Mehr als 50 Migranten stürmen spanische Nordafrika-Exklave

Bei dem größten Massenansturm der vergangenen sechs Monate auf die spanische Nordafrika-Exklave Melilla sind Dutzende Illegale auf europäisches Gebiet gelangt. Mehrere Grenzpolizisten wurden dabei verletzt.

Immer wieder versuchen illegale Migranten die Grenzzäune der spanischen Enklaven zu überwinden (Archivbild)

Rund 100 Afrikaner aus Ländern südlich der Sahara hätten am Sonntag von Marokko aus versucht, die rund sechs Meter hohen, doppelten Grenzzäune zu überwinden, teilte die Vertretung des spanischen Innenministeriums in Melilla mit. Mindestens 52 von ihnen sei es gelungen, EU-Gebiet zu erreichen. Beim Ansturm seien am frühen Morgen vier spanische Grenzpolizisten sowie ein Migrant verletzt worden. Ein Afrikaner sei wegen eines Angriffs auf einen Grenzbeamten festgenommen worden.

Spanien hat in Nordafrika zwei Exklaven, die beide von Marokko beansprucht werden: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Immer wieder versuchen Migranten, über Algerien und Marokko nach Melilla und von dort weiter nach Spanien oder in andere Länder der EU zu gelangen. Sie campieren in den Waldgebieten des Monte Gurugú und werden von sogenannten »Hilfsorganisationen« mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Die Stadt ist zum Schutz vor illegaler Einwanderung mit drei bis zu sechs Meter hohen Zäunen sowie mit Bewegungsmeldern, Nachtsichtgeräten und Kameras gesichert.

Die Situation verschärfte sich Ende September 2005, nachdem bekannt geworden war, dass die spanische Regierung die Sicherungsanlagen im Rahmen der Frontex-Mission Hera verstärken ließen. Im Juni 2008 gelangten in zwei Wellen erneut Dutzende afrikanische Illegale in die spanische Exklave. Dabei wurden mehrere Grenzpolizisten verletzt. Ähnliches gewaltsames Eindringen wiederholte sich in vorangegangenen Jahren immer wieder. Anfang 2014 schätzte man die Zahl der Immigranten, die sich in der Nähe der Grenzanlagen aufhalten, auf 30.000 Personen. 2014 kam es nach spanischen Angaben zu 65 Stürmen auf die Grenzanlagen, bei denen es rund 2.000 Personen gelang, sich Zutritt auf EU-Gebiet zu verschaffen. Der bisher letzte große Ansturm war im Oktober 2018 registriert worden. Damals versuchten 300 männliche Afrikaner den Grenzzaun zu stürmen. Rund 200 Illegale gelangten unter Anwendung von extremer Gewalt in die Exklave.

Drucken