Eine Kolumne von Hans Peter Stauch:

Multikulti-Experiment beenden

Es brennt an allen Ecken und Enden und die Lieblingsutopie der Linken von der multikulturellen Gesellschaft hat sich endgültig als dystopischer Wahn entpuppt.

Spätestens seit den Unruhen in Frankreich im Oktober 2005 musste auch dem willigsten Migrationsbefürworter klar sein, dass die Probleme der französischen Vorstädte mit großem Einwandereranteil grundsätzlich waren und sich in einer Gewaltorgie äußerten. Der Soziologe und Gewaltforscher Michel Wieviorka hält auch die vor zehn Tagen stattfindenden Unruhen in Les Grésilles, einem Vorort der burgundischen Hauptstadt Dijon, für einen Indikator für die vielfältigen Probleme Frankreichs. Er macht soziale Ungleichheit und die politische Krise verantwortlich. Die Regierung wiederum ist zu schwach, um sich den bürgerkriegsähnlichen Schlachten entgegenzustellen, die sich ortsfremde Tschetschenen und ortsansässige Jugendliche mit nordafrikanischen Wurzeln lieferten.

Erstaunlicherweise rief die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel noch 2010 auf dem Deutschlandtag der Jungen Union (JU) in Potsdam in den Saal: »Der Ansatz für Multikulti ist gescheitert, absolut gescheitert!« Eifrig sekundiert von Horst Seehofer, der für die deutsche Leitkultur und ebenfalls gegen Multikulti eintrat, denn Multikulti sei tot. Wie recht beide dabei hatten, zeigte dann der Sommer 2017 mit dem G20-Gipfel und einem von der »Antifa« und ausländischen Gesinnungsgenossen verwüsteten Hamburg. Der Gesinnungswandel der Kanzlerin fand dann 2015 statt, als sie das absolut Gescheiterte zum Schaffbaren deklarierte. Diese staatlicherseits geförderte und ausgerufene Masseneinwanderung junger Muslime ergibt auch ganz aktuell zusammen mit dem ökonomischen Abstieg »wie schon in anderen Regionen, etwa Berlin oder dem Ruhrgebiet, sichtbar wurde – eine explosive, leicht entflammbare Mischung«, wie der Schriftsteller und Journalist Chaim Noll schreibt. Er sieht hinter den von Politik und Medien beschönigend als »Party- und Eventszene« bezeichneten Aktivitäten »in Wahrheit Instant-Packungen eines latenten Bürgerkriegs«. Entsprechend umfangreich ist denn auch die Schadensliste der Stuttgarter Krawallnacht, die der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft GdP in Mannheim, Thomas Mohr, auf ›Facebook‹ veröffentlichte: »19 meiner Kollegen verletzt, 12 Polizeifahrzeuge zerstört, 30 Geschäfte verwüstet und 8 geplündert.« Dementsprechend schonungslos ist die Stabilitätsanalyse der bundesdeutschen Gesellschaft durch Chaim Noll: »Hier treffen kampfbereite junge Nomaden aus Milieus, in denen blutige Gewalt alltäglich ist, auf im Wohlstand erschlaffte Edelmenschen, deren ganze Sorge ihrer Bio-Kost, dem Ferienhaus in der Toskana und Krötenschutzzonen galt. Ich kenne beide Mentalitäten, […], aus persönlicher Nähe und fürchte, dass sie – zumindest fürs Erste – unvereinbar sind.«

Die jüngsten Vorfälle in Wien-Favoriten, bei denen Demonstranten aus einer Mischung aus österreichischen, kurdisch- und türkischstämmigen Linken und antifaschistischen Gruppierungen auftreten, zeigen, dass sich genau die multikulturelle Gesellschaft entwickelt hat, die man von politisch freiheitlicher Seite stets befürchtet hat. Diese multikulturelle Gesellschaft wird nicht den linken Hoffnungen entsprechen. Der gesellschaftliche Konsens, dass die deutsche Rechtsordnung mit der Verfassung als normativer Grundlage und auch die deutsche Sprache als Verständigungs- und kulturelles Bindeglied existieren könnten [Andreas Rödder], ist längst aufgelöst.

Hans Peter Stauch

Jahrgang 1952, ist seit 2016 Mitglied des Landtags
von Baden-Württemberg. Er ist der verkehrspolitische Sprecher der
dortigen AfD-Fraktion. Darüber hinaus liegen seine Themenschwerpunkte
auf Fragen der Umwelt-, Klima- und Energiepolitik.

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