Meinung der anderen

Neue Zürcher Zeitung

»Der Bürger bezahlt Steuern, und er bekommt vom Staat etwas dafür: Sicherheit, Vorsorge, Schutz von Freiheit und Leben. Wenn er plötzlich sieht, dass er nur noch zahlt, ohne dafür das Versprochene zu erhalten, beginnt er an den Institutionen zu zweifeln«, stellt Titus Gebel fest.

»Der Wähler in Europa ist ein undankbares Geschöpf. Nie war der Lebensstandard höher, die Demokratie verbreiteter, gab es mehr Freiheiten. Trotzdem erdreistet sich ein immer höherer Prozentsatz, sogenannte populistische Parteien zu wählen. Das kann nur mit den sozialen Netzwerken zusammenhängen, welche die Menschen mit Fake-News aufhetzen. Vermutlich spielt auch eine Rolle, dass sich viele als Globalisierungsverlierer fühlen und mit den Änderungen unserer modernen Gesellschaft nicht mehr zurechtkommen. Sie sind leichte Beute für populistische Rattenfänger. Stimmt’s?«

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Tichys Einblick

Der Schriftsteller Uwe Tellkamp, der die Migrationspolitik Angela Merkels kritisierte, wurde vom Kulturbetrieb als rechts einsortiert. Nach längerer Pause spricht Tellkamp über das westdeutsche Unverständnis für den Osten, die Angepasstheit der Intellektuellen – und seine zerrissene Heimatstadt Dresden.

»Das, was viele in meiner Branche von sich geben, ist ein krasser Widerspruch zu dem Bild, das sie von sich selbst haben. Sie sehen sich ganz selbstverständlich als kritisch, unangepasst, widerständig, unberechenbar und frei. Tatsächlich gibt es, wenn wir uns gerade die letzten Jahre ansehen, nichts Angepassteres, Berechenbareres, Unfreieres und Dümmeres als die Wortmeldungen von vielen Intellektuellen. Das beschäftigt mich sehr: Wo kommt diese Nähe zu Merkel her, dieses Unisono-Tröten für Grün, Links und eine links-grün gewendete CDU?

Vielleicht liegt es daran, dass viele so tief in ihrer Position stecken, dass sie glauben: Wenn wir jetzt nicht an dem festhalten, was wir meinen, dann stehen wir plötzlich an der Seite der Dunklen, der Falschen, der Nazis. Es spielt wahrscheinlich auch ein tiefes Misstrauen gegen das Normalvolk eine Rolle, ein Wissen tief im Innern: Das Volk ist nicht links und wird es nie sein.«

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Focus

»Was muss man sich zuschulden kommen lassen, um seinen Job zu verlieren? Wenn man in der deutschen Film- und Theaterwelt arbeitet: ein Mittagessen mit dem falschen Politiker. Das reicht dort, weil sich Kleingeister groß fühlen«, stellt Jan Fleischhauer in seiner Kolumne fest.

»Der Mann, der seinen Job verlor, heißt Hans Joachim Mendig. Er war drei Jahre lang Geschäftsführer der hessischen Filmförderung – bis er sich auf einen Lunch mit dem AfD-Vorsitzenden Jörg Meuthen traf. Vor zwei Wochen wurde er seines Amtes enthoben. Man habe den Imageschaden begrenzen müssen, der durch das Treffen entstanden sei, erklärte die Kulturministerin Angela Dorn, die dem Aufsichtsrat der hessischen Filmförderung vorsteht und für die Grünen in der Landesregierung sitzt. […]

Die Geschichte liest sich, als würde sie in einem fernen Staat im Osten spielen, einer dieser Autokratien, in denen die Bürger gut beraten sind, bei allem, was sie sagen oder tun, vorsichtig zu sein. Aber ist keine Geschichte aus der Ferne. Es ist eine deutsche Geschichte.«

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