Monika Hohlmeier, die verlorene Tochter

»Nomen est omen« – der Name sagt alles. Gut möglich, dass Franz Josef Strauß als alter Lateiner heute so gedacht hätte, insgeheim. Als fürsorglicher Vater, der seine politisch minderbegabte Tochter über alles liebte, hätte er es niemals offen ausgesprochen!

Das aber tun hinter vorgehaltener Hand immer mehr CSU-Abgeordnete in Berlin, München und auch in Brüssel. Sie fragen sich:

Wie hohl ist Monika Hohlmeier?

Flirrende Hitze im Berliner Regierungsviertel. Die Meile um den Reichstag ist wie ausgestorben, von den Touristen einmal abgesehen. Verabredung mit einem guten alten Bekannten aus der CSU-Landesgruppe. Vertraulich, etwas außerhalb. Diskretion ist alles in dem Geschäft. Wie viele andere verheiratete CSU-Fraktionskollegen, die in der Hauptstadt ein heimliches Doppelleben mit Freundin führen, hat der Mann trotz Sommerpause gewisse Präsenzpflichten. »Mal kurz die Büropost durchsehen« nennt sich das dann. Nach dem üblichen »Lange nicht gesehen«-Geplauder kommen wir bei gegrillten Scampis und einer Flasche gut gekühltem italienischen Orvieto-Weißwein ins Gespräch. Thema ist vor allem das sogenannte Interview, das Monika Hohlmeier dem »Bayernkurier« zur CSU-Landtagswahlkampagne »Strauß würde Söder wählen« gegeben hat.

Dazu muss man wissen, dass es sich hierbei ganz offensichtlich um ein Ideen-Plagiat handelt. Basierend auf einer Wahlempfehlung, die der »Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und bürgerlichen Freiheiten«, der auch den Deutschland-KURIER herausgibt, im Bundestagswahlkampf plakatiert hatte:

»Franz Josef Strauß würde AfD wählen!«

Äpfel und Birnen auseinander zu halten ist bekanntlich nicht jedermanns Sache, die von Monika Hohlmeier schon gar nicht. Da kann leicht etwas durcheinander geraten und herauskommt dann ziemlich viel Hohlgemeiertes und ein Vaterkomplex: »Die AfD missbraucht das Andenken eines Toten, weil sie unter den Lebenden keine Argumente hat.«

»Tja«, sagt mein Gesprächspartner, »die Monika ist eine einzige Katastrophe, ein Wählerschreck. Strauß würde eine Krise nach der anderen kriegen. Auch wegen der delikaten Gerüchte. Sie wissen schon…« Die Spatzen pfeifen es seit fünf Jahren von allen Münchner Dächern. Auch der Name von Ilse Aigner, der CSU-Bezirksvorsitzenden von Oberbayern, fiel damals nach Hohlmeiers Scheidung. »Ein Jeder nach seiner Façon«, zitiere ich den alten Fritz. Mein Gesprächspartner schmunzelt. »Pass gut auf die Moni auf«, soll Franz Josef Strauß kurz vor seinem Tod zu seinem Adlatus Edmund Stoiber gesagt haben. Als ob es der Vater geahnt hätte: Die Politik war für seine heute 56 Jahre alte Tochter Monika schon immer eine Nummer zu groß. Vielleicht würde »FJS« es in seiner bildhaften Sprache heute so sagen: Die Moni, die so gerne wie ihr Vater geworden wäre – »sie ist halt leider nur ein billiger politischer Abklatsch meiner selbst geworden. Sie kann ihre Füße in meinen Schuhen umdrehen, ohne dass sich die Richtung der Schuhe verändert.«
Politisch ist Monika Hohlmeier jedenfalls auf ganzer Linie gescheitert. Im Zuge der sogenannten Dossier-Affäre um gekaufte Parteimitglieder und Wahlfälschung war sie 2005 als Kultusministerin unter dem damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber zurückgetreten. Auch als Münchner CSU-Bezirkschefin war die von Parteifreunden als cholerisch und hysterisch beschriebene Strauß-Tochter nicht mehr tragbar. 2008 scheiterte sie krachend als oberbayerische Landtagsabgeordnete. Nunmehr sitzt sie seit 2009 für Oberfranken im EU-Parlament. Dort hat sie für Bayern seither so gut wie nichts bewirkt – außer: Monika Hohlmeier soll unter Missbrauch ihres Abgeordnetenmandats Tochter Michaela wichtige Türen in Brüssel für deren Firma »Bavarian Experts« geöffnet haben, heißt es in Kreisen des EU-Parlaments. Das Geschäftsmodell der Hohlmeier-Tochter war darauf spezialisiert, ausländischen Jugendlichen, u.a. Rumänen, bei der Jobsuche in Deutschland zu helfen. Dass »Bavarian Experts« dafür satte EU-Fördergelder kassierte – dafür spricht der gesunde Menschenverstand.

»Erbärmliches Geflatter«: Strauß-Tochter Monika Hohlmeier (56/CSU)

Der Abend und auch die Flasche Weißwein nähern sich dem Ende. »Die Monika wollte in der Politik einen Höhenflug machen wie ihr Vater«, resümiert mein Gesprächspartner. »Herausgekommen ist ein erbärmliches Geflatter«, sagt er zum Abschied.

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