Meinung der anderen

Publico

»Rechte Verlage, nichtlinke Autoren, jetzt auch Thomas de Maizière: der Pferch für falsche Meinungen dürfte demnächst wegen Überfüllung platzen«, vermutet Alexander Wendt.

»Zu dem Begriff ›Gesinnungskorridor‹ gibt es im hiesigen Journalismus und darüber hinaus eine Feststellung, die sich monoton wiederholt wie der Anblick von Zimmertüren in einem Korridor: So etwas wie ein Gesinnungskorridor existiert nicht. Wer darauf besteht, ihn gäbe es doch, der gehört zu denjenigen, die der Bundespräsident in seinen Reden üblicherweise als ›diejenigen‹, beziehungsweise ›jene‹ apostrophiert, als Verbreiter von so genanntem Gedankengut. Bei ›Gedankengut‹ handelt es sich um einen ähnlichen Begriff wie Gefahrengut. Es ist jedenfalls nie gut.

Schlecht ist es für diese Argumentation allerdings, wenn der Gesinnungskorridor, den es bekanntlich nicht gibt, von der Leitung der Frankfurter Buchmesse so eingerichtet wird, dass er tatsächlich aussieht wie ein Korridor. In Frankfurt platzierten die Messeverantwortlichen drei Verlage – Antaios, Manuscriptum, Junge Freiheit – in eine Sackgasse abseits der anderen Messestände in Halle 4.1. Das Ende des roten und der Anfang eines grauen Teppichs markierte so etwas wie eine Grenzübergangsstelle, an der zwei Polizisten und ein Wachmann der Messe aufpassten.«

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Achgut

»Im Konflikt zwischen Kurden und Türken ergreift man hierzulande nicht selten reflexartig Partei für die Kurden. Ganz so einfach kann man sich das mit den Zuschreibungen ›nationalistische Türken‹ und ›missbrauchte Kurden‹ jedoch nicht machen«, findet Gastautorin Susanne Baumstark.

»Nach Erdogans Militäroffensive in Nordsyrien und der zwischenzeitlichen Waffenruhe ziehen sich jetzt die Kurden von dort zurück. Einen gut verständlichen Bericht zum Hintergrund des komplexen destruktiven Geflechts bietet der Nordkurier. Angesichts der hiesigen einseitigen prokurdischen Parteinahme soll an dieser Stelle erwähnt sein, dass man seit geraumer Zeit sehr wohl auch um die gefährlichen Strukturen auf dieser Seite Bescheid weiß. So warnte etwa schon im Februar der Chef des Bundeskriminalamts vor ›kriminellen Clans aus arabischen und kurdischen Familien‹ in Großstädten wie Berlin und Bremen. ›Die Behörden kommen gegen diese nur mit großem Aufwand an … Ein Problem, das sich noch auszuweiten droht.‹

Auf örtlich-sozialer Ebene erhielt, ebenfalls im Februar, ein Verein in Neumünster folgende Projektförderung vom Bundesprogramm ›Demokratie leben‹ des Bundesfamilienministeriums: ›Beratungsmaßnahme und Distanzierungsunterstützung im Kontext linker Militanz und kurdischem Extremismus.‹ Man suchte für eine Teilzeitstelle eine ›hartnäckige‹ Person, die zum Themenfeld ›kurdischer Ultranationalismus‹ mitarbeitet (vgl. hierzu die Broschüre ›Türkischer und Kurdischer Ultranationalismus in der Einwanderungsgesellschaft‹ vom Landesdemokratie-Zentrum Schleswig-Holstein, Anm. d. Red.). Ganz so einfach kann man sich das mit den Zuschreibungen ›nationalistische Türken‹ und ›missbrauchte Kurden‹ also nicht machen.«

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Welt

»Konventionelle Landwirte werden mit immer mehr Auflagen belastet, zunehmend in der Öffentlichkeit angefeindet und wirtschaftlich belastet. Viele fürchten um ihre Existenz. Aber Öko-Landbau ist auch keine Lösung«, findet Ansgar Graw.

»Den Bauern brauchen wir häufiger als den Autobauer. Wir essen täglich mehrfach, kaufen aber nur alle 5 oder 15 Jahre ein Auto. Doch während in der Debatte über Klimawandel, Verkehrswende und CO2-Emissionen nachdenkliche Stimmen immerhin davor warnen, die deutschen Autokonzerne als Rückgrat der Volkswirtschaft über Gebühr zu belasten, nimmt man die Existenznöte deutscher Landwirte kaum zur Kenntnis. Und wenn, dann mit einem Geschieht-ihnen-ganz-recht-Tremolo.«

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