Meinung der anderen

Focus

Knapp 2,6 Billionen Euro hat die EZB schon in die Märkte gepumpt, ohne dass sich die Lage gebessert hätte. Statt weiter den Staaten zu helfen, sollte die Notenbank den Bürgern das Geld direkt geben, schlägt der Ökonom Daniel Stelter vor. Dort sei das Geld besser aufgehoben.

»Vor fünf Jahren habe ich an dieser Stelle gefordert, die EZB solle, statt ein milliardenschweres Wertpapierkaufprogramm aufzulegen, besser das Geld an die Bürger überweisen. Die Forderung von ›10.000 Euro für jeden Bürger‹ basierte auf der schlichten Erkenntnis, dass der Aufkauf vorhandener Vermögenswerte nicht zu mehr Nachfrage und Inflation führen würde. Zu hoch die Verschuldung in der Eurozone, zu unsicher die Zukunftsaussichten, zu geschwächt das Bankensystem.

Heute muss man feststellen, dass diese Einschätzung richtig war. Fünf Jahre und 2,6 Billionen Euro Schulden weiter, steht die Eurozone genauso schlecht da wie 2015. Mit noch höherer Verschuldung, einem faktisch insolventen Bankensystem, schwachem Wachstum und geringer Inflation ist Europa höchst anfällig für externe Schocks aus Handelskriegen, Brexit und Rezession in China.«

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Neue Zürcher Zeitung

Eine Studie über den Anstieg der Ungleichheit bei der Einkommensverteilung sorgt in Deutschland für Schlagzeilen. Doch ein zweiter Blick relativiert die Entwicklung und mahnt zur Vorsicht bei den Remeduren, meint René Höltschi.

»Allzu große Ungleichheit gefährdet den Zusammenhalt einer Gesellschaft. Deshalb lässt der jüngste Verteilungsbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, der am Montag für Schlagzeilen in Deutschland gesorgt hat, auf den ersten Blick aufhorchen. Seine Kernthese: Nach 2005 habe sich der Anstieg der Ungleichheit abgeschwächt, doch seit 2010 wachse sie wieder. Der Gini-Koeffizient der verfügbaren Haushaltseinkommen sei bis 2005 auf ein vorläufiges Maximum von 0,289 Punkten gestiegen, bis 2009 leicht auf 0,279 Punkte gesunken und danach auf einen neuen Höchststand von 0,295 im Jahr 2016 geklettert.«

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BZ

In weniger als zwei Wochen stellte sich dreimal die Frage, warum Polizei und Staatsanwälte nicht härter gegen Hassprediger und Gewalttäter durchgreifen, kritisiert Gunnar Schupelius.

»Warum wurde der Mann aus Syrien, der mit einem Kampfmesser in eine Synagoge eindringen wollte, gleich wieder auf freien Fuß gesetzt? Warum durfte ein gefährlicher Rechtsextremist zwei Tage lang in Kreuzberg und Friedrichshain demonstrieren, ohne dass die Behörden versuchten, den Auftritt zu verhindern?

Warum wurden zwei Palästinenser, die am Brandenburger Tor die Bombardierung der Stadt Tel Aviv herbeisingen wollten, erst nach öffentlichen Protesten gestoppt? Dreimal in weniger als zwei Wochen haben sich unsere Sicherheitsbehörden unachtsam oder zumindest sehr nachlässig gezeigt. Das ist schwer zu verstehen.«

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