Meinung der anderen

Welt

»Immer neue Regeln, Respektlosigkeiten, Existenzangst: Die deutschen Landwirte zieht es in ihrer Verzweiflung in die Städte. Ihr Aufmarsch ist ein Hilferuf: Die Kritik an den Bauern ist inzwischen maßlos – und schadet der sachlichen Lösung von Problemen«, stellt Michael Gassmann fest.

»Eine wunderschöne Allee in der Eifel. Hinter Gebüsch und großen Bäumen grasen Kühe – Idylle pur. Doch da steht auch ein Kreuz, gebastelt aus Dachlatten und grün angestrichen, daran geheftet ein Zettel in Klarsichtfolie. ›Liebe Spaziergänger‹, steht darauf, ›wir machen Euch satt. Wir versorgen Euch mit guten Lebensmitteln und pflegen unsere Kulturlandschaft. Alles was wir tun, tun wir mit Leidenschaft!‹

Es klingt wie ein Hilferuf: Versteht uns endlich, ihr Städter! Die grünen Kreuze am Wiesenrand waren die ersten, noch kaum beachteten Signale für die bäuerliche Graswurzelbewegung Land schafft Verbindung, die in atemberaubendem Tempo gewachsen ist und nun Aufmerksamkeit erzwingt, indem sie das übliche Berliner Verkehrschaos mal eben um 5.000 Trecker bereichert.

Der Deutsche Bauernverband hatte schon vorigen Monat nach den ersten Sternfahrten in die Städte seine liebe Not, den aufbrandenden Zorn der Landwirte zu seinem eigenen Thema zu machen.«

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Focus

»Nach langer Suche hat Deutschlands mächtigste Lobbyorganisation, der Verband der Automobilindustrie, eine neue Führungsfigur gefunden. Die Autobosse – angeführt von Daimler-Chef Ola Källenius – entschieden sich für Hildegard Müller. Die mächtige Autolobbyistin Deutschlands knackt den Gehalts-Rekord«, stellt Gabor Steingart in einem Gastbeitrag fest.

»Die 52-jährige Diplom-Kauffrau aus Rheine im Münsterland erfüllt alle drei Kriterien, die für die Branche derzeit wichtig sind:

  • Müller ist der letzten verbliebenen Volkspartei entsprungen. Sie war Ende der neunziger Jahre Chefin der Jungen Union, stieg zur Staatsministerin im Bundeskanzleramt von Angela Merkel auf und ist bis heute in CSU und CDU gut vernetzt. Die Autoindustrie braucht das Ohr der Konservativen heute dringender denn je.
  • Mittlerweile ist Müller auch eine schwarz-grüne Persönlichkeit. Als Vorstandsmitglied der RWE-Tochter Innogy war sie zuletzt für die Ladeinfrastruktur der E-Autos zuständig. Ihr Gesprächsfaden zu den Grünen ist intakt. Für sie ein Pluspunkt im Kandidaten-Poker: Die Autobosse setzen auf eine schwarz-grüne Koalition in Berlin.
  • Sie ist Frau und Beides erleichtert die gesellschaftliche Akzeptanz der Autoindustrie, deren Image durch Dieselskandal und PS-Kultur gelitten hat. Hildegard Müller kann, was in der Autoindustrie kaum einer kann: Humor. Beim rheinischen Karneval im Februar diesen [sic] Jahres warf sie Quietsche-Enten vom Rosenmontagswagen.«

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Publico

»Eine Zeitung verbreitet Fake News über Dieter Nuhr – und dutzende andere plappern nach. Der Fall zeigt: Das deutsche Pressesystem steckt in einer tiefen selbstverschuldeten Krise«, stellt Alexander Wendt fest.

»Geht ein Redakteur der ›Kieler Nachrichten‹ ins Kabarett, versteht den Mann auf der Bühne nicht so richtig, und schreibt trotzdem einen Artikel. So beginnt kein Witz. Sondern eine Dramödie über den Zustand der Presse in Deutschland. Sie beginnt damit, dass ein Mitarbeiter der ›Kieler Nachrichten‹ am vergangenen Samstag Nuhrs Auftritt in der Kieler Sparkassenarena besuchte und anschließend eine Rezension für die Online-Ausgabe der Zeitung verfasste.

Darin beschreibt er, wie Nuhr ausführt, er glaube, dass die Forderung von Greta Thunberg und ihren Anhängern, wenn sie tatsächlich so verwirklicht würden, Menschenleben kosten könnten. Um dann Nuhr zu zitieren: ›Aber was sind schon Menschenleben, wenn es um die große Sache geht?‹ Indirekt, meint der Rezensent, habe der Comedian damit Greta Thunberg mit Hitler und Stalin verglichen. Ohne allerdings einen entsprechenden Satz Nuhrs als Beleg zu zitieren. Denn diesen Satz gibt es nicht. Der Thunberg-Hitler-Stalin-Vergleich fand nur im Kopf des Journalisten der ›Kieler Nachrichten‹ statt.«

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