Medien

›Bild Politik‹-Testheft vor dem Aus?

Der erste Titel war eigentlich vielversprechend: »Schrott-Armee, Diesel-Wut, Funklöcher: Warum versagt unsere Regierung?« Das neue ›Bild Politik‹-Heft, das der Springer-Verlag seit Anfang Februar in einem ausgewählten Verbreitungsgebiet rund um Hamburg und Lübeck getestet hat, soll vor dem Aus stehen.

Der Test endet nach DK-Informationen diesen Monat. Die Verkaufszahlen sollen alles andere als »ermutigend« sein, wie Verlagschef Mathias Döpfner noch in der Startphase getönt hatte.

52 Seiten, provokante Fragen zur Regierungspolitik im Besonderen und zur Lage in Deutschland im Allgemeinen – mit diesem Rezept wollte die ›Bild‹-Redaktion ihr seit der unsäglichen »Refugees Welcome«-Kampagne ramponiertes Mainstream-Image wieder aufpolieren. Das Heft-Derivat (2,50 Euro) traf mit seinen pointierten Fragen tatsächlich oft ins Schwarze – zum Beispiel: »Ist die Bundeswehr der Kanzlerin egal?« Ein Schelm, der »P« wie Populismus dabei dachte.

»Print ist tot? Es lebe Print!«, jubelte das Springer-Mitarbeitermagazin ›inside.mag‹ über das hauseigene Neuprodukt unter Leitung des allerdings unsäglichen ›Bild‹-Politikchefs Nikolaus Blome, der – wohl anders als von ihm erhofft – nicht zum Stellvertreter des ›Bild‹-Oberchefredakteurs Julian Reichelt berufen und bei der Personalie übergangen wurde. Vielleicht auch deshalb, weil das von ihm verantwortete Heft floppte?

Laut Verlag sollen die Verkaufsstellen in Norddeutschland anfänglich mit insgesamt 30.000 Exemplaren beliefert worden sein. Der Grosso spricht sogar von 40.000 Heften in der Startphase. Der Launch des Magazins wurde von umfangreichen Werbemaßnahmen (u. a. in lokalen Radiosendern) begleitet.

Am Kiosk zeichnete sich aber schon früh ab, dass der Titel kein großer Wurf werden würde. Der Branchendienst »Meedia« berichtete, dass das Heft beim Start auf eine verkaufte Auflage von nur 2.500 bis 3.000 Exemplaren gekommen sein soll. Eine in einem Verkaufsgebiet mit rund 3,5 Millionen Menschen inakzeptable Remissionsquote von 90 Prozent und mehr – je nachdem, welche Startauflage man zugrunde legt. Die Folgeausgaben sollen sich dann auf dem Verkaufsniveau von etwa acht Prozent der ursprünglichen Druckmenge eingependelt haben, also etwa 3.000 Exemplaren.

Ein Redaktions-Insider zum Deutschland Kurier: »Ende des Monats ist wohl Schluss.«

Die Leser haben offenbar ein langes Gedächtnis – sie nehmen dem Springer-Blatt die Wende vom Saulus zum Paulus nicht mehr ab. Auch die tägliche ›Bild‹, die sich an manchen Tagen sogar liest wie das Zentralorgan der AfD, liegt am Kiosk wie Senkblei und meldet von Quartal zu Quartal um die zehn Prozent Auflagenrückgang im Jahresvergleich. Anders gesagt: 150.000 bis 180.000 Leser kehren dem Springer-Blatt seit Jahren und Jahr für Jahr den Rücken. (elf)

Drucken