Meinung der anderen

Welt

»Nie wieder ›nie wieder‹!« Das fordert Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, in einer längst überfälligen Bestandsaufnahme der unerträglichen Kultur der Euphemismen. Der Anschlag in Halle ist für ihn mehr als ein »Alarmzeichen«.

»Und die Verteidigungsministerin spricht von einem ›Alarmzeichen‹. Ein Zeichen war es vielleicht, dass wenige Tage zuvor, am 4. Oktober in Berlin, ein Syrer die Absperrung einer Synagoge überwindet, ›Fuck Israel‹ und ›Allahu Akbar‹ ruft und daraufhin ein Kampfmesser zieht. Er wird festgenommen und am Tag darauf wieder freigelassen. Neben Hausfriedensbruch bestehe kein weiterer Tatverdacht. Solche Zeichen werden verstanden. Als Einladung.

Die verbale Entgleisung von AKK steht symbolisch für eine politische Kultur der Euphemismen. Immer weniger wird noch benannt, wie es ist. Es wird verschwiegen oder beschwichtigend verharmlost. Und wenn einige wenige Medien die Fakten doch nennen oder grausame Bilder trotzdem zeigen, dann werden vielfach nicht die Tatsachen beklagt, sondern wird derjenige beschimpft oder gar der Aufwiegelung bezichtigt, der die Realität beschreibt. Deutschlands Politik- und Medieneliten schlafen den Schlaf der Selbstgerechten und träumen den Wunschtraum der Political Correctness. Möchten sie nicht, dass diese Ruhe gestört wird?«

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Achgut-Blog

»Bereits der streitbare österreichische Journalist und Pionier der Medienkritik Karl Kraus (1874–1936) behauptete, dass es die Mission der Presse sei, Geist zu verbreiten und die Aufnahmefähigkeit zu zerstören. Greta, Luisa und Carola zeigen, dass es sogar noch weiter gekommen ist. Letztendlich befindet sich nun die Aufnahmefähigkeit vieler Medienschaffender im Zerstörungsmodus. Wie das?«, fragt Gastautorin Bertha Stein.

»Der deutschen Medien Lieblingsthema sind wohl die Klima-Girls Greta, Luisa und Carola. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht nicht über Greta Thunberg, ihre deutsche Abklatschversion Luisa Neubauer und – seit Kurzem – über die ans Festland gestrandete Ex-Kapitänin Carola Rackete, euphorisierend berichtet wird.

Ein Mädchen mit Asperger-Syndrom, eine Grünen-Aktivistin und eine Frau mit Dreadlocks. Sie bringen Deutschlands Redaktionen in emotionale Wallung und schwärmerische Idiolatrie. Was sagt diese Wahl der neuen medialen ›Superhelden‹ über die psychologische Struktur ihrer Bewunderer aus? So einiges. Und genau hier liegt das Problem.

Dass sich ein guter Journalist nicht mit einer Sache gemein macht, gilt seit Hanns Joachim Friedrichs Bonmot als Qualitätssignum. Dass es hierzu bestimmter Eigenschaften bedarf, wie etwa Analysefähigkeit, Urteilsfähigkeit und Kritikfähigkeit, muss auch nicht besonders betont werden. Sie sind essenziell, nicht nur für die Profession des Journalisten an sich, sondern des Intellektuellen par excellence.«

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BZ

»Der Hass auf Juden lebt in radikalen Minderheiten fort. Dort grassiert er wie eine Seuche, gegen die noch kein Mittel gefunden wurde«, kritisiert Gunnar Schupelius.

»Stephan Balliet war offenbar ein Einzeltäter, aber er orientierte sich an geschlossenen antisemitischen Weltbildern, die ihm beim Surfen im Netz angeboten wurden. Sie wirkten attraktiv auf ihn, weil sie ihm scheinbar die Probleme erklärten, die ihn bewegten und eine furchtbare Lösung anboten. Genauso hat der Hass auf Juden immer gewirkt. Sie waren der Blitzableiter und der Sündenbock. Je weniger sie in Erscheinung traten, desto mehr wurden sie gehasst. Antisemitismus ist eine Geisteskrankheit, die sich ausbreitet wie eine Seuche.

Wir hatten geglaubt, dieses Übel überwunden zu haben. Die meisten Deutschen sind ja keine Antisemiten mehr. Aber aggressive Minderheiten sind es weiterhin, wie zum Beispiel die Rechtsextremisten, an denen sich Stephan Balliet orientierte. Auch im Kreis radikaler Muslime wird der Hass auf Juden gepredigt, sogar in ganz normalen Moscheen gibt es selbstverständlich antisemitische Untertöne. Einwanderer aus muslimischen Ländern kommen mit der anerzogenen Vorstellung nach Deutschland, Juden seien minderwertige Menschen.«

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