Nach über 10 Jahren: Kinderschänder Jeffrey Epstein endlich verhaftet

Bill Clinton, der Lolita-Express und die »Orgieninsel«

Investmentbanker Jeffrey Epstein muss sich wegen Sexualvergehen vor Gericht verantworten

Jahrelang verfolgten die Mainstream-Medien ohne Beweise den angeblichen Trump-Russland-Skandal, während sie den unfassbaren Skandal um Clinton-Freund und Kinderschänder Jeffrey Epstein vollkommen ignorierten. Nach einer Klage des konservativen YouTubers Mike Cernovich wurde Epstein am Samstag in New York verhaftet.

Hedgefonds-Manager und Milliardär Jeffrey Epstein war mit den Reichen und Berühmten befreundet, veranstaltete luxuriöse Partys in seiner Villa im El Brillo Way 358 in Palm Beach, Florida, seiner New Yorker Stadtwohnung und seiner Privatinsel Little St. James vor Puerto Rico, der sogenannten »Orgieninsel«. Mit seiner eigenen Boeing 727, dem »Lolita-Express«, flog Epstein 2001–2005 Berichten zufolge Gäste wie Kevin Spacey und Prince Andrew nach St. Thomas auf den Jungferninseln, den nächsten geeigneten Flughafen.

Nach Berichten von ›Fox News‹ zeigen die Logbücher von Epsteins Privatflieger, dass Bill Clinton mindestens 26 Mal zu Zielen wie Hongkong, Japan, Singapur, China, Brunei, London, New York, Russland, den Azoren, Belgien, Norwegen und Afrika mitflog. Berichten zufolge erhielt der Luxus-Jet den Spitznamen »Lolita-Express«, da er ein Bett an Bord hatte, in dem Passagiere Gruppensex mit jungen Mädchen hatten, die im Logbuch mit Initialen oder Vornamen wie »Tatiana« verzeichnet sind.

Das Opfer Virginia Roberts, 32, die ausgesagt hat, mit 15 von Epstein sexuell missbraucht worden zu sein, behauptet, Bill Clinton im Jahr 2002 auf der »Orgieninsel« gesehen zu haben, aber Clintons Namen taucht in den Logbüchern zu Flügen nach St. Thomas nicht auf. Das wäre die Zeit gewesen, als Bill Clinton das Weiße Haus nach dem Lewinsky-Skandal und Anschuldigungen von sexuellem Missbrauch, u. a. durch Paula Jones, Gennifer Flowers, Juanita Broaddrick, Kathleen Willey und Kathy Shelton, verlassen hatte.

Seine Frau Hillary war zu dieser Zeit Senatorin in New York, Bill Clinton arbeitete am Aufbau der Clinton-Stiftung. Epstein nannte sich selber »einen der Gründungsmitglieder der Clinton Global Initiative«. Kurz vor dem Wahlkampf 2016 erhielt die Clinton-Stiftung plötzlich und einmalig 3,39 Millionen Euro von der Deutschen Bundesregierung für Entwicklungsprojekte in Afrika, wie Bloggerin Vera Lengsfeld und eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Petr Bystron enthüllten.

Eine preisgekrönte Dokumentation durch Julia K. Brown für den ›Miami Herald‹ enthüllte, wie Jeffrey Epstein in seiner Villa in Palm Beach mindestens 80 minderjährige Mädchen missbrauchte, manchmal bis zu drei am Tag. Der Herald hat etwa 60 dieser Mädchen – heute Frauen um die 30 – gefunden, acht davon erklärten sich zur Aussage bereit, vier davon ließen sich filmen.

Der Ermittler Joseph Recarey nannte Epsteins Vorgehen ein »Schneeballsystem«, bei dem ihm sozial schwache Mädchen durch Gleichaltrige vermittelt wurden und wiederum selbst eine Belohnung erhielten, wenn sie neue »Kandidatinnen« rekrutieren konnten. Opfer Courtney Wild, heute 31, nannte ihn »unersättlich«: »Er wollte immer neue Mädchen.« Wild lernte Epstein 2002 mit 14 kennen, als sie Cheerleaderin mit einer Zahnspange war, und wurde eine seiner Hauptvermittlerinnen. »Als ich 16 war, hatte ich ihm etwa 70 oder 80 Mädchen gebracht, alle 14 oder 15 Jahre alt.« Bevor sie Epstein kennenlernte, war Wild eine Einser-Schülerin an der Lake Worth Mittelschule und spielte Trompete im Orchester, danach begann ihr Absturz in Drogen und Prostitution. Im Oktober 2018 wurde sie nach drei Jahren Haft wegen Drogenhandels aus dem Gefängnis entlassen.

