Mut zum gewagten Argument

Der Relotius-Pokal für den Monat Juli geht an ›correctiv‹

Ein Video der Europäischen Grenzschutzagentur Frontex machte Ende Juni Furore: Man sieht darauf einen hochseetüchtigen Fischdampfer, der eine klapprige Nussschale aufs offene Meer hinausschleppt, dort ein paar Dutzend Migranten aus dem Rumpf des Schiffes auf ebendieses wackelige Boot umsteigen lässt. Schließlich braust das Mutterschiff mit Volldampf voraus davon; die Migranten bleiben in ihrer Nussschale allein auf hoher See zurück und müssen nur noch auf die Anschluss-Schlepper, pardon: die »Seenotretter« warten, damit die sie das letzte Stück nach Lampedusa bringen.

Eigentlich also ein klarer Fall: Da wird künstlich eine »Seenot«-Situation erzeugt, um Migranten durch die Hintertüre illegal nach Europa einzuschleusen. Auch der Deutschland Kurier hat diese spektakuläre Enthüllung gemeldet. Hat auch in diesem Fall wieder geklappt, nur, dass dabei wenigstens die Schmuggler gefangengenommen wurden, deren Schiff Frontex über Stunden hinweg mit einer Drohne überwacht und beobachtet hatte.

Klarer Fall, wirklich? Wer das glaubt, hat die Rechnung ohne ›correctiv‹ gemacht. Die sogenannten »Faktenchecker« können nämlich skeptisch bis über die Schmerzgrenze sein, wenn es gilt, die liebgewordene Erzählung von den armen Migranten und dem hartherzigen Westen zu retten.

Immerhin, das Video ist echt, gibt auch ›correctiv‹ zu. Sie haben dafür sogar bei Frontex nachgefragt. Aber dafür, dass Seenot »künstlich erzeugt« werde, sei das trotzdem kein Beleg: Die Migranten hätten bei der Seetüchtigkeit der Fahrzeuge ja eh nichts mitzureden, das würden die Schmuggler entscheiden; und die wenden die »Mutterschiff«-Methode vor allem aus wirtschaftlichen Gründen an, weil sie damit mehr Menschen aufs Meer schaffen können und auch kein wertvolles Schiff verlieren; und sowieso würden ja alle Boote von den italienischen Behörden geborgen, nicht nur die, die schon tatsächlich in Seenot geraten sind.

Wie jetzt also: Das Boot hätte durchaus in Seenot geraten können? Die Behörden bergen es, damit genau das nicht passiert? Und trotzdem soll diese Situation nicht bewusst herbeigeführt und in Kauf genommen worden sei? Weil die illegalen Migranten ja mit dem Abliefern des üppigen Schlepperlohns auch gleich die Verantwortung abgegeben haben?

Das ist schon höhere Rabulistik. Wenn das Schule macht, stehen uns einige Überraschungen bevor: Es gibt zwar von Satelliten aufgenommene Weltraumfotos, auf denen die Erde wie eine Kugel aussieht, aber das ist noch lange kein Beleg dafür, dass sie nicht doch eine Scheibe ist. Oder: Es gibt Tausende Zeugen, dass Angela Merkel hier und dort als Kanzlerin auftritt, aber das ist noch lange kein Beleg dafür, dass sie nicht schon längst durch einen Kanzler-Androiden ersetzt worden ist.

Aber seien wir ehrlich: Die Jungs von ›correctiv‹ machen halt ihren Job. Facebook hat sie ja nicht einfach so als »Faktenchecker« angeheuert, Soros und die Bundesregierung fördern sie auch nicht einfach nur so. Ihre Mission ist eindeutig: Loblieder auf die Migration singen und migrationsskeptische Spielverderber wie die AfD kräftig runterschreiben. Dafür haben sie ja auch eigens die Rechtsform der Stiftung gewählt, um leichter an Steuer- und Sponsorengelder zu kommen und die eigenen Inhalte auch noch kostenlos möglichst weit verbreiten zu können.

Und, auch das müssen wir zugeben: Auf der Mission ist die ›correctiv‹-Truppe mit Feuereifer bei der Sache. Nicht unbedingt immer mit den besten Argumenten, aber dafür mit viel Mut zur gewagten Behauptung. Und damit haben sie sich den Relotius-Pokal nun wirklich mehr als verdient.

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