nur die Bundestagsfraktion tun.« Die Bundestagsfraktion, die mehrheitlich weitermachen wolle, wisse, »dass sie jetzt die neue Führung nicht vorführen darf. Insofern werden einige faule Kompromisse dabei rauskommen. Nach dem Motto: Wir müssen unser Profil schärfen, wir müssen sichtbarer werden, wir wollen noch ein bisschen mehr hier und da haben, aber das wird alles nichts helfen, denn die andere Seite darf ja nicht nachgeben«.

Wenn die CDU/CSU jetzt nachgebe, werde sie ihre konservativen Wähler erst recht entfremden, glaubt Sarrazin. »Sie wird also hart bleiben. Dann geht es darum, wer schuld ist, dass die Sache auseinandergeht. Am Ende wird keiner Schuld sein wollen, sodass ich vermute, dass diese Koalition auch noch die nächsten beiden Jahre halten wird.«

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