Die Zeuginnen Michelle Licata (li.) und Courtney Wild mit Anwalt Bradley Edwards (vorne) vor dem Bundesgerichtshof in New York

Wild und andere Mädchen gingen für Epstein auf Partys und in Shoppingmalls und suchten gezielt junge Mädchen aus prekären Verhältnissen, die für 200 oder 300 Dollar »einem älteren Herrn eine Massage geben« sollten. Die Mädchen wurden mit Taxis oder Mietautos in Epsteins Villa gefahren, wo sie von seiner Assistentin Sarah Kellen in Empfang genommen wurden und von den Köchen auf Wunsch eine Mahlzeit erhielten. Dann wurden sie eine enge Wendeltreppe zu Epsteins Schlafzimmer hinaufgeführt, an das sein Luxusbadezimmer mit Massagetisch angrenzte.

Epstein empfing sie oft schon liegend in ein Badehandtuch gewickelt, gab ihnen eine Lotion und Anweisungen, seine Füße und den Rücken zu massieren. Irgendwann drehte er sich um und ließ die Mädchen seine Nippel massieren, während er sich selbst befriedigte, so der Polizeibericht laut Miami Herald. Oft versuchte Epstein die jungen Mädchen mit den Fingern oder einem Vibrator zu penetrieren, und ging so weit, wie sie es zuließen, bis hin zum Verkehr, so die Ermittlungsakten.

Manchmal ließ er seine sogenannte »jugoslawische Sexsklavin«, Nadia Marcinko, die bereits über 18 war, die Mädchen mit einem Anschnalldildo penetrieren, während er zusah oder sie dabei fotografierte. Eine Zeugin berichtete, nach einer solchen Begegnung so wund gewesen zu sein, dass sie kaum laufen konnte. Danach duschte sich Epstein in seinem Luxusbadezimmer, das eine mintgrüne und pinkfarbene Couch enthielt, bezahlte die Mädchen und gab ihnen den Auftrag mit, ihm für gleiches Geld neue junge Mädchen zu besorgen.

Die Zeugin berichtete, sie habe sich geweigert, mit Epstein Sex zu haben. Eines Tages habe er sich aber nicht bremsen können und wäre auf dem Massagetisch über sie hergefallen. Danach habe er sich entschuldigt und ihr 1.000 Dollar gegeben, so die Zeugin, die zu diesem Zeitpunkt 16 oder 17 war.

Die Opfer stammten in der Regel aus prekären Verhältnissen, von denen Epstein annehmen konnte, dass sie das Geld nehmen und den Mund halten beziehungsweise, dass sie im Zweifelsfall unglaubwürdig erscheinen würden. Im März 2005 erstattete jedoch eine Mutter Anzeige bei der Polizei von Palm Beach. Ihre Tochter hatte ihr erzählt, wie sie mit zwei anderen Mädchen zu der Villa gebracht worden sei. Diese Mädchen wussten von weiteren Mädchen in dem »Schneeballsystem«, und bald weitete sich die Ermittlung bis nach New York und New Mexiko aus. Laut einer Klage, die im Staat New York anhängig ist, benutzte Epstein eine internationale Modelagentur, um Mädchen im Alter von 13 Jahren aus Europa, Ecuador und Brasilien zu rekrutieren; nicht nur in Palm Beach, sondern in seiner Manhattaner Luxuswohnung und auf seiner Privatinsel.

Die Ermittlungen mündeten in eine 53-seitige Anklageschrift der US-Bundesstaatsanwaltschaft, die für Epstein eine lebenslange Haftstrafe hätte bedeuten können. Doch im Oktober 2007 traf sich der oberste Bundesermittler Alexander Acosta mit Epsteins Anwalt Jay Lefkowitz, der auch sein ehemaliger Kollege bei der Washingtoner Kanzlei Kirkland & Ellis war, und handelte den vielleicht mildesten Deal für einen Serienvergewaltiger in der Geschichte der USA aus: Epstein bekannte sich in zwei Fällen der Kuppelei schuldig und erhielt dafür eine 18-monatige Haftstrafe, die er nicht im Bundesgefängnis, sondern in einer eigens eingerichteten Wohnung im Polizeirevier von Palm Beach verbringen durfte. Epstein erhielt an 6 Tagen die Woche 12 Stunden am Tag Freigang und durfte in sein Büro in Palm Beach fahren, wo er weiterhin Damenbesuch empfing. Laut den Haftrichtlinien der Polizei von Palm Beach sind Sexualstraftäter eigentlich vom Freigang ausgeschlossen.

