Merkels Kläffer

In der Staatskanzlei in München hat das Zittern längst begonnen: Angesichts der Landtagswahl am 14. Oktober fürchtet nicht nur CSU-­Ministerpräsident Markus Söder um den Verlust einiger liebgewonnener Pfründe. Die Christsozialen, die in Bayern über Jahrzehnte mehr als die Hälfte aller Wählerstimmen auf sich vereinen konnten, scheinen sich im freien Fall zu befinden.

Dank eines chronischen Mangels an Rückgrat im Umgang mit der Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel hat die ewige kleine Schwester der CDU ihr bürgerlich-­konservatives Profil schonungslos abgewetzt.

Einer der schrägsten Politentscheide des jetzigen Innenministers Seehofer, der auch in Wien nur zu gerne als »Drehhofer« verspottet wird: Der großspurig angekündigte »Asyl-Kompromiss« vom Oktober 2017, bei dem der CSU-Boss einer ominösen »atmenden Obergrenze« von 200.000 »Flüchtlingen« pro Jahr zustimmte. Während die patriotische AfD schonungslos das Versagen der Altparteien aufzeigt, erscheinen die CSU-Granden in Österreich längst als lautstarke, aber stets brav an Merkels kurzer Leine hechelnde Polit-Kläffer!

Einen ähnlich rapiden Verlust in der Wählergunst kennt die ÖVP im benachbarten Oberösterreich: Zur Landtagswahl 2015 büßte sie im Vergleich zu 2009 mehr als zehn Prozent der Wählerstimmen ein. Die auch damals in der Bundesregierung vertretenen österreichischen Christsozialen hatten angesichts des Asyl-Ansturms viel Glaubwürdigkeit beim Wähler verloren. Erst in der derzeitigen oberösterreichischen Koalition mit der FPÖ gelang es, wieder Wähler zu gewinnen. Ob die CSU diesem Vorbild folgen kann, bleibt ungewiss. Doch auch in der Alpenrepublik weiß man: Eine erstarkende AfD könnte langfristig für die Wendehälse unter Seehofers Führung nicht weniger als den Weg ins politische Nirwana bedeuten!

 Johannes Schüller

ist Chefredakteur von wochenblick.at, dem Online-Portal der österreichischen Zeitung ›Wochenblick‹.

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