Meinung der anderen

Publico

»Nach der Reaktion auf den Umweltsau-Song des ›WDR‹ dämmert es den Wohlmeinenden: Wer immer neue Fronten eröffnet, muss am Ende womöglich bedingungslos kapitulieren«, stellt Alexander Wendt fest.

»Als jemand beim ›WDR‹ auf die Idee kam, die kleinen Sängerinnen des Kinderchors ein Anklagelied gegen die Klimasau-Oma singen zu lassen, konnte dieser Jemand unmöglich mit dieser Reaktion gerechnet haben.

Er lag im Trend, als kleines Fädchen im Geschiebe, und wahrscheinlich wird er, wenn er später seine Aussage in Gestalt eines großen Bekenntnisinterviews macht, sich darauf berufen, dass die Zeiten damals eben so waren. Es herrschte Kulturkrieg. Möglicherweise sogar so etwas Ähnliches wie Befehlsnotstand. Notstand herrschte auf jeden Fall.

Wie in jedem Krieg gibt es auch in einem Kulturkrieg Eskalationsstufen. Die Stufe, das Kampffeld des Kulturkriegs auch auf die Familie zu erweitern, wurde spätestens vor einem guten Jahr erreicht, als im Oktober 2018 der ›Zeit‹-Mitarbeiter Hannes Leitlein die Botschaft twitterte: ›Wenn deine Eltern AfD wählen, warum nicht den Kontakt abbrechen?‹.«

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Tichys Einblick

Angela Merkels Neujahrsansprache macht fast sprachlos. Da spricht die Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland zu „ihrem“ deutschen Volk und hat rein gar nichts zu sagen, stellt Alexander Wallasch erschrocken fest.

„Was für eine Gelegenheit wäre das doch gewesen, zur Zeitenwende hinein in die 20er Jahre dieses ereignisreichen 21. Jahrhunderts endlich einmal Abbitte zu leisten, Klartext dahingehend zu reden und sich aus der Politik zu verabschieden, mit diesem einen schlichten Satz, der schon zuvor vielen düsteren Gestalten der Zeitgeschichte so schwer gefallen ist: „Es tut mir leid.“

Oder alternativ: „Ich schäme mich.“ Die Kanzlerin ist nicht nur am Ende ihrer als alternativlos pervertierten Kanzlerschaft angekommen, sie steht auch im letzten Viertel ihres Lebens und sie behelligt die Deutschen tatsächlich auch noch mit dieser persönlichen Endlichkeit, die sie doch früher oder später mit allen ihren Mitbürgern teilt, mit den Empfängern ihrer Neujahrsansprache, wenn sie fast schon mitleidsheischend ob ihrer Sterblichkeit in gespielter Nachdenklichkeit sagt:

„Und es stimmt ja auch: Ich bin mit meinen 65 Jahren in einem Alter, in dem ich persönlich nicht mehr alle Folgen des Klimawandels erleben werde, die sich einstellen würden, wenn die Politik nicht handelte.“

Ja, das stimmt auch. „

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Neue Zürcher Zeitung

Nach Mühleberg wird auch ein süddeutsches Kernkraftwerk abgestellt – die Importabhängigkeit steigt. Wenn man allerdings eigene Kernkraftwerke vorzeitig einmottet, gleichzeitig aber stärker auf Importe dieser Energie aus Frankreich setzt, hat das etwas Heuchlerisches, erkennt Christoph Eisenring.

„Am Silvester um 19 Uhr wird das Kernkraftwerk im baden-württembergischen Philippsburg abgestellt. In Deutschland sorgt das nicht mehr für grosses Aufsehen, während es im bernischen Mühleberg vor zehn Tagen noch einen grossen Bahnhof gegeben hatte, als erstmals ein Schweizer Atomkraftwerk vom Netz ging. In Deutschland wurde 2011 im Zug des Unglücks in Fukushima der Atomausstieg beschleunigt. Ab 2023 wird im Nachbarland kein einziges AKW mehr Strom liefern. Mit Philippsburg 2 werden 11 von 17 Atommeilern stillgelegt sein. Bedeutend ist dies auch für die Schweiz, weil damit stabile Stromquellen im Nachbarland wegfallen.“

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