Im Gegenzug verpflichtete sich die Bundesanwaltschaft, keine weiteren Anklagen oder Ermittlungen gegen Epstein zu unternehmen, obwohl Beweise zu vielen weiteren Fällen vorlagen. Kritiker sehen diesen Deal als völliges Einknicken der Bundesbehörde vor dem reichen und mächtigen Jeffrey Epstein. Der damalige Chef des FBI war Robert Mueller, der heute eher bekannt ist für seine zweijährige ergebnislose Hexenjagd gegen Donald Trump.

E-Mails zwischen Acosta, der heute als Arbeitsminister in der Trump-Regierung dient sowie der führenden Ermittlerin A. Maria Villafaña und Epsteins Anwalt Lefkowitz handeln zum großen Teil davon, wie man negative Berichterstattung über den Fall vermeiden könne. »Zum Thema Pressevermeidung: […] Wir könnten den Fall im Amtsgericht von Miami bringen, wodurch hoffentlich die Berichterstattung maßgeblich reduziert werden sollte. Würden Sie das in Betracht ziehen?«, schrieb Villafaña im September 2007 an Lefkowitz.

Bundesermittler identifizierten 36 minderjährige Opfer, aber entgegen der gängigen Opferschutzpraxis in den USA erhielt keines der Opfer Kenntnis des eingefädelten Deals oder wurde zur Urteilsverkündung am 30. Juni 2008 im Gericht von Palm Beach County geladen.

Viele der damals ermittelnden Beamten der Polizei in Palm Beach waren frustriert über diesen Ausgang ihrer Arbeit, denn sie hatten genug Beweise gesammelt, um Epstein für viele Jahre in ein Bundesgefängnis zu sperren. »Der Tag, an dem ein Bundesstaatsanwalt Angst vor einem Beschuldigten oder dessen Anwalt haben muss, weil dieser zu mächtig ist, ist ein sehr trauriger Tag für dieses Land«, sagte der ermittelnde Beamte Mike Fisten dem ›Miami Herald‹. Fisten hat die Polizei verlassen und arbeitet nun als Privatermittler.

Konservative Beobachter aus dem Trump-Lager ließen den Epstein-Fall jedoch nicht ruhen, auch wenn sie dafür in den Mainstream-Medien gerne als Verschwörungstheoretiker und »Pizzagater« diffamiert wurden. Der kalifornische YouTuber Mike Cernovich reichte am 19.1.2017 Zivilklage gegen den Verschluss des Epstein-Deals ein. Darauf schlossen sich der ›Miami Herald‹ und Epsteins Ex-Anwalt, der renommierte konservative Rechtsexperte Alan Dershowitz, der Klage an. (Dershowitz wird auch beschuldigt, an den Orgien auf Little St. James teilgenommen zu haben.) Am 2.7.2019 gab das Bundesgericht für Süd New York der Beschwerde statt und ordnete die Wiedereröffnung des Epstein-Falls an.

Am Samstag, den 6.7.2019 wurde Jeffrey Epstein nach seiner Ankunft aus Paris am Flughafen in Teterboro, New Jersey, verhaftet und wurde am Montag dem Haftrichter vorgeführt. FBI-Agenten brachen am Samstagnachmittag die Tür zu seiner Wohnung in Manhattan auf und durchsuchten sie.

Im Gespräch mit Sean Hannity auf ›Fox News‹ hatte Präsident Trump bereits orakelt, auf Bill Clinton kämen wegen der Epstein-Ermittlungen »eine Menge Schwierigkeiten« zu. Trump hatte Epstein aus seinem Mar-a-Lago-Golfclub geworfen, nachdem dieser dort die junge Angestellte Virginia Roberts (heute 35) rekrutiert hatte.

Lesen Sie auch (in englischer Sprache): Die Untersuchung des ›Miami Herald‹: Perversion der Justiz

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