Mitgliederentscheid:

»AKK« kriegt das große Flattern

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer fürchtet eine Mitgliederbefragung zur Bestimmung des Kanzlerkandidaten wie der Teufel das Weihwasser

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) hat sich aus nachvollziehbaren Gründen gegen eine Mitgliederbefragung zur Kanzlerkandidatur der Unionsparteien ausgesprochen.

Die CDU habe »bisher immer mit guten Gründen gesagt, dass sie diesem Weg nicht folgt«, sagte Kramp-Karrenbauer den Sendern ›RTL‹ und ›n-tv‹ während einer Auslandsreise in ihrer Funktion als Verteidigungsministerin im westafrikanischen Mali.

Als Parteichefin hätte Kramp-Karrenbauer zwar den ersten Zugriff auf die Kandidatur. Wegen ihrer immer katastrophaleren Umfragewerte wird in der CDU aber über einen Mitgliederentscheid in der sogenannten K-Frage und über mögliche Alternativen zu Kramp-Karrenbauer diskutiert.

Junge Union (JU) und die sich konservativ nennende WerteUnion sind für eine Urwahl des Kanzlerkandidaten, bei der Kramp-Karrenbauer nach Einschätzung von Unions-Insidern auf der Strecke bleiben dürfte (der Deutschland Kurier berichtete).

Die Nerven in der CDU-Spitze liegen blank – die Unruhe in der Partei wächst. Ein untrügliches Zeichen dafür ist: Die stellvertretenden Parteivorsitzenden Julia Klöckner und Thomas Strobl forderten ein Ende der ihrer Ansicht nach »schädlichen Diskussion«.

Klöckner sagte, sie sehe »keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt über Kanzlerkandidaturen zu debattieren«. Strobl warnte: »Mit einer Urwahl geht immer eine wochen- oder gar monatelange Selbstbeschäftigung einher.«

CSU-Chef Markus Söder schaltete sich ebenfalls in die Debatte ein. Er erinnerte im ›Straubinger Tagblatt‹ an das Mitspracherecht seiner Partei in der Kandidatenfrage. Im Hinblick auf eine Urwahl äußerte auch er sich skeptisch: »Urwahlen sind so eine Sache. Das kann man bei der SPD sehen. Was macht man, wenn drei oder vier Bewerber um die 20 Prozent haben? Wenn es schlecht läuft, hat man nur beschädigte Kandidaten.«

Ins Rollen gebracht wurde die Debatte von der Nachwuchsorganisation Junge Union: Sie will bei ihrem Jahrestreffen am Wochenende darüber abstimmen, ob sie auf dem Bundesparteitag im November einen Antrag auf Urwahl des Kanzlerkandidaten stellt. Die WerteUnion hat unterdessen im Netz eine Unterschriftenaktion gestartet.

Nach derzeitiger Planung will die CDU beim Parteitag Ende 2020 den Kanzlerkandidaten oder die Kanzlerkandidatin für die Bundestagswahl 2021 benennen. Kramp-Karrenbauer lässt bislang offen, ob sie selbst die Kandidatur übernehmen will – im ›ZDF‹-»heute-journal« wich sie am Montagabend einer entsprechenden Frage aus. Sie hat jedoch wiederholt deutlich gemacht, dass sie das Verfahren als Parteivorsitzende steuern wolle. Bis ihr die Basis das Steuer aus der Hand schlägt? (hh)

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