Muslimischer Arzt lehnt offenbar Zusammenarbeit mit Frauen ab

OP nach Geschlechtern getrennt?

Zwei Mitarbeiter des Johannes Wesling Klinikums Minden werfen der Klinikleitung Geschlechterdiskriminierung vor. Die Vorwürfe richten sich gegen einen muslimischen Arzt, der die Zusammenarbeit mit Frauen im Operationssaal ablehnt. Sein Wunsch wird nach Angaben der Mitarbeiter im Dienstplan umgesetzt, sodass der Mediziner während Operationen ausschließlich von Männern unterstützt wird. Die AfD fordert Landrat Ralf Niermann (SPD) auf, für lückenlose Aufklärung zu sorgen oder zurückzutreten.

Auf Druck eines muslimischen Arztes: Diskriminierung von Frauen im Johannes Wesling Klinikum Minden?

Die Vorwürfe wiegen schwer: »Ich habe mehrfach erlebt, wie der Arzt mich und weitere operationstechnische Assistentinnen aus dem Operationssaal geworfen hat, weil er nicht mit Frauen zusammenarbeiten möchte«, erklärt eine Mitarbeiterin des Johannes Wesling Klinikums Minden, die ihren Namen aus Angst vor Repressalien nicht öffentlich nennen möchte. Der Arzt arbeitet nach Angaben der Mitarbeiterin erst seit wenigen Jahren in Minden und stammt aus dem Nahen Osten. »Das Verhalten des Arztes ist diskriminierend, deshalb haben wir kein Verständnis dafür, dass die Klinikleitung sein Vorgehen duldet und seine Wünsche sogar in einer angepassten Dienstplanung umgesetzt werden.«

Die vorgebrachten Beschwerden der Betroffenen werden nach Angaben der Mitarbeiterin von Vorgesetzten nicht ernst genommen. Stattdessen werde den Betroffenen vorgeworfen, dass sich diese gezielt gegen den Arzt stellen, obwohl das Klinikum dringend auf ausländische Ärzte angewiesen sei. Die Mitarbeiterinnen machen geltend, dass sich die vorgebrachte Kritik nicht gegen die Herkunft, sondern gegen das Verhalten des Arztes richte. Anstatt den Arzt für sein diskriminierendes Vorgehen zu sanktionieren, wird den Betroffenen nun Diskriminierung vorgeworfen.

Das Verhalten des Arztes irritiert nach Angaben der Mitarbeiterin das gesamte Team und belastet das Arbeitsklima. »Vor allem die Frauen im Team fühlen sich nicht mehr ernst genommen.« Bestätigt werden die Vorwürfe von einem weiteren Mitarbeiter, der ebenfalls als operationstechnischer Assistent im Klinikum Minden tätig ist und ebenfalls erlebt hat, wie Kolleginnen den Operationssaal verlassen mussten.

Mitarbeiter fürchten Repressalien

Die Mühlenkreiskliniken (MKK) streiten indes die Vorwürfe ihrer Mitarbeiter vehement ab. »Bei der Erstellung des Dienstplans spielt das Geschlecht keine Rolle. Auch ist den Dienstplanverantwortlichen kein entsprechender Wunsch eines Arztes bekannt«, erklärt MKK-Sprecher Christian Busse auf Anfrage. »Die Mühlenkreiskliniken würden ein solches Ansinnen, von wem auch immer geäußert, kategorisch ablehnen. Diskriminierungen aufgrund des Geschlechts, der Nationalität, der ethnischen Herkunft, der religiösen Überzeugung, der sexuellen Identität, des Alters oder aufgrund einer Behinderung passen in keiner Weise zum Selbstverständnis unseres Klinikverbundes.« Eine solche Diskriminierung sei inakzeptabel und würde zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen führen, ergänzt Busse.

Die Mühlenkreiskliniken weisen zudem darauf hin, dass bislang keine Beschwerde über ein solches Fehlverhalten angezeigt worden sei. Der Klinikverbund verfüge über zahlreiche interne und externe Möglichkeiten für Mitarbeiter, Fehlverhalten anzuzeigen, so Busse. Man würde jedoch die Anschuldigungen ernst nehmen und den Mitarbeitern anbieten, ihre Erlebnisse mitzuteilen. »Falls es zu unerwünschtem Verhalten – und dazu zählen Diskriminierungen aller Art – gekommen sein sollte, werden wir mit den angemessenen arbeitsrechtlichen Mitteln reagieren.«

Von diesem »Angebot« nehmen die beiden Mitarbeiter jedoch aktuell noch Abstand. »Im Krankenhaus herrschen hierarchische Strukturen, weshalb ich nicht glaube, dass die Anschuldigungen des OP-Personals ernst genommen werden, nachdem den Betroffenen Vorwürfe gemacht wurden«, erklärt oben genannte Mitarbeiterin. »Deshalb habe ich Angst, dass mir weitere Beschwerden negativ ausgelegt werden.«

Landrat Ralf Niermann (SPD) ist jetzt gefordert

AfD: Landrat soll die Angelegenheit zur Chefsache machen oder zurücktreten

Thomas Röckemann, Vorsitzender der AfD-Kreistagsfraktion, fordert von Landrat Ralf Niermann (SPD) lückenlose Aufklärung: »Dieser Fall verdient höchste Aufmerksamkeit, denn eine Diskriminierung wegen des Geschlechts verstößt gegen das Grundgesetz. Das dürfte auch der Klinikleitung bewusst sein, die sich anscheinend in einem politischen Toleranzdilemma befindet. Hier darf es jedoch keinen Spielraum für Interpretationen geben! Wir wollen fortan keine getrennten Kliniken für Männer und Frauen schaffen, um es importierten Scharia-Ärzten recht zu machen.«

Thomas Röckemann fordert Landrat Ralf Niermann auf, die Angelegenheit zur Chefsache zu machen oder zurückzutreten: »Dr. Niermann ist ein typischer Prediger der Vielfalt. Religiös-kulturelle Konflikte, vor denen die AfD immer gewarnt hat, haben Sozialdemokraten wie er stets als blinden Rassismus diffamiert. Wie steht Niermann nun dazu, dass ein offenbar muslimischer Migrant anscheinend den OP-Saal nach Geschlechtern segregiert, während die betroffenen Frauen der Diskriminierung bezichtigt werden sollen?«

Röckemann weiter: »Als verantwortlichen Leiter des Verwaltungsrates der Mühlenkreiskliniken hat unsere Kreistagsfraktion dem Landrat etliche Fragen zu diesem Sachverhalt gestellt. Mich interessiert zudem, ob die Vorkommnisse im Zusammenhang mit der fristlosen Kündigung von Prof. Dr. Johannes Zeichen stehen. Wenn der Landrat diese Fragen nicht beantworten kann oder will, ist es endgültig Zeit für seinen Rücktritt.«

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