Monika Hohlmeier (CSU) wacht jetzt über die EU-Steuergelder

Wenn der Bock zum Gärtner wird

Ein Kommentar von Boris T. Kaiser

Man fasst sich an den Kopf: Ausgerechnet Monika Hohlmeier (57, CSU) ist jetzt Oberaufseherin über die EU-Finanzen. Der Aufstieg einer unfähigen Politikerin – oder wenn der Bock zum Gärtner wird!

CSU-Urgestein Franz Josef Strauß würde seiner Tochter heute die Leviten lesen

Eines der wichtigsten EU-Parlamentsgremien ist der Haushaltskontrollausschuss. Er wacht (bzw. soll wachen) über eine sparsame, wirtschaftliche, effektive und rechtmäßige Haushaltsführung – kurzum: über die Steuergelder der europäischen Steuerzahler.

Monika Hohlmeier, die Tochter von CSU-Legende Franz Josef Strauß ist seit 2009 Abgeordnete des »Europäischen Parlaments« und Mitglied des Haushaltsausschusses. Schon dies allein ist ein Hohn – angesichts der Tatsache, dass die CSU-Politikerin bislang vor allem mit Schlagzeilen über Vetternwirtschaft, durch Begünstigungsvorwürfe und parteiinterne Intrigen von sich reden gemacht hat.

Doch schamloser geht’s immer: Seit diesem Sommer hat Hohlmeier – ausgerechnet Hohlmeier! – auch noch den Vorsitz des EU-Haushaltskontrollausschusses übernommen!

Monika Hohlmeier während einer Pressekonferenz des EU-Parlaments

Damit ist in Brüssel eine Frau für die Finanzkontrolle der EU verantwortlich, deren Name in der Vergangenheit immer wieder im Zusammenhang mit Skandalen und offenkundiger politischer Unfähigkeit auftauchte (der Deutschland Kurier berichtete hier, hier und hier).

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Eine Frau, der sogar der Fußball-Drittligist »TSV 1860 München« einst als Aufsichtsratsmitglied die Entlastung verweigerte, wacht über die Milliarden der europäischen Steuerzahler.

Neue Oberaufseherin über die EU-Finanzen: Monika Hohlmeier

Franz Josef Strauß ist es vermutlich bereits ganz schwindelig – so oft, wie er sich in seiner Gruft im oberbayerischen Rott am Inn umgedreht hat. Noch zu Lebzeiten hatte die CSU-Legende seine Tochter, wohl ahnend, dass die Politik ein paar Nummern zu groß für sie sein könnte, der Obhut seines damaligen Adlatus Edmund Stoiber anvertraut: »Pass gut auf die Moni auf!«

Die Schuhe des Vaters sind viele Nummern zu groß: Monika Hohlmeier und ihr Vater Franz Josef Strauß im Jahr 1985

Als späterer Ministerpräsident machte Stoiber Hohlmeier zur Kultusministerin. Ein Fehlgriff, wie sich bald erweisen sollte.

Während ihrer Zeit an Stoibers Kabinettstisch (1998–2005) war Hohlmeier in jene Machenschaften verstrickt, die später als »Münchner CSU-Affäre« in die an Skandalen nicht armen CSU-Annalen einging. Der Politkrimi drehte sich um gefälschte Aufnahmeanträge und Stimmenkauf. »Jedem war klar, wer ganz oben steht, das war die Frau Hohlmeier«, sagte damals der frühere JU-Funktionär Maximilian Junker.

Der seinerzeitige CSU-Fraktionsvorsitzende im Münchner Rathaus, Hans Podiuk, sprach gar von einem »Abgrund von Lüge und Täuschung«.

Nachdem Podiuk Ende 2002 offensichtlich gefälschten Aufnahmeanträgen auf die Spur gekommen war, soll Hohlmeier ihn daran gehindert haben, gegen den mutmaßlichen Fälscher, Maximilian Junker, vorzugehen.

Am 15. April 2005 trat Hohlmeier als Ministerin zurück. Stoiber hatte die Strauß-Tochter fallen gelassen. Wenn es brenzlig wurde, war Stoiber – Moni hin, FJS her – das Hemd noch immer näher als der Rock.

Gescheitert: Die damalige Kultusministerin Monika Hohlmeier mit dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (beide CSU)

Affären und dubioses Finanzgebaren ziehen sich wie ein roter Faden durch die Vita von Monika Hohlmeier. Dabei verstieß sie auch noch gegen das oberste Gebot aller CSU-Amigos: »Du darfst fast alles, aber du darfst dich nicht erwischen lassen.«

So soll Hohlmeier noch als Ministerin mit 8,5 Millionen Euro Steuergeld den Erweiterungsbau eines Sehbehindertenzentrums finanziert haben. Pikant: Ihr damaliger Ehemann Michael, von dem sich Hohlmeier nach 31 Ehejahren scheiden ließ, hatte dort die Stelle eines stellvertretenden Direktors erhalten.

Schon damals ziemlich beste Freundinnen: Angela Merkel (CDU) und Monika Hohlmeier (CSU) während einer Wahlkampfveranstaltung im Jahr 2002 in München

So verrufen die Strauß-Tochter sonst auch sein mag, mit der Masseneinwanderungskanzlerin Angela Merkel (CDU) scheint Hohlmeier eine unverbrüchliche Blutsschwesternschaft zu verbinden. Dabei verging sie sich auch am politischen Erbe ihres Vaters.

In einem Interview mit der Klatsch-Illustrierten ›BUNTE‹ verstieg sie sich zu der Behauptung: Franz Josef Strauß hätte sich mit Merkel verstanden … es würde ihm sogar viel Spaß machen, heute mit der Masseneinwanderungskanzlerin zusammenzuarbeiten.

In der Politik fällt der Apfel manchmal eben doch sehr weit vom Stamm. Liegen bleibt gärendes Fallobst. Ein ehemaliger Weggefährte Hohlmeiers aus der CSU-Landesgruppe, der ungenannt bleiben möchte, formuliert es so: »Die Monika wollte in der Politik einen Höhenflug hinlegen wie ihr Vater, herausgekommen ist ein erbärmliches Geflatter!«

Boris T. Kaiser

Boris T. Kaiser

startete seine Karriere als Gagschreiber für zahlreiche Comedy- und Satire-Formate. In den letzten Jahren arbeitet er vermehrt journalistisch und als politischer und gesellschaftlicher Kommentator. Er schreibt unter anderem für ›Die Achse des Guten‹, ›Tichys Einblick‹ und die Wochenzeitung ›Junge Freiheit‹. Kaiser betreibt außerdem den Blog brainfuckerde.wordpress.com.

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