Nach Christchurch und Utrecht

Sicherheitsbehörden warnen vor hoher Terror-Gefahr!

Nach den Moschee-Angriffen in Neuseeland (50 Tote) hat die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) Vergeltung angekündigt. Die »Anführer der Ungläubigen« hätten über die Opfer des Massakers »nur Krokodilstränen« vergossen, erklärte der IS in einer Anfang dieser Woche verbreiteten Audiobotschaft und kündigte »Rache für die Glaubensbüder« an. Die mehr als 40 Minuten lange Botschaft wurde über die üblichen IS-Kanäle in den sozialen Medien verbreitet und ist nach Einschätzung von Terrorismus-Experten authentisch.

Symbolträchtige Orte wie der Kölner Dom aber auch wichtige industrielle Produktionsstätten gelten als Hauptziele des Terrorismus

Auch wenn die näheren Hintergründe des mutmaßlich islamistischen Terroranschlags von Utrecht (drei Tote) noch im Dunkeln liegen, sind die deutschen Sicherheitsbehörden aufs Höchste alarmiert. Die Gefahr eines möglichen Anschlags auch in Deutschland sei gestiegen, heißt es dem Vernehmen nach in einem internen Lagepapier.

Hintergrund sind Warnungen westlicher, vor allem US-amerikanischer Nachrichtendienste. Demnach sind insbesondere symbolträchtige Orte wie der Reichstag, der Kölner Dom, der Rhein-Main-Flughafen und die Frankfurter Börse im Visier islamistischer Terroristen. Ebenso gut könne es aber auch einen mit Pendlern voll besetzten Vorortzug treffen.

Als weitere mögliche Anschlagsziele gelten laut US-Hinweisen u. a.:

  • Hamburger Hafen: Dort wird ein großer Teil der deutschen Exporte abgewickelt, ein Anschlag würde die deutsche Wirtschaft ins Mark treffen.
  • Sylt: Unweit der Nordseeinsel trifft das strategisch wichtige Überseekabel auf das europäische Festland. Die Unterwasser-Glasfaserleitungen, über die weite Teile des Telefon- und Internetverkehrs zwischen Europa und den USA abgewickelt werden, sind ein zentraler Nerv. Ein Anschlag könnte die gesamte interkontinentale Kommunikation lahmlegen.
  • Siemens: Gleich mehrere Standorte (darunter auch Erlangen) könnten betroffen sein. Dort wird laut US-Warnung eine »unersetzliche Produktion von Schlüsselerzeugnissen der Chemieindustrie« sichergestellt. Siemens halten die USA auch wegen der Herstellung von Hochspannungstransformatoren, die für das Funktionieren von Stromleitungsnetzen unverzichtbar sind, für gefährdet.
  • BASF-Stammwerk Ludwigshafen: Das Unternehmen ist als weltgrößter zusammenhängender Chemie-Komplex von extremer Wichtigkeit.
  • Hameln Pharma: Das Unternehmen stellt Diethylentriaminpentaacetat (DPTA) her. Der Stoff wird gegen radioaktive Vergiftung eingesetzt.
  • Biotech- und Pharmafirma IDT Biologica: In Dessau-Rosslau (Thüringen) wird ein Impfstoff gegen Pockenviren (biologischer Kampfstoff) hergestellt.

Gut zwei Jahre nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt (12 Tote) ist die Gefahrenlage durch den Amoklauf im neuseeländischen Christchurch nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden wieder deutlich höher. Darauf lasse auch der Anschlag von Utrecht schließen, bei dem sich die Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund verdichten. Ohnehin geht das Bundeskriminalamt (BKA) davon aus, dass in den vergangenen 24 Monaten sechs islamistische Anschläge in Deutschland noch rechtzeitig vereitelt werden konnten.

Einer der spektakulärsten Zugriffe war der Fall des 2017 in Schwerin festgenommenen Yamen A., ein 2015 eingereister »Flüchtling« aus Damaskus. Er wollte nach den Feststellungen des Oberlandesgerichts Hamburg bis zu 200 Menschen durch einen selbstgemixten Sprengsatz töten und hatte dafür die meisten Zutaten bereits zusammen. Ende November 2018 wurde er zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

Auf eine hohe Opferzahl angelegt war auch der Plan des IS-Sympathisanten Sief Allah H. aus Köln. Er wollte Sprengsätze mit dem hochgiftigen Rizin, einer Bio-Waffe, bauen. Fahnder fanden 1.000 Dosen dieses Giftes bei ihm. Für die Sicherstellung musste im Juni vergangenen Jahres ein ganzer Straßenzug im Kölner Stadtteil Chorweiler abgesperrt werden.

Aktuell geht das Bundeskriminalamt von 760 Gefährdern aus, von denen sich derzeit 440 in Deutschland aufhalten sollen. 40 Prozent von ihnen gelten als Hochrisiko-Personen wie der Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri. Dazu kommen weitere 475 »relevante Personen«, die erheblichen Einfluss in der Islamisten-Szene ausüben. (hh/oys).

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